"Weihnachtsgeschenk" verlängert Haft

Rosenheim - Ein 32-jähriger Drogenabhängiger wäre eigentlich im Juni aus der Haft und in die Therapie entlassen worden - doch ein "Weihnachtsgeschenk" seiner Mutter sorgt für neuen Ärger.

Der 32-jährige vor dem Rosenheimer Schöffengericht Angeklagte hat bereits eine längere Drogenkarriere hinter sich: Seit 1996 ist er abhängig. Deshalb hat er seinen erlernten Beruf als Industriemechaniker zwar erfolgreich abgeschlossen, aber nach der Lehre niemals ausgeübt. 25 Eintragungen umfasst sein Strafregister - nahezu ausschließlich Drogenvergehen oder dazu gehörige Beschaffungskriminalität.

Seit 2008 sitzt er wieder einmal in der Justizvollzugsanstalt Bernau. Im Juni wäre er dort entlassen worden und hätte endlich die so notwendige Drogentherapie antreten können. Aber daraus wird nun vorerst nichts werden.

Im Dezember 2009 musste er in einer anderen Sache vor Gericht als Zeuge aussagen. Diese Gelegenheit nutzte die Mutter, ihren Sohn außerhalb der üblichen Gefängnis-Besuchszeiten zu sehen. Dagegen wäre nichts einzuwenden, sehr wohl aber gegen ihr "Weihnachtsgeschenk" in Form einer Zündholzschachtel, gefüllt mit Heroin und Subotex-Tabletten.

Bei Kontrolle sofort erwischt

Bei der Kontrolle durch die Begleitbeamten kam die verbotene Geschenkpackung zum Vorschein und so saßen nun Mutter und Sohn vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber. Mutter und Sohn waren umfassend geständig - wobei es auch kaum etwas zu bestreiten gab.

Weil diese Drogen in jedem Gefängnis eine begehrte Handelsware sind, unterstellte die Staatsanwältin ein "versuchtes Handeltreiben mit verbotenen Drogen", was selbstverständlich bedeutend höher bestraft wird als einfacher Erwerb zum Eigenbedarf. Sie forderte deshalb für den Sohn zehn Monate Gefängnis. Die Mutter sei wegen Beihilfe mit vier Monaten Gefängnis zu bestrafen. Diese Strafe könnte, weil die Mutter ohne jegliche Vorstrafe war, zur Bewährung ausgesetzt werden.

Verteidiger Rechtsanwalt Bernd Gutowski bestritt für seinen Mandanten lebhaft die Absicht des Handeltreibens. Dieser sei nachweislich selber in hohem Maße drogenabhängig und wollte Mutters Weihnachtsgeschenke alleine für sich nutzen. Sechs Monate Haft hielt Gutowski für völlig ausreichend.

Rechtsanwalt Hans-Dieter Gross erklärte das Vergehen seiner Mandantin als einmaligen Ausrutscher aus falsch verstandener Mutterliebe und stellte das Urteil in das Ermessen des Gerichtes.

Statt Therapie weitere acht Monate Haft

Wenn nach der allgemeinen Lebenserfahrung - so der Schöffengerichtsvorsitzende - auch sehr wahrscheinlich ist, dass der Angeklagte die Drogen auch zum gewinnbringenden Handel verwendet hätte, so sei ihm das doch nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Er verhängte gegen den Sohn weitere acht Monate Gefängnis, so dass sich sein Entlassungstermin und auch die Therapie in das nächste Jahr verschiebt.

Die Mutter kam mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen davon.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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