3 Frühchen sterben in Bremer Klinik, Staatsanwalt ermittelt

Bremen - Tragischer Säuglingstod in Bremer Klinik: Drei Frühchen sind seit August wegen Darmkeimen in einem Krankenhaus in Bremen gestorben. Die Quelle der Keim-Infektionen ist nach Angaben der Klinikleitung bisher nicht gefunden worden.

Die Frühchenstation wurde geschlossen, ein Krisenteam des Robert Koch-Instituts reiste an, um bei der Suche nach der Ursache zu helfen. Polizei und Staatsanwaltschaft nahmen Ermittlungen auf. Die Infektionen begannen Ende Juli. Bei insgesamt 15 Frühgeborenen wiesen Ärzte den Keim nach, acht zeigten keine Symptome, sieben erkrankten schwer.

Quelle der Infektion noch unklar

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“Wir kennen leider nicht die Quelle der Infektion“, sagte der Gesundheitsstaatsrat Joachim Schuster am Mittwoch bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz. Er vertrat Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD), die zeitgleich die Deputation der Bürgerschaft informierte. “Wir stehen an einem Punkt, an dem wir noch nicht endgültig wissen, ob wir das Problem im Griff haben“, sagte der Geschäftsführer des Klinikverbunds, Diethelm Hansen. “Wir prüfen, ob Mitarbeiter die Ursache für die Infektionen sein könnten“, sagte Staatsanwalt Uwe Picard. Polizei und Staatsanwaltschaft bestellten am Mittwoch Zeugen ein und begannen Ermittlungen. Nähere Angaben wollten die Fahnder zunächst nicht machen.

Die Neonatale Intensivstation der Frauenklinik auf dem Gelände des Klinikum Bremen-Mitte in Bremen.

Die Frühchen, die alle weniger als 1000 Gramm wogen, starben am 8. August sowie am 16. und 27. Oktober. “Wir haben natürlich auf der Station Maßnahmen eingeleitet, die eine weitere Verbreitung des Keims verhindern“, sagte Hansen. Danach sei die Zahl der Infektionen auch zurückgegangen, bis im Oktober erneut ein Baby daran gestorben sei. Den vier anderen erkrankten Frühchen gehe es inzwischen wieder besser. “Die Ursache ist extrem schwierig zu finden“, sagte Schuster. Die Quelle könnten Menschen aber auch Gegenstände sein.

Diese Keime kämen im Darm vor und würden in einer mutierten Form gefährlich, weil sie beispielsweise Antibiotika außer Kraft setzen. Man spricht dann von Keimen mit der Eigenschaft ESBL.

Pflegedienstchefin Daniela Wendorff versicherte, dass alle Gegenstände, Einrichtungen und Räume, die als Infektionsquelle infrage kommen könnten, gründlich gereinigt und desinfiziert worden seien. “Die Betroffenheit der Mitarbeiter ist sehr groß.“

Nach Angaben der ärztlichen Geschäftsführerin der Klinik, Brigitte Kuss, sterben mehr als 50 Prozent der Frühgeborenen mit einem so geringen Gewicht. “Das ist Medizin an der Grenze des Lebens.“ Ohne intensivmedizinische Betreuung würden alle diese Neugeborenen sofort sterben. Jedes dieser Kinder erleide irgendwann eine Infektion, auf die Ärzte nach vorgegebenen Leitlinien mit Antibiotika reagieren.

Die Ereignisse im Bremer Klinikum seien besonders gravierend, weil in allen drei Fällen exakt der gleiche Typ des Erregers nachgewiesen wurde. Dass die Klinik die Todesfälle erst jetzt öffentlich machte, erklärten die Geschäftsführer mit der erneuten Zuspitzung der Infektionen und der bisher erfolglosen Suche nach der Quelle.

Sofort wurde der Ruf nach Aufklärung und Konsequenzen in der Politik laut: “Wir erwarten restlose Aufklärung, wie es zu den Todesfällen kommen konnte. Wir wollen insbesondere auch wissen, ob sich tatsächlich schon im August ein Todesfall ereignet hat und wer diese Information zurückgehalten hat. Sollte sich das bewahrheiten, muss das Konsequenzen haben“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Bremer Grünen, Kirsten Kappert-Gonther. Die Grünen bilden mit der SPD eine Koalition in Bremen.

Die oppositionelle CDU forderte sofort eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und zeigte sich schockiert. “Es ist das Schlimmste, was Eltern nach der Geburt eines Kindes passieren kann“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Partei, Rainer Bensch, nach einer Mitteilung. Die CDU sieht möglicherweise eine grobe Verletzung der Informationspflicht durch die Gesundheitssenatorin.

Immer wieder sorgen Todesfälle von Frühchen in Kliniken bundesweit für Aufsehen. Anfang Oktober hatte sich ein frühgeborener Junge in der Passauer Kinderklinik mit einem multiresistenten Keim angesteckt und war gestorben. Drei andere Säuglinge, die sich ebenfalls infiziert hatten, wurden wieder gesund. Im August 2010 hatte bereits der Tod von drei Babys in der Mainzer Uniklinik für Aufregung gesorgt. Zwei von ihnen kamen wegen einer verseuchten Nährlösung um. Das dritte Kind erlag seinen Vorerkrankungen. Die Klinik traf den Ermittlungen zufolge keine Schuld.

Die Zahl von Frühgeburten hat in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen. Inzwischen ist fast jedes zehnte neugeborene Kind ein sogenanntes Frühchen. Als Frühgeburt gelten Kinder, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche lebend auf die Welt kommen.

dpa

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