"Wir sind auf alles vorbereitet"

Krankenhaus rüstet sich für die Wiesn

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Entspannt: Schwester Arzila Dzafic, Chefchirurg Michael H. Schoenberg, Schwester Kirstin v. Benckendorff und Privatdozent Christian v. Bary (v.l.).

München - Das Rotkreuzklinikum rüstet sich für die turbulente Zeit des Oktoberfestes. Dabei ist großes Engagement des Personals verlangt.

Die Krankenschwestern berichten von lustigen und rührenden Szenen, von Patienten, die ihnen Handküsse geben, Komplimente und Heiratsanträge machen, von Wartenden, die mit Kopfverband nebeneinander sitzen, ins Gespräch kommen und Freundschaft schließen. So nett kann es während der Wiesn im Rotkreuzklinikum zugehen – doch hinter den Kulissen arbeiten alle im Haus hart daran, mit dem Ausnahmezustand während des Oktoberfests fertig zu werden. Im Juli begann die heiße Phase, in der sich das Krankenhaus auf die beiden Wiesn-Wochen vorbereitet. Nicht nur die Ärzte und das Pflegepersonal sind eingebunden, sondern auch der Transport- und Reinigungsdienst sowie die Mitarbeiter in der Küche.

In der Zentralen Notaufnahme geht es in dieser Zeit hektisch zu. Privatdozent Christian von Bary erklärt: „Wir haben 100 Prozent mehr Patienten als sonst. Es ist eine besondere Situation, unter anderem wegen unserer geografischen Nähe zur Wiesn, die viele andere Häuser nicht haben.“ Fürs Personal bedeutet das mehr Arbeit in verstärkter Besetzung, vor allem nachts und an den Wochenenden. Die Mitarbeiter halten sich alle in München auf, niemand macht Urlaub, und die Schichten werden zur Hälfte mit erfahrenem Personal besetzt.

Patienten, die vom Oktoberfest in die Notaufnahme kommen, haben Alkoholvergiftungen, Platzwunden, weil sie vom Biertisch gefallen sind oder sich geschlagen haben, Schnittverletzungen, Kollapse, Atembeschwerden, Probleme mit dem Blutdruck oder dem Blutzuckerspiegel. „Es ist eine wirkliche Herausforderung, die Schwerkranken von den Wiesngeschädigten zu unterscheiden“, sagt Michael H. Schoenberg, Ärztlicher Direktor und Chefchirurg des Rotkreuzklinikums.

Die meisten haben einen Rausch. Die gilt es dann über Nacht auszunüchtern – im „Aquarium“, einem eigens zur Wiesn-Zeit eingerichteten Raum, der gekachelt und mit Matratzen ausgestattet ist. Pflegekräfte bleiben bei den betrunkenen Patienten und passen auf, dass sie zum Beispiel nicht an Erbrochenem ersticken. Die Versorgungsräume in der Notaufnahme sind mit farbigen Magnetstreifen gekennzeichnet, rot, orange, gelb und grün, damit Ärzte, Pfleger und Schwestern auf einen Blick erkennen, wo die schweren Fälle liegen und wer noch ein wenig warten kann.

Jeder, der ins Krankenhaus kommt, wird behandelt, egal ob er später dafür aufkommt oder nicht. „Wir zahlen bei diesem Geschäft drauf“, sagt Verwaltungsdirektor Christian Schroth. Gerade wegen der zahlreichen ausländischen Touristen, die das Oktoberfest besuchen und die Dienste des Klinikums in Anspruch nehmen. Viele von ihnen haben gar kein Geld, andere nehmen zwar die Rechnung mit, begleichen sie aber nie. Verwaltungsdirektor Schroth schätzt, dass etwa ein Drittel dieser Patienten nicht zahlt.

Ein zusätzlicher Posten in den beiden Wiesn-Wochen ist der externe Sicherheitsdienst, der zum Schutz des Krankenhauspersonals engagiert wird und ein Auge auf die eingelieferten Patienten und ihre Begleitungen hat. Privatdozent von Bary erzählt: „Dass die Patienten unleidlich sind, nicht bleiben wollen und es zu Handgreiflichkeiten kommt, haben wir fast täglich.“ Die Patienten sind dann auch für sich selbst eine Gefährdung. In solchen Situationen können vor allem erfahrene Schwestern helfen. Wenn jemand randaliert, muss die Polizei dazukommen. Die Beamten sind während des Oktoberfests Dauergäste im Klinikum, sie begleiten auch Taschendiebe und Schläger dorthin, die sie zuvor festgenommen haben.

1200 Patienten sind im letzten Jahr zur Wiesn durch die Notaufnahme des Rotkreuzklinikums geschleust worden, dieses Jahr rechnet das Krankenhaus mit einem ähnlich starken Zulauf, der normale Betrieb läuft parallel weiter. Chefchirurg Michael H. Schoenberg ist zuversichtlich, dass die akribische Planung größere Probleme verhindern wird: „Wir sind auf alles vorbereitet!“

Michaela Kakuk

Quelle: Oktoberfest live

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