"Titanic“ provoziert mit neuem Papst-Cover

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Auf dem neuen "Titanic"-Cover ist der Papst mit Kussmündern und Handabdrpücken von Kindern auf seiner Soutane

Frankfurt/Main - Das Frankfurter Satiremagazin „Titanic“ hat wie angekündigt Papst Benedikt XVI. ein weiteres Mal auf das Titelbild gehoben - und damit einen neuen Skandal entfacht.

Diesmal ist der Pontifex mit bunten Kussmündern und Handabdrücken von Kindern auf dem weißen Gewand zu sehen. „Eigentlich müssten wir ihn damit versöhnt haben“, sagte Chefredakteur Leo Fischer der Nachrichtenagentur dpa am Freitag.

Das Magazin hatte auf seinem Titel im Juli den Papst von vorn und hinten gezeigt - einmal mit gelbem, einmal mit braunem Fleck auf der Soutane. Dazu die Überschrift mit der Anspielung auf die Enthüllungsaffäre im Vatikan: „Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!“ Das Titelbild wurde verboten, nachdem die katholische Kirche interveniert hatte.

Gegen die Einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg hat „Titanic“ Widerspruch eingelegt. Darüber soll am 31. August vor der Pressekammer des Gerichts mündlich verhandelt werden, wie Sprecher Conrad Müller-Horn der dpa sagte.

„Wir danken dem Heiligen Vater für sein Interesse an unserem Magazin und bitten erneut um den päpstlichen Segen“, sagte Fischer in einer Mitteilung gewohnt ironisch. Das Verbot der vergangenen Ausgabe habe eine Auflagensteigerung von mehr als 70 Prozent bewirkt, in den Bahnhofsbuchhandlungen sei die Ausgabe ausverkauft gewesen. „Nun hoffen wir, dass der Heilige Stuhl auch diesen neuen Titel ähnlich abwegig und rufschädigend interpretiert.“ Der Titel sei nicht weiter verbreitet worden, denn bei Zuwiderhandlung habe das Gericht 250 000 Euro angedroht, sagte Fischer. „Das können wir uns nicht leisten.“

Auflagensteigerung dank Papst-Skandal

Nach einer ersten Schätzung wurden etwa 40.000 Exemplare mehr verkauft, wie Fischer mitteilte. An den Kiosken werden nach seinen Angaben normalerweise 50.000 bis 70.000 Exemplare verkauft, es gibt 20.000 Abonnenten. Auf die Frage, ob der Papst noch auf weiteren Titelbildern zu sehen sein wird, sagte Fischer: „Wir hoffen, dass uns der Papst nicht zu einem weiteren Cover mit ihm zwingt. Bisher hat es nur Björn Engholm geschafft, dreimal in Folge auf dem Titelbild zu erscheinen.“

Beim Deutschen Presserat sind mittlerweile etwa 175 Beschwerden gegen das „Titanic“-Titelbild vom Juli eingegangen, wie Sprecherin Edda Kremer auf dapd-Anfrage sagte. Sie kamen vor allem von Privatleuten, aber auch von Pfarrern und katholischen Organisationen. Kritisiert wird unter anderem die Verletzung der Persönlichkeitsrechte, der Menschenwürde oder der Würde des Amtes. Viele Katholiken sehen sich den Angaben zufolge auch in ihrer persönlichen religiösen Auffassung geschmäht.

dpa/dapd

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