"Wir Frauen brauchen keine Quote"

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Konservativ: Für Katrin Albsteiger macht gerade das den Reiz der CSU aus.

Rosenheim - Auf dem CSU-Parteitag 2010 hielt Katrin Albsteiger eine fulminante Rede gegen die parteiinterne Frauenquote, mit der die CSU ihr Image als Altherrenpartei bekämpfen wollte.

Die Quote wurde zwar beschlossen, Albsteiger aber erfuhr für ihren Auftritt viel Zustimmung. Ende 2011 wurde sie zur Vorsitzenden der JU Bayern gewählt - die erste Frau, die dieses Amt bekleidet. Von Frauenquoten hält die schwäbische Nachwuchspolitikerin aber nach wie vor wenig.

Markus Söder, Otto Wiesheu, Theo Waigel - sie alle waren einst Vorsitzende der JU Bayern. Nun steht erstmals eine Frau an der Spitze der CSU-Nachwuchsorganisation: Katrin Albsteiger ist 28 Jahre jung, Gemeinderätin in ihrer schwäbischen Heimatgemeinde Elchingen und arbeitet bei den Ulmer Stadtwerken. Damit steht sie für eine Bevölkerungsgruppe, die die CSU nur schwer erreicht: weiblich, jung, gut ausgebildet.

Das Etikett Altherrenpartei für die CSU will Albsteiger aber nicht gelten lassen. "Natürlich haben wir viele ältere Herren in der Politik. Aber mit einer Mitgliederquote von knapp 30 Prozent Frauen können wir als JU uns sehen lassen", sagt sie. Auch sie wünscht sich möglichst viele Frauen in den Führungspositionen der Partei. Doch sie macht auch keinen Hehl daraus, dass sie einer Frauenquote nach wie vor skeptisch gegenübersteht - "auch wenn wir als JU den Parteitagsbeschluss natürlich akzeptieren": Parteivorstände sollten nach Eignung gewählt werden und nicht nach Geschlecht: "Für mich wird durch eine solche Quote das demokratische Prinzip eingeschränkt."

Doch das ist nicht der einzige Grund: "Ich glaube auch nicht, dass wir Frauen das brauchen." Ihre bisherige politische Karriere hat sie in dieser Überzeugung bestätigt: "Meine Erfahrung war bisher: Alle sind froh, wenn ich als Frau mich zur Wahl stelle." Das Problem sei eher, dass Frauen oft zu bescheiden seien: "Wir Frauen sind gut. Wir müssen auch einen Anspruch auf Führungspositionen erheben und kandidieren."

Sie selbst hat den Weg in die Politik durch ihr Engagement als Schülersprecherin gefunden. 2003 trat sie der JU bei, zwei Jahre später der CSU. Mit dem Begriff "konservativ" hat Albsteiger keine Probleme. Im Gegenteil: "Mich hat an der CSU gerade ihr konservatives Profil angesprochen. Ich finde es gut, Bewahrenswertes zu bewahren."

Was ihr ebenfalls gefallen hat: Die CSU setze in der Bildungspolitik den Fokus auf Leistung. Überhaupt ist sie der Überzeugung, dass Bayern in Sachen Bildung auf einem guten Weg ist: "Das differenzierte Schulsystem ist für mich das einzig wahre." Im dreigliedrigen Schulsystem gebe es für jeden einen eigenen Weg. Der müsse natürlich nicht am Ende der vierten Klasse feststehen. Deshalb sei die Durchlässigkeit des Bildungssystems ebenso wichtig wie kleine Klassen, um die Kinder optimal fördern zu können.

Sie forderte ein Ende der ständigen Strukturdebatten im Bildungsbereich. Natürlich gebe es immer Verbesserungspotenzial. Doch es reiche aus, an einzelnen Stellschrauben zu drehen, etwa beim Ausbau der Ganztagesbetreuung oder den Klassengrößen - statt ständig das ganze System in Frage zu stellen.

In Sachen Betreuungsgeld ist Albsteiger im Übrigen auf Parteikurs. Aufgabe von Politik müsse es sein, Betreuungsangebote für Menschen in allen Lebenssituationen zu schaffen. Deshalb müsse es natürlich auch genügend Betreuungsplätze für Kinder geben. "Wir schaffen damit aber auch einen gesellschaftlichen und politischen Druck, dass Frauen schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren müssen", glaubt sie. Ein Betreuungsgeld könne dem entgegenwirken und Familien dabei helfen, ihre Kinder zu fördern, etwa durch den Besuch von Musikschulen oder mit anderen Angeboten. Im Übrigen sei das Betreuungsgeld nur einer von vielen Aspekten der Familienförderung.

Am Herzen liegt Albsteiger auch das Thema Generationengerechtigkeit. Bei Veranstaltungen und Online-Diskussionen der JU soll jeder Ideen, Impulse und Anregungen geben können für das Programm, mit dem die CSU 2013 in den Landtagswahlkampf ziehen wird.

Dass ihr Weg Albsteiger in die Politik geführt hat, ist zu einem guten Teil dem Zufall zu verdanken. "Politische Karrieren sind nicht planbar", so die 28-Jährige. Ihr Politikstudium begann sie mit dem Berufsziel Journalismus. "Ich habe vor zwei Jahren nie gedacht, dass ich heute Vorsitzende der JU sein würde. Keine Ahnung, wo ich in zwei Jahren sein werde." Wenn für sie alles gut läuft, könnte es der bayerische Landtag sein: Sie hat angekündigt, sich um einen Platz auf der CSU-Liste zu bewerben.

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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