Todesfahrt zur Geburtstagsparty - Alle drei Insassen standen unter Drogen

Zugedröhnt in den Tod

Aschau/Rosenheim - Im Drogenrausch soll eine 22-Jährige mit ihrem Auto gegen einen Baum gerast sein. Sie wurde nur leicht verletzt, doch ihr Freund starb. Seit kurzem steht die Frau vor Gericht.

Es herrschte scheußliches Wetter in der Nacht vom 13. zum 14. Juni dieses Jahres. Eine 22-jährige Eggstätterin war damals bei ihrem Freund (38) in Oberaudorf zu Besuch, wo sie sich die Tage zuvor bereits mit Haschisch und Amphetaminen zugedröhnt hatte.

Dennoch setzte sich das Paar ins Auto, um einen - ebenfalls unter Drogeneinfluss stehenden - Freund in Aschau abzuholen und nach Oberaudorf zu bringen. Dort wollte der Freund in seinen 34. Geburtstag hineinfeiern.

Auf dem Rückweg geriet das Pärchen in Streit, es goss in Strömen, die Straße war kurvenreich und obwohl die Fahrgeschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer begrenzt war, fuhr die 22-Jährige mit Tempo 80 durch die Gegend. Kein Wunder, dass sie in einer Linkskurve zwischen Stein und Grattenbach die Herrschaft über das Fahrzeug verlor und in einem Waldstück schließlich gegen einen Baum krachte.

Sie selbst wurde, neben dem Schock, nur leicht verletzt, der Passagier im Heck kam mit Quetschungen und Abschürfungen davon. Ihr Freund auf dem Beifahrersitz wurde jedoch, obwohl angeschnallt, schwerst verletzt. Die Ärzte diagnostizierten einen heftigen Leberriss, seriellen Rippenbruch, Lungenquetschung und innere Blutungen. Deshalb wurde er aus dem Rosenheimer Klinikum umgehend nach München verlegt - wo er jedoch am 7. Juli verstarb.

Was zunächst, während der Unfallaufnahme, wie ein reiner Fahrfehler aussah, änderte sich, als die Werte der Blutprobe der Fahrerin bekannt wurden. Es zeigte sich, dass sie mit erheblichen Drogenwerten unterwegs gewesen war. Deshalb erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die junge Frau.

In sich zusammengesunken und mit schreckensgroßen Augen lauschte die zierliche Frau jetzt den Vorwürfen des Staatsanwaltes: fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. So der Vorwurf.

Sie bestätigte bei der Befragung, dass sie alle drei am Vortag Drogen genommen hätten und das auch voneinander wussten. Auch bejahte sie die zu hohe Geschwin-digkeit und die Ablenkung durch den Streit mit ihrem Freund.

Der überlebende Passagier hatte, unter Vorlage eines ärztlichen Attests, im Vorfeld darum gebeten, nicht als Zeuge aussagen zu müssen. Er steht unter der Aufsicht eines bestellten Betreuers. Dem entsprach die Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler. Sie war davon ausgegangen, dass dessen Aussage womöglich nicht notwendig wäre.

Bevor der Unfallsachverständige Andreas Thalhammer sein Gutachten vortragen konnte, legte die Verteidigerin, Maria Theresia Huber-Arpe, einen Klinikbericht vor, der die Todesursache jedoch in Frage stellt. Demzufolge komme als finale Todesursache auch eine Infektion mit multiresistenten - sogenannten Krankenhauskeimen - in Frage. Davon berichtet auch der Obduktionsbericht. Die Verteidigerin zielte darauf ab, dass ihre Mandantin letztlich nicht den Tod ihres Freundes verursacht habe.

Aus dem Archiv: Fotos vom Unfallort

Schwerer Unfall bei Aschau

Dem hielt Richterin Aßbichler entgegen, dass, selbst wenn das so wäre, die "Kausalkette nicht unterbrochen" sei. Dass also in jedem Fall der Unfall die Hauptursache für den Tod des bedauernswerten Opfers gewesen sei. Sie stellte sich aber der aufklärenden Untersuchung durch einen weiteren Gutachter nicht entgegen. Die Verhandlung wird fortgesetzt, der Termin hängt von der Fertigstellung des Gutachtens ab.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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