Nazi-Vorfall nach Terror

Nach Anschlag in Hanau: Mann zeigt in Frankfurt Hitlergruß - Regisseur veranstaltet Mahnwache

Nach dem rechtsextremen Anschlag in Hanau: Bei der Mahnwache in Hanau spricht Bundespräsident Steinmeier von Terror und ruft zu Solidarität auf. Während einer Kundgebung in Frankfurt zeigt eine Person den Hitlergruß.

  • Nach dem rechtsextremen Terror-Anschlag in Hanau hat Bundesminister Steinmeier gesprochen.
  • In ganz Deutschland fanden am Donnerstag (21. Februar 2020) Mahnwachen statt.
  • Auch am Freitag und Samstag finden in Hanau Mahnwachen statt.



16.45 Uhr: Der Hamburger Filmproduzent, Regisseur und Aktivist Grigorij Richters, der seine Aktionen häufig in den Dienst zur Unterstützung von geflüchteten Menschen oder gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stellt, war von den rassistisch motivierten Morden am Mittwochnacht in Hanau so betroffen, dass er am Donnerstag nach Hanau gereist ist und für Freitag eine Gedenkstunde am Brüder-Grimm-Denkmal am Marktplatz organisiert hat.

Ein stilles Gedenken sollte es werden. Rund 180 Teilnehmer hatten sich über die sozialen Medien bereit erklärt, an dem stillen Gedenken teilzunehmen, berichtete Richters gestern am Marktplatz. Und in etwa so viele waren es denn auch gegen 14 Uhr, als Richters zur Bildung einer Menschenkette neben dem Grimm-Denkmal aufrief und betonte, dass es bei diesem Gedenken um die Gemeinsamkeit gehe.


Hanau: Regisseur Grigorij Richters: „Diese Stadt hat das Schlimmste durchgemacht“

„Wir sind alle Menschen,“ so Richters, der nach eigenem Bekunden osteuropäische Wurzeln habe und jüdischen Glaubens sei. „Diese Stadt hat das Schlimmste durchgemacht,“ sagte Richters. Umso wichtiger sei es, ein deutliches gemeinsames Zeichen zu setzen gegen Gewalt. Begleitet von dutzenden von Kameras verschiedner Sender stand Hanau denn auch am Freitagmittag im Mittelpunkt des überregionalen medialen Interesses. Auch die Jagd nach authentischen „Originaltönen“ für die Fernsehbeiträge war wieder eröffnet worden. Viele Teilnehmer der Gedenkstunde legten am Sockel des Brüder-Grimm-Denkmals Blumen nieder oder entzündeten Kerzen, versuchten auch, in Gesprächen untereinander das unfassbare Geschehen vom Mittwoch zu fassen und zu verarbeiten. Der Schock über die Gewalttat sitzt sehr tief. 

Auch die Hanauer Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck (SPD) nahm an der Gedenkveranstaltung teil. „Das war mir ganz wichtig. Es hat einfach gut getan, den Zusammenhalt zu spüren. Die Menschen sind spontan stehengeblieben und haben sich beteiligt.“ Tief traurig sei sie darüber, dass der Namen der Stadt Hanau künftig immer wieder in einem Atemzug genannt werde Orten wie Halle und anderen, an denen sich schreckliche rechtsradikale Straftaten ereignet hätten. Wir informieren Sie zu den aktuellen Ereignissen zu dem Anschlag in Hanau im Live-Ticker.  

Terror in Hanau: Mahnwache am Marktplatz

Update vom 21. Februar 2020, 14.34 Uhr: Nach dem Terroranschlag in Hanau soll es in der hessischen Stadt weitere Kundgebungen, Mahnwachen und Demonstrationen geben. Zu den Anmeldern gehören Initiativen, der Deutsche Gewerkschaftsbund oder Privatpersonen, teilte die Stadt Hanau mit. Am Freitagnachmittag findet schon seit 14 Uhr eine Kundgebung am Marktplatz statt. Im Anschluss von 16 bis 20 Uhr findet ein Demonstrationszug vom Heumarkt zum Kurt-Schumacher-Platz statt, das berichtet der Hanauer Anzeiger. Für den Samstag hat die Stadt nach Angaben einer Sprecherin bislang zwei Anmeldungen für eine Demonstration sowie für eine Kundgebung vorliegen. Auch am Sonntag wollten Menschen auf die Straße gehen.

Nach Terror-Anschlag in Hanau: Mann zeigt auf Mahnwache in Frankfurt den Hitlergruß

+++21.06 Uhr: In den sozialen Netzwerken, insbesondere auf Twitter, mehren sich die Gerüchte, dass es in Hanau* eine Massenschlägerei mit Neonazis gebe und dass die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort sei. Auf Nachfrage zu diesen Gerüchten sagte ein Sprecher der Polizei energisch: „Alles Fake-News!“ Laut ihm entsprechen die Gerüchte nicht der Wahrheit.

