PC-Rollenspiel Skyrim 

WM-Mord: War dieses Spiel wirklich der Auslöser?

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Sah sich Christoph R. als Nachtwanderer - seinem heldenhaften Avatar im Rollenspiel Skyrim? Wir zeigen den Angeklagten unverpixelt, weil er über seinen Anwalt mitteilen ließ, dass er so gezeigt werden möchte.
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Bad Reichenhall/Traunstein - Das PC-Rollenspiel "Skyrim" nimmt eine große Rolle bei der Motivsuche zum "WM-Mord" ein. Viele unserer User halten das für konstruiert und zu weit hergeholt.

Zwar schweigt der Angeklagte Christoph R. weiter zu den Vorwürfen, doch am ersten Verhandlungstag am Dienstag brachten dafür Zeugen und Kripo-Beamte etwas mehr Licht in das Dunkel der brutalen Taten vom 14. Juli 2014.

Unheimliche Parallelen

"Skyrim" - was ist das?

Es handelt sich hierbei um den 5. Teil der Rollenspielreihe "The Elder Scrolls" (dt.: "Die Schriften der Weisen"). Der Spieler muss dabei die Provinz Skyrim (dt.: Himmelsrand) von den zurückgekehrten Drachen befreien. Das Spiel wurde 2011 veröffentlicht.

Ein ermittelnder Kommissar glaubt, dass das PC-Rollenspiel "The Elder Scrolls V - Skyrim" ein entscheidendes Puzzlestück zur Aufklärung sein könnte. So habe der Angeklagte Christoph R. in der Kaserne "exzessiv" Skyrim gespielt, teilte der Beamte vor Gericht mit. Mit seinem Avatar muss der Spieler dabei mit einem Messer Monster töten und Trophäen sammeln: "Wir wissen es natürlich nicht sicher, aber der Stofffetzen aus dem Unterhemd von Alfons (Anm. d. Red.: das erste Opfer), das neben ihm lag, könnte so eine Trophäe gewesen sein." Bei Christoph C. fand man später außerdem einen Handspiegel, der dem Opfer Sarah aus der Tasche entwendet wurde - eine weitere "Trophäe"? 

Und noch ein Indiz spricht aus Sicht der Kripo dafür: Einem Zeugen, der Christoph R. in der Tatnacht begegnete, sagte der mutmaßliche Täter, er sei "der Nachtwanderer". Genau das war auch der Name seines Avatars im Rollenspiel.

Jagdszenen: So sieht das Spiel Skyrim aus

User sehen das anders

Vielen Rollenspielern unter unseren Usern stellen sich bei dieser Indizienkette des Kripo-Beamten jedoch die Nackenhaare auf. So schrieb uns Fabian Schlögl: "Rollenspiele sind im Vergleich zu 'Ballerspielen' nicht per se übertrieben gewalttätig. Gewalt kommt in solchen Spielen vor, ist aber immer nur Mittel zum Zweck. Auch gibt es hier keine übertrieben genaue Darstellung. Das Mitnehmen von 'Andenken' an Mordopfer ist auch von anderen Tätern bekannt, die keine Videospiele gespielt haben. Eine Verbindung zwischen Videospiel und Realität ist möglich, würde mir aber nicht als Erstes in den Sinn kommen."

Noch eindeutiger die Reaktion auf Facebook. Pamela L. sieht sich unter Generalverdacht: "Ich spiele seit 10 Jahren World of Warcraft. Vielleicht sollte ich mich mal untersuchen lassen, weil ich noch immer nicht Amok gelaufen bin!"

Andi G. kommentierte es sarkastisch: "Ja, wenn man solche Spiele spielt wird man wohl zwangsläufig zum Mörder. Deswegen war ich auch Skate-Profi als ich Tony Hawk gespielt hab und seit ich Forza Motorsport spiele, bin ich Profi-Rennfahrer!"

Michael Urban meint: "Es ist schon ziemlich einfach die Schuld für solche Taten immer auf Medien (Spiele, Bücher, Filme etc.) zu schieben. Leute mit solchen Tendenzen könnten auch ihr Leben lang mit Steinen spielen und es würden die selben Dinge passieren."

Fotos vom ersten Prozesstag:

WM-Mord: Prozessauftakt in Traunstein

Wissenschaftler untersuchen Zusammenhang

Psychologen untersuchen seit vielen Jahren einen möglichen Zusammenhang von Video-bzw. Computerspielen und dem Gewaltpotential im "echten Leben". Dabei fallen die Untersuchungsergebnisse höchst unterschiedlich aus.

Eine Langzeitstudie der kanadischen Brock University unter 1500 Highschool- Schülern bestätigte einen Zusammenhang. Diejenigen, die regelmäßig gewalthaltige Spiele konsumierten, hatten über Jahre hinweg ein deutlich höheres Aggressionspotential entwickelt. Das Ergebnis wurde im Jahr 2012 veröffentlicht. Andere verfälschende Faktoren wurden von den Wissenschaftlern ausgeschlossen.

Tobias Greitemeyer und Dirk Mügge von der Universität Innsbruck führten 98 einzelne Studien zusammen, die seit 2009 durchgeführt wurden. Bei diesen wurden insgesamt fast 37.000 Probanden untersucht. Das Ergebnis der Analyse dieser Vielzahl von Einzelstudien zeigte: Computerspiele zeigen Wirkung bei jenen, die viel Zeit mit ihnen verbringen, allerdings ist dieser Effekt nicht groß. Es gibt laut den Forschern nur einen schwachen Zusammenhang von aggressiven Spielen und aggressivem Verhalten, schrieben sie 2014 im Fachmagazin Personality and Social Psychology Bulletin.

Bereits im Jahr 2010 bestätigte das eine Meta-Analyse von Craig Anderson von der Iowa State University. Auch er wertete mit seinem Team mehrere Studien mit mehr als 130.000 Teilnehmern aus. Das Ergebnis dieser Analyse: Gewaltspiele verstärken aggressives Verhalten und dämpfen empathische Gefühle - aber nur moderat.

Kein Anlass also für Hysterie oder gar einem Generalverdacht gegen alle Zocker! Jedoch könnte der Angeklagte Christoph R. einer jener seltenen Ausnahmen gewesen sein, auf den die virtuellen Scheinwelten einen zu großen Einfluss nahmen...  

++ Ab 9 Uhr berichten wir weiter vom Prozess. Am zweiten Verhandlungstag werden neben weiteren Zeugen auch der Gerichtsmediziner und Sachverständige des Landeskriminalamts aussagen. Am Freitag wird die Aussage des zweiten Opfers erwartet. Bei uns erfahren Sie aktuell alle neuen Hintergründe dieser brutalen Taten. ++

mg

Quelle: BGland24.de

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