Loveparade: Ermittlungen bestätigen ersten Verdacht

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Bei einer Massenpanik bei der Loveparade im Juli 2010 starben 21 junge Menschen, Hunderte wurden verletzt

Düsseldorf - Der Anfangsverdacht gegen Verantwortliche der Loveparade aus Kreisen der Stadt, des Veranstalters und der Polizei hat sich bestätigt. Nur einer der Beschuldigten hat sich bisher zur Sache geäußert.

Das berichtete Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) am Mittwoch im Rechtsausschuss des Düsseldorfer Landtags. Konkrete Angaben machte Kutschaty mit Hinweis auf Persönlichkeitsrechte der Betroffenen nicht. Von den 16 Beschuldigten habe sich bislang nur einer zur Sache eingelassen. Zu dem Kreis zählen der damalige Polizeieinsatzleiter sowie elf Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier des Veranstalters. Bis jetzt seien insgesamt 493 Strafanzeigen eingegangen.

Auch fast ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe ist ein Ende der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht in Sicht. Bei der Loveparade im vergangenen Juli starben 21 junge Menschen, Hunderte wurden verletzt.

Die als wesentlich geltenden Zeugen seien inzwischen vernommen worden, berichtete Kutschaty. Ein Ende der Ermittlungen sei aber noch nicht absehbar. So werde die Auswertung der enormen elektronischen Datenmengen, die bei der Stadtverwaltung Duisburg sichergestellt worden seien, voraussichtlich noch mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Auch die Untersuchungen eines britischen Experten, der die Ursachen von Massenpanik erforscht, dauern an. Der Wissenschafter sei auf diesem Gebiet einer der weltweit führenden Wissenschaftler und “jüngst als Sicherheitsberater für die Hochzeitsfeier von Prinz William und Kate Middleton in London tätig gewesen“, berichtete Kutschaty.

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Unterdessen legte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) dem Landtag den vorläufigen Abschlussbericht der Essener Polizei zur Nachbereitung des Loveparade-Einsatzes vor. In Anbetracht der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sei es noch nicht möglich, den Einsatz der Polizei umfassend zu bewerten, unterstrich Jäger. Aber im Interesse der Sicherheit habe er aus den bisherigen Erkenntnissen bereits Schlussfolgerungen gezogen. “Wir haben heute schärfere Regelungen zur Genehmigung von Großveranstaltungen im Freien.“

Da die Staatsanwaltschaft in Duisburg ihr Ermittlungsverfahren nicht mehr gefährdet sieht, habe sie ihre Bedenken gegen die Veröffentlichung dieser Erkenntnisse zurückgezogen, berichteten beide Minister. Auch gegen Bebauungspläne am Ort der Katastrophe gebe es insofern keine Bedenken, berichtete ein Mitarbeiter des Justizministeriums. “Der Tatort ist umfassend gesichert und die Spuren sind digitalisiert worden.“

dpa

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