Im ZDF reagiert Maybrit Illner mit einer Extraausgabe ihrer Talkshow auf den Anschlag aus Rassismus in Hanau und fragt: „Rechter Terror außer Kontrolle?“

+++19.55 Uhr: Während der Mahnwache am Paulsplatz in Frankfurt gab es einen Nazi-Vorfall, ein Mann hat den Hitlergruß gezeigt. Auf Twitter teilte die Polizei Frankfurt mit: „Es gab dort eine Festnahme, weil eine Person bei Beginn der Kundgebung den Hitlergruß gezeigt hat.“ Auf Nachfrage sagte ein Sprecher der Polizei Frankfurt, dass der Mann mittleren Alters alkoholisiert war.

Die Polizisten nahmen seine Personalien auf und erteilten ihm einen Platzverweis, in Haft kommt er nicht. Die Beamten erstatteten gegen ihn Anzeige. Ihn erwartet nun ein Verfahren wegen Volksverhetzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. 

+++19.36 Uhr: Auf der Mahnwache in Hanau waren nach Informationen der Deutschen Presseagentur rund 5000 Menschen. 

+++19.02 Uhr: In Berlin hat sich, neben Bürgern, die Politik-Prominenz am Brandenburger Tor vereint. Bei der Mahnwache sind unter anderem Paul Ziemiak (CDU), Lars Klingbeil (SPD), Saskia Esken (SPD), Christian Lindner (FDP), Linda Teuteberg (FDP) und Claudia Roth (Grüne) zu sehen. 

+++18.53 Uhr: Bei der Mahnwache am Paulsplatz in Frankfurt haben sich über 3500 Menschen versammelt.

+++18.42 Uhr: „Zeigen Sie Rücksichtnahme, zeigen Sie Solidarität“, sagt Steinmeier auf der Bühne. Applaus aus dem Publikum.

Terror-Anschlag in Hanau: Steinmeier warnt vor Verrohung in Deutschland

+++18.40 Uhr: Der Bundespräsident weist auf die Verrohung in Deutschland hin: „Achten wir auf unserer Sprache.“

+++18.37 Uhr: Steinmeier fühlt sich erinnert an den Mord an Walter Lübke und der Gewalttat in Halle. „Wir stehen als Gesellschaft zusammen“, sagt er. Applaus aus dem Publikum brandet auf.

+++18.36 Uhr: Steinmeier betont, dass es wichtig sei, gemeinsam zu trauern. „In mehr als 50 Städten (...) finden sich tausende Menschen zusammen“, sagt Steinmeier beeindruckt.

+++18.34 Uhr: Nun spricht Steinmeier. 

+++18.33 Uhr: Wütende Rufe sind während der Rede Bouffiers im Hintergrund zu hören. 

+++18.32 Uhr: „Gerade jetzt müssen wir zusammenstehen“, betont Bouffier. „Dieses Verbrechen (...) muss Angst machen. Alles müsse getan werden, damit alle Menschen in Deutschland ohne Angst leben können.“

Mahnwache nach Anschlag in Hanau: Bouffier spricht zu den Bürgern

+++18.31 Uhr: Volker Bouffier spricht nun zu den Bürgern in Hanau.

+++18.29 Uhr: „Rassismus und Hass gegen Mitmenschen hat keine Zukunft“, sagt Kaminsky.

Trauernde nehmen an der Mahnwache auf dem Marktplatz teil.

+++18.28 Uhr: Auch Angela Merkel ist in Gedanken in Hanau, sagt Claus Kaminsky.

+++18.27 Uhr: Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) richtet sich zuerst an die Bürger. „Unser Mitgefühl gilt den Familienangehörigen und den Freunden der Opfer.“ Eine Welle der Anteilnahme und Solidarität hat ihn erreicht, sagt er. 

+++18.25 Uhr: Die Mahnwache in Hanau startet offiziell. Frank-Walter Steinmeier tritt gemeinsam mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) auf die Bühne.

+++18.22 Uhr: Nach dem rechtsextremen Anschlag in Hanau haben sich rund 600 Menschen in der nordhessischen Stadt Kassel versammelt.

+++18.19 Uhr: Nicht nur in Hanau, auch in vielen anderen Städten starten die Mahnwachen. Viele Menschen haben sich vor dem Brandenburger Tor in Berlin versammelt.

Terror in Hanau: Nach der Mahnwache haben die Kirchen in der Stadt geöffnet

+++18.15 Uhr: Nach der Mahnwache in Hanau können Menschen Zuflucht in den Kirchen der Stadt finden. Nach Informationen des „HR“ sind die Kirchen in Hanau für alle Menschen 24 Stunden offen.

+++ 17.52 Uhr: Viele Menschen haben sich bereits zur Mahnwache am Hanauer Marktplatz versammelt. Eine Teilnehmerin sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender „Welt“, sie wolle ein Zeichen setzen und zeigen, dass die friedlichen und weltoffenen Menschen in der Mehrheit seien.

