Roth: Mixa kann nicht länger Bischof bleiben

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In der Kritik: Walter Mixa.

Freiburg/Augsburg - Die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat Walter Mixa einen vorübergehenden Amtsverzicht nahegelegt. Die Grünen- Bundesvorsitzende Claudia Roth forderte Mixa gar zum Rücktritt auf.

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DBK- Vorsitzender Robert Zollitsch sagte am Mittwoch in Freiburg, er habe in den vergangenen Tagen - wie auch der Münchner Erzbischof Reinhard Marx - mehrfach mit Mixa gesprochen. Dabei habe man mit Mixa überlegt, “ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne“, sagte Zollitsch. Die Grünen- Bundesvorsitzende Claudia Roth forderte Mixa zum Rücktritt auf: “Einkehr alleine reicht nicht.“


“Walter Mixa hat gegen das achte Gebot verstoßen und gelogen. Er kann deshalb nicht länger Bischof bleiben“, sagte Roth nach Angaben einer Sprecherin in Berlin. Es sei gut, wenn auch die Bischofskonferenz und Zollitsch “endlich von Mixa abrücken“, sagte sie. “Allerdings hat die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche schon viel zu lange unter dem Lavieren gelitten“, kritisierte die Grünen-Politikerin. “Wer wie Mixa Kinder prügelt, muss als Bischof und von allen anderen Ämtern zurücktreten.“

Auch der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Franz Maget (SPD), forderte einen Rücktritt Mixas. Der Oberhirte füge seiner Kirche Schaden zu, sagte Maget. Deren moralische Autorität habe schwer gelitten. “Deswegen ist ein solcher Rücktritt zwingend erforderlich. Und er kommt ja eigentlich, wenn man ehrlich ist, schon zu spät“, erklärte Maget. Die CSU-Spitze äußerte sich nicht zu Rücktrittsforderungen an Mixa. Parteichef Horst Seehofer verwies lediglich auf das für den 4. Mai geplante Treffen mit den katholischen Bischöfen Bayerns. SPD und Grüne fordern seit Tagen Mixas Rücktritt.


Chronologie der Missbrauchsfälle

28. Januar 2010 - Bistum Berlin: Am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten werden erste Verdachtsfälle bekannt, es folgen Dutzende weitere. © dpa
1. Februar - Bistum Hamburg: Ehemalige Schüler von Sankt Ansgar in Hamburg geben an, Opfer eines Jesuiten-Paters geworden zu sein. © dpa
1. Februar - Bistum Freiburg: Ein zuvor in Berlin tätiger Lehrer soll auch am Jesuiten-Kolleg St. Blasien Schüler missbraucht haben. © dpa
1. Februar - Bistum Hildesheim: Vorwürfe gegen Pater in Hildesheim und Göttingen werden bekannt, es folgen Fälle in Hannover. Im Bild: Die Basilika in Hannover, in der Regionaldechant Propst Martin Tenge eine Erklärung von Bischof Norbert Trelle zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater verliest. © dpa
5. Februar - Bistum Köln: Es wird erstmals über Missbrauchsfälle am Bonner Aloisius-Kolleg berichtet. Im Bild: Eine Nachtaufnahme des Kölner Doms. © dpa
9. Februar - Bistum Aachen: Ein Sonderbeauftragter der Kirche ermittelt nach Missbrauchs-Anschuldigungen gegen zwei Priester. Im Bild: Der Dom von Aachen © dpa
12. Februar - Bistum Paderborn: Die Kirche bestätigt, dass Geistliche in Werl Kinder missbraucht haben sollen. Im Bild: Die Gau-Kirche der Liborius Pfarrei im Bistum Paderborn © dpa
19. Februar - Bistum Mainz: Am Internat Biesdorf der Missionare von der Heiligen Familie wird Missbrauch durch einen Ordensmann bekannt. Im Bild: Der Mainzer Dom im nächtlichen Nebel © dpa
21. Februar - Bistum Augsburg: Gegen Mitarbeiter des ehemaligen Heims der Salesianer Don Bosco in Augsburg gibt es Missbrauchsvorwürfe. © dpa
21. Februar - Bistum Rottenburg: In Oggelsbeuren soll es in einem Kinderheim der Vinzentinerinnen Missbrauchsfälle gegeben haben. Im Bild: Gebäude der Stiftung Liebenau im Bistum Rottenburg © dpa
21. Februar - Bistum Essen: Frühere Mitarbeiter der Behinderten- Einrichtung Franz-Sales-Haus Essen sollen Zöglinge missbraucht haben. Im Bild: Ein Gottesdienst im Dom in Essen © dpa
22. Februar - Bistum München: Der Leiter der Schule im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal räumt Missbrauchsfälle ein. © dpa
22. Februar - Bistum Würzburg: Nach Missbrauchsvorwürfen wird ein Priester im Würzburger Franziskanerkloster beurlaubt. Im Bild: Der Turm der Neubau-Kirche in Würzburg © dpa
23. Februar - Bistum Speyer: Ein Pater soll am Gymnasium Johanneum in Homburg/Saar sexuelle Handlungen an Jungen vorgenommen haben. Im Bild: Der Dom zu Speyer © dpa
28. Februar - Bistum Münster: Ein Pater in Münster-Hiltrup gesteht den sexuellen Missbrauch an Internatsschülern. Im Bild: Die Sankt Clemens-Kirche in Münster-Hiltrup © dpa
3. März - Bistum Limburg: Mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester werden bekannt. Im Bild: Gottesdienst im Georgs-Dom in Limburg © dpa
4. März - Bistum Fulda: Verdachtsfälle betreffen einen Priester und einen kirchlichen Mitarbeiter. Im Bild: Der Dom in Fulda mit Schildern im Vordergrund © dpa
4. März - Bistum Regensburg: Nach Mitteilung des Bistums hatte es auch Fälle bei dem weltberühmten Knabenchor Regensburger Domspatzen gegeben. Im Bild: Ein Konzert der Regensburger Domspatzen in der Sacred Heart Cathedral in Pretoria. © dpa

