Urteil im Eifel-Mord: "Ohne erkennbares Motiv"

Aachen - Fatale Freundschaft: Ein Mann erschießt seinen Kumpel mit einem Jagdgewehr. Das Motiv bleibt für die Richter im Prozess ein Rätsel. Aber für sie ist klar: Es war heimtückischer Mord.

Wegen Mordes an seinem Freund haben Aachener Richter einen 45-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt. Er habe den Freund nach einem Spontan-Entschluss und ohne erkennbares Motiv erschossen, als sie im Keller einer Werkstatt über die Verschrottung eines Öltanks sprachen, hieß es am Montag in der Urteilsbegründung. Der 33-Jährige sei Opfer eines heimtückischen Mordes geworden.

Das Gericht ging über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die wegen einer seelischen Notlage des Täters nur zwölf Jahre Haft gefordert hatte. Die auf einer Deponie entsorgte Leiche des Opfers wurde per Zufall entdeckt, weil beim Planieren von Bauschutt ein Bein herausragte. Verteidiger Alfred Stumm kündigte Revision an.

Kein eindeutiges Tatmotiv

Jeder der beiden Schüsse sei tödlich gewesen. „Die Verletzungen zeugen von einem Vernichtungs- und Tötungswillen“, sagte der Vorsitzende Richter Gerd Nohl. Ein eindeutiges Tatmotiv hätten die Richter nicht ausmachen können. Der unscheinbar wirkende Angeklagte nahm das Urteil regungslos entgegen.

Die beiden Kumpel aus Kall in der Eifel hätten gemeinsam Schrott gesammelt, manchmal auch illegal. Der 33-Jährige habe den Ton angegeben, immer wieder auch Geld von dem Älteren gefordert. „Ich weiß nicht, was ich tun soll: Entweder er erschlägt mich oder ich besorg mir eine Knarre“, habe der Verurteilte einmal über das Verhältnis gesagt.

Spontane Entscheidung

Als sie am 17. Januar im Keller einer Autowerkstatt waren, sei zunächst nichts Ungewöhnliches passiert. Spontan habe der Täter entschieden, den Kumpel mit dem dort stehenden Jagdgewehr umzubringen. Tödlich getroffen habe sich das Opfer aus dem Keller in die Werkstatt geschleppt, dort sei der zweite tödliche Schuss gefallen.

Die Leiche habe der Ältere unter Bauschutt versteckt bei einem langjährigen Bekannten abgestellt. Ein anderer Bekannter aus dem Dorf hatte in dem Prozess gestanden, die Tatwaffe mit einem Trennschleifer in mehrere Teile zerlegt und im Rursee versenkt zu haben. In getrennten Verfahren waren die Helfer wegen Beihilfe zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Der Deponie-Arbeiter - ebenfalls ein Bekannter - wusste, dass der 45-Jährige die Ladung Schutt und damit auch die Leiche gebracht hatte. Hätte er nicht die Polizei alarmiert, wäre das Schicksal des Opfers wohl nie aufgeklärt worden, sagte der Richter.

dpa

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