Mahnwache nach tödlichen Schüssen in Hanau: Steinmeier nimmt teil

Update vom Donnerstag, 20.02.2020, 17.34 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist nach dem mutmaßlich rechtsextremen Anschlag in Hanau eingetroffen. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur (dpa) gedenkt er gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender den Opfern.

Zunächst will Steinmeier zusammen mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Tatorte besuchen und mit Bürgern sprechen. Später nimmt er an der Mahnwache am Hanauer Marktplatz teil, dort will er eine Rede halten.

Erstmeldung vom Donnerstag, 20.02.2020, 14.48 Uhr: Hanau – Nach dem mutmaßlichen rechtsextremen Terror-Anschlag mit elf Toten in Hanau setzte eine Welle der Solidarität und des Mitgefühls ein. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky hat zu einer Mahnwache aufgerufen.

Rechtsextremer Terror-Anschlag in Hanau: Oberbürgermeister schockiert – Mahnwache geplant

„Wir haben gestern einen Abend erlebt, wie man ihn sich nicht schlimmer vorstellen kann“, sagte Claus Kaminsky zu den Ereignissen der Nacht auf Donnerstag (20.02.2020). 

Die Stadt Hanau hat alle Bürger dazu eingeladen, an einer Mahnwache teilzunehmen. In einer Meldung heißt es dazu: „Um 18 Uhr findet auf dem Marktplatz eine Mahnwache statt, um den Menschen in der Stadt eine Möglichkeit zu geben, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen.“ Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat angekündigt, an der Kundgebung teilzunehmen.

Mahnwache nach Terror-Anschlag in Hanau: Solidarität und Mitgefühl

„Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky zu der Bluttat in Hanau. Und weiter: „All diejenigen in unserer Stadt, die aus anderen Kulturkreisen oder Ländern stammen, können sich darauf verlassen, dass wir an ihrer Seite stehen. Nach einer Zeit der Trauer und des gemeinsamen Aufarbeitens bleiben wir so beieinander, wie es in Hanau in Jahrhunderten gewachsen ist. Dieses gewachsene Miteinander lassen wir durch keine noch so irre Tat in Frage stellen oder gar zerstören.“

Aus Respekt vor den Opfern des Terror-Anschlags wurden die Faschingsumzüge in der Innenstadt und den Stadtteilen abgesagt. „Auch der Faschingsrummel auf dem Freiheitsplatz bleibt geschlossen“, teilte die Stadt mit. Die Fahnen in Hanau wurden auf halbmast gehängt.

Nach rechtsextremen Terror-Anschlag in Hanau: Viele Mahnwachen in Hessen

Zu gleichen Zeit wie in Hanau soll auch eine Mahnwache in Frankfurt stattfinden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DBG) hat zu einer Kundgebung um 18 Uhr am Paulsplatz aufgerufen. Auf Twitter schreibt die Stadt Frankfurt: „Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen! (...) #KeinPlatzfürRassismus.“

In Darmstadt hat Oberbürgermeister Jochen Partsch gemeinsam mit den Kirchen und dem Ausländerbeirat zu einer Mahnwache aufgerufen. Um 18 Uhr findet eine Kundgebung auf dem Luisenplatz statt. Die Stadtkirche in Darmstadt bleibt als Ort des Gedenkens bis 22 Uhr geöffnet.

In Offenbach wird es nach aktuellem Stand keine Mahnwache geben. Auf Nachfrage teilte eine Sprecherin der Stadt mit, dass sich Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke an der Kundgebung auf dem Hanauer Marktplatz beteiligen wird.

Terror-Anschlag in Hanau: Bundesweit über 50 Mahnwachen

Weitere Mahnwachen in Hessen gibt es nach Informationen der „Hessenschau“ in folgenden Städten: Kassel, Gießen, Dietzenbach, Fulda, Wetzlar, Seligenstadt, Marburg. Bundesweit soll es über 50 Kundgebungen geben.

Die Schüsse von Hanau schockieren, in Gießen findet eine Mahnwache* statt. Die geplante närrische Machtübernahme des Rathauses wurde angesichts der Ereignisse abgesagt.

Bei dem Terror-Anschlag in Hanau starben inklusive des Täters elf Menschen. Die Tat war rassistisch motiviert. Wir haben für Sie die Pressestimmen zusammengefasst.

Live-Ticker zu dem mutmaßlichen Terror-Anschlag in Hanau: In Hanau ist die Todeszahl auf elf gestiegen, darunter sollen auch der Täter und seine Mutter sein.

Vizekanzler Olaf Scholz fordert nach den Schüssen in Hanau Konsequenzen: „Dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen.“

Der Tag danach: Nach dem Terror von Hanau* mischen sich Fassungslosigkeit und Angst mit der Hoffnung, dass weiterhin ein friedliches Miteinander möglich ist.

Immer noch ist die Brüder-Grimm-Stadt betroffen. Nach den rassistischen Anschlägen in Hanau fand die Trauerfeier* statt.

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tvd

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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