Zollitsch sagte zur Begründung seines Vorschlags, ein Rückzug Mixas sei geeignet, “eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit bei den notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken“. Weiter sagte der DBK-Vorsitzende: “Darüber hinaus könnte eine vorübergehende räumliche Distanz ihm die Möglichkeit geben, nach sehr erhitzten Wochen neue Kräfte zu sammeln und die Geschehnisse mit mehr Ruhe zu bedenken.“ Der Schritt des obersten Repräsentanten der deutschen Bischöfe gilt als einzigartig in der jüngeren Geschichte des Katholizismus in der Bundesrepublik. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Vorstoß mit dem Vatikan abgestimmt ist. Mixa kann sich allerdings allen Forderungen widersetzen. Er ist nur dem Papst verpflichtet.

“Man kann wirklich nur hoffen, dass Walter Mixa möglichst bald dem doch sehr bemerkenswerten “brüderlichen Rat“ des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, Folge leistet“, erklärte Sprecher Christian Weisner von der Reformbewegung “Wir sind Kirche“. Mixa habe “durch seine irritierende Aussage über die Missbrauchsursachen, seine Verunglimpfung der Opfer und das überlange Zögern nicht nur seinem Bistum, sondern dem Ansehen des Bischofsamtes und der Glaubwürdigkeit der ganzen katholischen Kirche in der augenblicklichen Kirchenkrise außerordentlich geschadet.“

Dirk Hermann Voß, Koordinator der Öffentlichkeitsarbeit im Bistum Augsburg, wollte keine Erklärung zum Vorstoß von Erzbischof Zollitsch abgeben. Das sei nichts Neues, es gebe keinen Grund für eine Stellungnahme, sagte Voß der Nachrichtenagentur dpa.

Mixa hat inzwischen eingestanden, Heimkinder in seiner früheren Zeit als Stadtpfarrer geschlagen zu haben, nachdem er zunächst jede Gewalt gegenüber Kindern “reinen Herzens“ bestritten hatte. Vorwürfe, er habe als Stadtpfarrer von Schrobenhausen nennenswerte Geldbeträge zum Schaden einer Waisenhausstiftung zweckentfremdet, werden derzeit von einem Sonderermittler und einer Münchner Anwaltskanzlei geprüft. Es geht um überteuerte Kunstwerke und Teppiche, Wein, Möbel, Mixas Bischofsring und ungeklärte Zahlungen, die in Verantwortung von Mixa aus dem Stiftungsvermögen widerrechtlich bezahlt worden sein sollen.

Helmut Mangold, der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrates, sagte, die überwiegende Mehrheit der Katholiken im Bistum fordere Mixas Rücktritt, er sei kaum mehr zu halten. Herbert Tyroller, der schwäbische Sprecher der Reformbewegung “Wir sind Kirche“, sagte, der Vorstoß von Zollitsch sei ein “vernünftiger Vorschlag“ zur Klärung der Vorwürfe. Er glaube aber nicht, dass Mixa sich aus dem Amt drängen lasse. “Dazu ist er viel zu verliebt in seinen Bischofsstuhl.“

dpa

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