Zündholzgeige und Feuerstein

Rosenheim - Mit Holz in seiner ursprünglichsten Verwendungsform befasst sich die Sonderausstellung „Holz, Feuer und Licht“ im Holztechnischen Museum (HTM).

Anschaulich wird den Besuchern gezeigt, wie Holz seit Urzeiten genutzt wird, um Licht und Wärme zu erzeugen. Unter den Exponaten befinden sich auch einige besondere Raritäten, wie etwa eine Geige, gemacht aus rund 17.000 Zündhölzern.

Das außergewöhnliche Musikinstrument wurde im Jahr 1935 von einem Kolbermoorer in mühevoller Handarbeit angefertigt. Wie viele Stunden für diese Arbeit nötig waren, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Fakt ist: Die "Zündholz-Geige" von Siegfried Geiger senior ist tatsächlich bespielbar. Bereits bei der Eröffnungsveranstaltung übte dieses wertvolle Stück auf die zahlreichen Besucher eine ganz besondere Anziehungskraft aus.

Gezeigt wird bei der Ausstellung aber auch der eigentliche Verwendungszweck der Zündhölzer und ihre Herstellung. Die begann in Rosenheim im Jahr 1866 mit dem Fuhrunternehmer Franz Hamberger. Er startete damals erste Versuche, in Handarbeit Schwefelhölzer herzustellen. Daraus entwickelte sich die Firma Hamberger auf dem Ziegelberg im Laufe der Jahre zu einer der größten deutschen Zündholzfabriken. In der Anfangszeit wurden die kleinen Hölzchen noch per Hand mühevoll sortiert und verpackt. Doch dann kam der Einstieg in die Massenfabrikation. 1982 wurden täglich rund 60 Millionen Zündhölzer hergestellt.

An diese Zeit kann sich Albrecht von Bodelschwingh noch gut erinnern. Der 71-Jährige war damals bei der Firma Hamberger für die Holzbesorgung zuständig. "Es konnte nur bestes Holz verwendet werden, sonst wären die dünnen Zündhölzer viel zu schnell abgebrochen", erinnerte sich Bodelschwingh bei der Eröffnungsfeier im HTM. Für ihn sei diese Sonderausstellung etwas ganz Besonderes: "Da werden viele Erinnerungen wach".

Mit Ende des Zündholzmonopols im Jahr 1983 endete in Deutschland in allen Werken die Zündholzfertigung und wurde ins Ausland verlegt. Die Hamberger-Industriewerke stiegen auf Parkett-Fertigung um. Für die Ausstellung im Holztechnischen Museum stellte das Unternehmen alte Musterkästen zur Verfügung, die zeigen, wie unterschiedlich und teilweise auch künstlerisch Zündholzschachteln in früherer Zeit gestaltet wurden.

Einblick gibt "Holz, Feuer und Licht" auch in die frühesten Jahre der Menschheit. "Forscher vermuten, dass der homo erectus das Feuer schon viel länger beherrschte als lange angenommen", erzählte dazu Klaus Friede, der zusammen mit Arno Kurz die Ausstellung konzipiert hat. Die größte Errungenschaft in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit liege wohl schon 1,6 Millionen Jahre zurück: "Ohne Feuer hätten die Menschen kaum bis heute überlebt. Sie waren weder besonders schnell noch sehr stark. In der Nahrungskette standen sie also ganz weit unten. Schutz bot nur das Feuer."

Vor Zündhölzern mehr Aufwand

Wie aufwendig die Beherrschung des Feuers vor der Zeit der Zündhölzer war, zeigen zahlreiche Exponate in den Schaukästen. Mit Feuersteinen musste mühevoll mit Schlagen oder Reiben eine Flamme entzündet werden. Wer im Mittelalter im Dunklen die Hände zum Arbeiten frei haben wollte, zündete einen langen Kiefernspan, auch Kienholz genannt, an und steckte ihn in den Mund. Diese wohl sehr ungemütliche Methode, Licht zu erzeugen, belegt ein Holzschnitt aus dem Jahr 1567.

Doch nicht nur die positive Seite der Holznutzung wird mit der Ausstellung dargestellt. Gezeigt wird auch, wie mit dem ständigen Wachstum der Bevölkerung und der vielen "holzfressenden Gewerbe" eine immer größere Holznot in ganz Deutschland und damit auch in unserer Region entstand.

Die Rosenheimer Saline verbrauchte ab 1810 etwa 40 Jahre lang rund 50 000 Ster Feuerholz jährlich, um aus Sole Salz zu sieden. Um Eisen zu gewinnen, wurden im Hüttenwerk Bergen, einem der größten in Bayern, 1780 für die benötigte Holzkohle rund 15 000 Ster Brennholz verbraucht.

Diese Zeiten sind vorbei. "Bayern hat Holz nach wie vor in Hülle und Fülle", stellte Zweiter Bürgermeister Anton Heindl fest. Er zeigte sich wie die vielen anderen Eröffnungs-Besucher von der Sonderausstellung begeistert. "Holz ist lebendig, steht für Zeit und unendliche Geschichten. Das zeigt diese Ausstellung eindrucksvoll", lobte er in seiner Rede.

Zu sehen ist die Sonderausstellung "Holz, Feuer und Licht" bis zum 30. März. Geöffnet ist das HTM dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr und jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat von 13 bis 17 Uhr; montags und feiertags ist geschlossen. Für Schulklassen sollen spezielle Führungen angeboten werden.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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