Weko schreckt Innenstadt

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Randsortimente bei Weko : Händler in der Innenstadt sind besorgt.

Rosenheim - Das Möbelhaus Weko will die Verkaufsfläche für die sogenannten innenstadtrelevanten Randsortimente erweitern. Dagegen läuft der Einzelhandelsverband Sturm.

Besonders betroffen wäre die Firma Karstadt. Bei der Genehmigung für Weko spielte der Anteil von Ware, die typischerweise in der Innenstadt angeboten wird, eine entscheidende Rolle. Der Stadtrat befürchtete, der Möbelriese werde nicht nur den einheimischen Möbelgeschäften das Wasser abgraben, sondern auch andere Branchen in der Innenstadt in Bedrängnis bringen. In der Baugenehmigung von 2002 ist deshalb festgelegt, dass mit dem sogenannten Randsortiment nicht mehr als zehn Prozent der Gesamtverkaufsfläche belegt werden darf, das sind 3000 Quadratmeter von 30.000. So steht es auch im Bebauungsplan, der die Nutzungsmöglichkeiten im Gewerbegebiet Süd festschreibt. Jetzt hat Weko den Antrag gestellt, die Fläche für die Randsortimente um 800 Quadratmeter zu erweitern. Gleichzeitig sollen Lampen und Leuchten ins sogenannte Kernsortiment verlagert werden.

Auf Befragen der Redaktion erläutert Sebastian Mahrenholz von der Marketingfirma Cima, Lampen und Leuchten seien früher in einem Möbelhaus dem Randsortiment zuzuordnen gewesen, heutzutage würden sie aber durchaus zum Kernsortiment gehören: "So etwas bietet inzwischen jedes Möbelhaus. Der Begriff Randsortimente lässt sich nicht klar definieren. Das ist ein fließender Prozess."

Das Jonglieren mit den Flächen führt nach Einschätzung des Rosenheimer Einzelhandelsverbands fast zu einer Verdoppelung der Fläche für Randsortimente. Vorsitzender Gerhard Buluschek zeigt sich bestürzt. Im Namen des Ortsvorstands warnt er eindringlich davor, dem Antrag stattzugeben. Die Rosenheimer Innenstadt sei ohnehin schon sehr textillastig. Ein weiteres Verschwinden von Sortimenten - Weko will nun auch Lederwaren und Babyartikel hinzunehmen - würde nach Einschätzung des Verbands die Vielfalt, die Attraktivität und Anziehungskraft der Innenstadt weiter schwächen. Das Versprechen, die Weko-Ansiedelung werde die Innenstadt nicht übermäßig beeinträchigen, habe überdies maßgeblich den damaligen Bürgerentscheid beeinflusst.

City-Manager Günther Boncelet äußert "große Sorge" und weist auf die Gesamtentwicklung hin. Ohnehin würden Verkaufsflächen in eine nicht mehr rationale Größe hineinwachsen. Das betreffe die Nachbargemeinden ebenso wie Rosenheim selbst und Shopping-Malls an den Autobahnen. Der Aicherpark habe sich fast verdoppelt und dies überwiegend mit innenstadtrelevanten Sortimenten. Man müsse auch bedenken, dass irgendwann zusätzlich auch das Bahnhofsgelände entwickelt werden soll.

Karstadt: "Nicht folgenlos für uns"

Karstadt hat erst vor wenigen Monaten nach Insolvenz und Finden eines Investors eine kritische Phase überstanden. Nun sieht der Rosenheimer Geschäftsführer Mathias Ecke ein weiteres Problem auf das Rosenheimer Haus zukommen. "Wir beanspruchen keinen Artenschutz. Wir stellen uns der Konkurrenz", sagt Ecke. Doch schon jetzt sei in großen Teilen bei Weko das gleiche Sortiment zu finden wie bei Karstadt. Seiner Ansicht nach zeigt schon die im Sprachgebrauch übliche Umbenennung in "Wohnkaufhaus" die eingeschlagene Richtung. Hier finde eine klare strategische Änderung des Verkaufskonzepts statt. Ecke hat Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer wissen lassen: "Hier werden primär innenstadtrelevante Sortimente über Gebühr aufgebläht, was nicht folgenlos für die Innenstadt und Karstadt wäre."

Der Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschuss berät morgen, Donnerstag, über den Antrag. Beginn der öffentlichen Sitzung im kleinen Rathaussaal ist um 17 Uhr.

Die Geschäftsführung von Weko war gestern wegen dringender Termine bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

 

Elvira Biebel-Neu (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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