Weihnachtsaktion der OVB-Heimatzeitungen:

Martinas Welt

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Versunken in ihrer eigenen Welt: Über den Dingen schwebt Martina nicht nur in der Hängeschaukel. Die 21-jährige Frau genießt ihr neues Leben in der Förderstätte in Raubling, der die OVB-Weihnachtsaktion gewidmet ist.

Rosenheim/Mühldorf - Wie das wohl ist, wenn man seine Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen nicht mitteilen kann? Wenn man nicht sagen kann, wie man sich fühlt? Martina (21) weiß es.

Die junge Frau ist geistig schwer behindert, sitzt im Rollstuhl, spricht kein Wort. Dennoch ist Martina eine der faszinierendsten Persönlichkeiten in der Förderstätte in Raubling. Menschen wie ihr ist die OVB-Weihnachtsaktion 2013 gewidmet.

Die Förderstätte der Caritas-Wendelstein-Werkstätten ist für die Männer und Frauen, die dort tagsüber betreut und versorgt werden, ein Glücksfall. Das gilt auch für Martina. Der Acht-Stunden-Tag in Raubling ist für sie viel mehr als "nur" Therapie. Förderstätte, das heißt für die 21-jährige Brannenburgerin vor allem: Rauskommen von daheim, rauskommen aus dem Rollstuhl, Spaß haben, Kontakte knüpfen, Freunde finden, gefordert und gefördert, wahrgenommen und verstanden werden - ein tägliches Eintauchen ins wohltuende Bad der menschlichen Grundbedürfnisse, das ihr sichtlich gut tut.

Das war nicht immer so. Vor zweieinhalb Jahren, als sie mit 18 in die Förderstätte kam, floss noch so manche Träne. Damals war Martina kontaktscheu. Heute hat sie es gern, wenn man sie Sachen aus nächster Nähe betrachten, spüren, schmecken, hören oder riechen lässt. Im Kochkurs liebt sie es, mit dem Mixer auf ihrem Rollstuhltisch den Teig zu rühren. Sie taucht in die bunte Welt der Jugendzeitschriften ein, entspannt auf der noch nicht ganz fertigen Spürinsel.

Weil Worte nicht ihre Stärke sind, spricht Martina mit ihren Augen. Sie sucht Blickkontakt, mustert ihre Umgebung genau, zieht den linken Mundwinkel hoch, wenn ihr etwas gefällt. Dabei wirkt sie wie ein Mensch, der sich für alles interessiert, aber stets in sich ruht und irgendwie über den Dingen schwebt.

Dass Martina heute das sanfte Hin und Her in der Schaukel genießt, macht auch den Mann, der in Martinas Gesicht lesen kann wie kein Zweiter, stolz und zufrieden. Denn Wolfgang Schmerbeck hat das zähe Ringen um den Bau der Förderstätte von Beginn an begleitet. Los ging es ganz klein und bescheiden mit einer Mini-Gruppe aus drei Personen, die er in einer Wohnung über der früheren Caritas-Teilwerkstätte im Rosenheimer Stadtteil Kastenau betreut hat. Das war Ende der 90er Jahre. Schnell wurde daraus eine Sechsergruppe. Zudem lebten in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung noch sechs Personen, die dann im Jahre 2002 zusammen mit der bestehenden Stammgruppe den Durchbruch für die Förderstätte in Raubling schafften.

Die OVB-Weihnachtsaktion "Menschen mit Behinderung mitten unter uns" unterstützt den derzeit laufenden Ausbau der Einrichtung, der die Kapazität von 36 auf 60 Plätze erhöht und im Frühjahr abgeschlossen sein soll.

ls/OVB-Heimatzeitungen

Quelle: rosenheim24.de

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