EHEC-Patientin: Das sind die Folgen der Krankheit

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Nilhan Salman hat sich irgendwo mit EHEC infiziert. Sie leidet unter den Folgen.

Hamburg - Erst Übelkeit und Blut im Stuhl, dann Nierenprobleme. Durch Wassereinlagerungen nahm sie 30 Kilogramm zu. Nilhan Salman hat sich irgendwo mit EHEC infiziert. Sie leidet unter den Folgen.

Im Schneidersitz hockt die EHEC-Patientin Nilhan Salman auf ihrem Bett in der Asklepios Klinik Hamburg-Altona. Ihre Beine sind dick geschwollen, in ihrer Hand steckt eine Kanüle. Die 21-Jährige sieht müde und blass aus. Vier Wochen ist es her, dass die junge Frau von einer Sekunde auf die andere unter schlimmen Bauchkrämpfen litt, sie schließlich im Krankenhaus landete. Die Ärzte diagnostizierten bei ihr das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) - die schwere Verlaufsform einer EHEC-Infektion.

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Bis heute hat Nilhan mit Wassereinlagerungen, Herzrasen und Bluthochdruck zu kämpfen. Ob Folgen der Durchfallerkrankung sie ein Leben lang begleiten werden, ist offen. “Das quält mich“, sagt sie.

An dem Bett wacht ihre Mutter Ayse Öztürk. Für sie war es schlimm, ihr Kind so leiden zu sehen. “Jeden Tag kam etwas Neues hinzu.“ Erst waren es Übelkeit und Erbrechen sowie Blut im Stuhl. Dann machten die Nieren Probleme, ein Blasenkatheter musste gelegt werden, Nilhan hatte zudem eine Lungenentzündung. An einem Tag bekam sie hohes Fieber, hatte neurologische Störungen. “Ich sah alles doppelt, habe nur Unsinn geredet“, berichtet Nilhan und schüttelt lachend den Kopf, als sie sich an die wirren Geschichten erinnert.

Die 21-Jährige bekam literweise Infusionen. Sie mochte nichts essen, nahm aber durch die Wassereinlagerungen um die 30 Kilogramm zu. “Fast alle EHEC-Patienten lagern Wasser ein“, erklärt der Arzt Prof. Friedrich Hagenmüller, als er nach der Patientin schaut.

Groß war die Angst der Erkrankten, dass die Nieren versagen und sie auf eine Spenderniere angewiesen sein wird. Eine sogenannte Plasmapherese (Austausch von Blutplasma) hat Nilhan schon hinter sich, nach derzeitigem Stand wird sie keine Schäden an diesen Organen zurückbehalten. “Ich hatte Todesangst um meine Tochter“, sagt die Mutter. “Wir sprechen aber nur ganz wenig über unsere Empfindungen, das ist zu belastend.“ Die Stimme der 46-Jährigen versagt in diesem Augenblick, ihre Augen füllen sich mit Tränen. Sie wendet den Blick ab und schaut aus dem Fenster.

Nilhan kann sich bis heute nicht erklären, wieso sie an EHEC erkrankte. Als Infektionsquelle haben die Behörden Sprossen ausgemacht. “Ich kann mich aber nicht erinnern, welche gegessen zu haben“, sagt die Studentin. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind seit Anfang Mai bundesweit mehr als 3300 EHEC-Fälle registriert worden, dutzende Patienten starben an den Folgen der Infektion.

Der aggressive Darmkeim brachte Nilhans quirliges Leben zwischen Betriebswirtschafts-Fernstudium und Job als Verkäuferin bei einem Modehaus zum Erliegen. Noch nie zuvor war die junge Frau im Krankenhaus. “Ich habe viel geweint, die Schwestern haben mich oft getröstet“, erinnert sie sich. Immer wieder fragt sie sich: “Warum passiert ausgerechnet mir das?“

Wochenlang ans Bett gefesselt zu sein, sich so schwach und hilflos zu fühlen - das alles wird sie nie vergessen. “Ich kam mir vor wie in einem Gefängnis, psychisch war das sehr schwer“, sagt die Patientin. Sie muss noch einige Zeit in der Klinik bleiben und danach regelmäßig zur Nachsorge gehen. Die Angst, dass Schäden zurückbleiben, wird sie weiter begleiten. Aber Nilhan ist sich sicher: “Nach dieser Krankheit werde ich das Leben bewusster genießen.“

dpa

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