Groß-Razzia gegen Bandidos: 8 Haftbefehle

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Hennigsdorf/Berlin - Rund 1.000 Beamte durchsuchten am Donnerstag etwa 70 Objekte des Clubs in Berlin und Brandenburg. Dabei wurden acht Haftbefehle vollstreckt.

Zudem gab es fünf Festnahmen. Es handelte sich laut Polizei um eine der größten Razzien gegen Rockerbanden in der Region.

Hintergrund ist ein seit 2011 laufendes Ermittlungsverfahren der Berliner Staatsanwaltschaft wegen schwerer Bandenkriminalität und Drogenhandels. Erst vor einer Woche hatte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) zwei Ortsgruppen der Hells Angels verboten.

Die Haftbefehle, vorrangig wegen gewerbs- und bandenmäßigen Rauschgifthandels, richteten sich gegen Mitglieder des Chapters Bandidos Del Este. Insgesamt seien seit 5.00 Uhr morgens rund 50 Objekte in Brandenburg, darunter in Hennigsdorf, Velten, Potsdam, Oranienburg und Birkenwerder, sowie fast 30 in der Hauptstadt durchsucht worden, sagte ein Polizeisprecher auf dapd-Anfrage. Darunter waren Wohnungen, Arbeitsstätten, Lokale und das Clubhaus in Hennigsdorf.

Club-Präsident soll Polizist gewesen sein

In dem Clubhaus wurden laut Polizei elf Personen angetroffen, darunter Präsident Thorsten S., gegen die aber kein Haftbefehl bestanden habe. Der Präsident sei in Handschellen abgeführt worden, um seine Personalien zu überprüfen. Das sei bei als gefährlich geltenden Personen nicht ungewöhnlich, sagte ein Polizeisprecher. Laut Onlineausgabe des „Tagesspiegel“ handelt es sich bei ihm um einen ehemaligen Berliner Polizisten.

Der Einsatz wurde nach Polizeiangaben vom Landeskriminalamt Berlin geführt. Daran waren Beamte aus Berlin, Brandenburg und anderen Bundesländern sowie die Spezialeinheit GSG 9 beteiligt. Um Beweismittel zu sichern, wurde das Clubhaus mit Rauschgiftspürhunden durchsucht.

Groß-Razzia gegen Rockerbanden

Groß-Razzia gegen Rockerbanden

Bei der Erstürmung des Gebäudes kamen nach Angaben von „Morgenpost online“ Blendgranaten zum Einsatz. Spezialeinheiten gelangten auch über Leitern in das Klubhaus. Bei Durchsuchungen auf dem Gelände erschoss die Polizei nach Angaben eines Sprechers einen Hund.

Im Zuge der Razzia seien Fahrzeuge, scharfe Schusswaffen, Macheten sowie ein Schlagring und ein sogenannter Totschläger sichergestellt worden, sagte er weiter. Beschlagnahmt wurden zudem Drogen wie Haschisch, Marihuana und Kokain. Die Festnahmen erfolgten wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz.

Rockergruppe seit Jahren überprüft

Ein Verbot gegen das Chapter sei nicht ausgesprochen worden, sagte der Sprecher, obwohl die Rockergruppe schon seit einigen Jahren im Visier der Brandenburger Polizei ist. 2009 war sie neben anderen Rockerbanden Ziel einer Polizeirazzia. Vor einem Jahr verlegten die Bandidos del Este ihren Klubsitz von Hohen Neuendorf nach Hennigsdorf.

Nach Polizeiangaben wurde der Einsatz bereits seit mehr als einem Monat geplant. Es bestehe aber kein Zusammenhang mit Durchsuchungen und „dem Verbot eines anderen Rockerclubs“. Beim Vorgehen der Polizei gegen die Berliner Hells Angels Ende Mai waren die Gruppen gewarnt worden. Sie lösten sich vor der Razzia selbst auf und brachten Vermögen vor dem Zugriff in Sicherheit. Auch in Potsdam wurde am Dienstagabend ein Vereinsheim der Hells Angels durchsucht.

Unterdessen begrüßt die Gewerkschaft der Polizei das konzertierte Vorgehen der Bundesländer gegen kriminelle Rockerbanden. „Es muss darum gehen, den Sumpf trockenzulegen“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut der Nachrichtenagentur dapd. „Ich finde gut, dass in den letzten Wochen der Fahndungs- und Ermittlungsdruck nochmals gestiegen ist.“ Die Ermittler müssten den Rockern „permanent auf den Füßen stehen“.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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