"Wollen die Schule im Dorf lassen"

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Kreisbäuerin Rosalinde Riepertinger (rechts) und Landesbäuerin Annemarie Biechl (links) freuten sich über den Besuch von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle beim Landfrauentag.

Rosenheim/Landkreis - Lebenslanges Lernen gehört zum Berufsalltag der "Landfraunen", weshalb Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle am Donnerstag willkommener Gast im Kultur- und Kongresszentrum war.

Er trägt traditionell den Titel "Landfrauentag", doch dieser Name wird dem alljährlichen Landkreistreffen der Bäuerinnen kaum noch gerecht. Sie sind längst zu Managerinnen ihrer Familienbetriebe aufgestiegen, die einen Großteil ihrer Zeit am Schreibtisch verbringen. Lebenslanges Lernen gehört ebenfalls zum Berufsalltag, weshalb Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle gestern willkommener Gast im Kultur- und Kongresszentrum war. Geballte Frauen-Power: 300 Bäuerinnen zeigten mit ihrer Präsenz beim Landfrauentag, dass weiblicher Einfluss, der derzeit in vielen Wirtschaftsbranchen verstärkt gefordert wird, in ihrem Beruf längst gang und gäbe ist. "Ehefrauen, Mütter, Großmütter, Unternehmerinnen": So umschrieb denn auch Kreisbäuerin Rosalinde Riepertinger das Tätigkeitsfeld der Landfrauen in ihrer Begrüßungsrede. Sie stehen nach Überzeugung von Landesbäuerin Annemarie Biechl nicht nur für das Bemühen um lebenslange Weiterbildung als Basis für den wirtschaftlichen Erfolg der Betriebe, für umfangreiches Know-how rund um Haus und Hof, sondern auch für "Herzensbildung".

Menschen emotional ansprechen: Diesem Ziel widmet sich nach Informationen von Rosalinde Riepertinger auch der Milchfrühling, der heuer im Mittelpunkt des landwirtschaftlichen Veranstaltungskalenders im Landkreis steht. Er wirbt mit einem Käsekuchenwettbewerb, mit einem Puddingfest und mit dem Versuch, einen oder vielleicht sogar den längsten Quarkstrudel in Bayern zu kreieren, für das landwirtschaftliche Produkt "Milch".

"Ihre Arbeit bereitet im wahrsten Sinne des Wortes einen fruchtbaren Boden", unterstrich auch Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer die Bedeutung der bäuerlichen Landwirtschaft für die Bevölkerungsernährung. Neben der Hausherrin nahmen zahlreiche weitere Vertreter des kommunalen Lebens im Landkreis wie Landrat Josef Neiderhell, politische Mandatsträger wie der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner und Abgesandte der landwirtschaftlichen Verbände, Organisationen, Ämter und Behörden am Landfrauentag teil.

Der Festredner, Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, ist zwar ein Großstädter durch und durch, bewies jedoch emotionale Nähe zum Land. Mit Vehemenz setzte sich der CSU-Politiker für "gleichwertige Lebensbedingungen in ländlichen und verdichteten Räumen" ein. Im Flächenstaat Bayern stelle diese Aufgabe eine der größten Herausforderungen der Staatspolitik dar, betonte der Ehrengast. Der wichtigste Hebel, an dem die Politik ansetzen könne, um Chancengleichheit zu erreichen, sei die Bildung, zeigte Spaenle sich überzeugt. "Deshalb wollen wir die Schule im Dorf lassen", unterstrich er die Bedeutung einer wohnortnahen Bildung.

Die Hauptschule ist nach Überzeugung des Ministers ein Garant für Bildungsgerechtigkeit in Stadt und Land. Durch die Weiterentwicklung zu Mittelschulen mit starker Berufsorientierung und der Möglichkeit, einen mittleren Abschluss zu erwerben, sei garantiert, "dass die Bildung nah am Menschen bleibt". Die Möglichkeit, sich mit anderen Hauptschulen zu Verbünden zusammenzuschließen, ermögliche in der Regel den Erhalt vor Ort - auch bei sehr kleinen Klassenstärken. Zwar würden nicht alle bayerischen Hauptschulen auf Dauer auch aufgrund des Bevölkerungsrückganges überleben können, doch die Auflösungstendenzen der vergangenen Jahre seien gestoppt - eine Folge der Weiterentwicklungskonzepte rund um die Mittelschule. Nach wie vor würden außerdem neue Realschulen und Gymnasien gegründet - vor allem im ländlichen Bereich. Noch nie habe der Freistaat außerdem so viele Lehrer beschäftigt, um auch kleine Klassen in dörflichen Schulen bestehen zu lassen. Spaenle sieht außerdem in der Durchlässigkeit des differenzierten bayerischen Schulsystems, das mittlerweile 40 Prozent eines Jahrgangs über andere Wege als das klassische Gymnasialabitur zur Hochschulreife führe, einen Garanten "für ein hohes Maß an Chancengerechtigkeit". Doch er übte auch Selbstkritik: Nach wie vor hänge der schulische Erfolg zu stark von der sozialen Herkunft ab, bedauerte der Kultusminister.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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