Wetter-Chaos: Landtag setzt Bahn unter Druck

München - Die Stimmung aufgeheizt, das Thema eisig – der Landtag hat am Donnerstag den Druck auf die Deutsche Bahn erhöht. Grund für die Kritik sind die anhaltenden Winterprobleme auf zahlreichen Zug-strecken.

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Donnerstag, 9.15 Uhr, Saal 1 im bayerischen Landtag. An der Tür klebt ein Schild mit der Aufschrift „Wirtschaftsausschuss“. Passender wäre „Gerichtssaal“ gewesen. Denn Klaus-Dieter Josel, der zwei Plätze neben dem Ausschussvorsitzenden Erwin Huber (CSU) Platz genommen hat, wird sich schon bald wie ein Angeklagter fühlen. Die Vorwürfe: schlechte Informationspolitik, Ausfälle, technische Mängel und Verspätungen. Josel ist Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB) für den Freistaat Bayern. Grund für die Vorladung waren die nicht enden wollenden Winterprobleme der Bahn.

„Es ist seit dem letzten Winter nicht besser geworden“, monierte Fritz Czeschka, Geschäftsführer der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) zu Beginn der Sitzung. Im Gegenteil: Die Zahl der Weichenstörungen sei von Januar bis Oktober sogar um 90 Prozent gestiegen. Die Zahl der „Langsamfahrstellen“ habe sich um 56 Prozent erhöht. Auch die Unpünktlichkeit hätte zugenommen. Fazit des BEG-Chefs: „Wir haben Nachbesserungsbedarf.“

Das weiß auch Josel, der versuchte, Gründe für die aktuellen Probleme zu nennen. Bäume stürzen auf Schienen, Weichen werden von Eisklumpen blockiert. „Da hilft es auch nichts, dass 83 Prozent aller Weichen eine Weichenheizungen haben.“ Außerdem seien bei den Münchner S-Bahnen bisher nicht alle Antriebs-Achsen mit Sandstreuung ausgestattet. Hinzu komme, dass beim Fugger-Express (München - Augsburg) und dem Donau-Isar-Express (München - Passau) die Kupplungen nicht richtig funktionierten und beim ICE die Radsätze zehn Mal so häufig kontrolliert werden, wie angegeben. „Wegen der Reparaturen fehlen Züge.“

Auch beim Thema Pünktlichkeit versuchte der DB-Vertreter zu beruhigen. „Dass es bei derartigen Witterungszuständen zu Verspätungen kommt, ist normal. Auf den Straßen ist es viel schlimmer“, so Josel und verwies auf 180 Kilometer Stau am Donnerstagvormittag auf den Autobahnen. Die Bahn selbst fahre derzeit nach der Devise: Lieber langsam als gar nicht. Befürchtungen der Ausschussmitglieder, es könnte wieder zu „katastrophalen Zuständen“ kommen, wie am 28. Januar 2010, als am Münchner Bahnhof gar nichts mehr ging, wiegelte er ab. „Das wird nicht passieren.“

Doch damit wollten sich die Ausschussmitglieder – viele Abgeordnete sind selbst Pendler – nicht abspeisen lassen. Sie bombardierten Josel mit Kritik. „Plötzlich und unerwartet kommt der Winter, und immer wieder wird die Bahn überrascht“, schimpfte der Lindauer CSU-Abgeordnete Eberhard Rotter, der die fehlerhafte Technik vieler Züge monierte. Josel konterte: „Für die schlechte Qualität der Züge können wir nichts. Das ist ein Problem der Hersteller.“ Die Störungen seien aber „nicht neu“ bemerkte Ludwig Hartmann (Grüne). Wofür er kein Verständnis habe, sei, „dass die Fahrzeuge ausgehen“. Er spielte damit auch auf die aktuellen Probleme der Münchner S-Bahn an.

Größter Kritikpunkt war die mangelhafte Informationspolitik der Bahn. „Ich weiß nie, ob mein Zug kommt oder nicht. Und wenn ja, wann“, schimpfte die Oberpfälzer SPD-Abgeordnete Annette Karl. Sie sei deshalb schon mehrfach von hilfesuchenden Mitreisenden angesprochen worden. „Die Leute denken, da steht eine Abgeordnete, die wird schon wissen, wann der Zug fährt“, erzählte sie. „Dabei habe ich selbst keine Ahnung.“ Nach gut zwei Stunden machte Ausschuss-Chef Huber der „Anhörung“ ein Ende und verabschiedete Josel mit den Worten „Auf Wiedersehen – da bin ich mir sicher“. Der DB-Vertreter verließ eilig den Saal. Der nächste Termin wartete schon – und Josel war zu spät dran.

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