"Weil sie schuldig sind"

TV-Pastor: Germanwings-Opfer verdienen den Tod

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TV-Pastor Wolfgang Wegert
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Hamburg - Wolfgang Wegert sorgt mit seiner Predigt vom letzten Sonntag für Empörung. Viele meinen: Er hat die Opfer des Flugzeugabsturzes verhöhnt.

Es ist die sogenannte Theodizee-Frage: Wieso lässt Gott Leid zu, wenn er doch allmächtig und gut sein soll. Eine Frage, mit der Theologen immer wieder konfrontiert werden, wenn ein Unglück geschieht.

Für den evangelikalen TV-Pastor Wolfgang Wegert (72), dessen Sendung "Fernsehkanzel" seit Ende der 1980er Jahre bei privaten Fernsehsendern ausgestrahlt wird, u.a. auf Bibel TV, Tele 5 und Sport 1, eine völlig falsche Fragestellung. Wenige Wochen nach der Germanwings-Katastrophe predigte er am 19. April: "Wenn Menschen sterben, ob im Altersheim oder bei einem Flugzeugabsturz, sterben sie, weil sie schuldig sind! (...) Denn aufgrund unserer Sünde haben wir alle den Tod verdient. Ohne Aufschub!"

Was müssen solche Sätze bei den Angehörigen der Absturzopfer auslösen? Sätze von einem Seelsorger, der doch eigentlich Trost und Hoffnung schenken sollte. Sätze, die auch Babys und Kindern eine Schuld an ihrem eigenen Tod geben.

Offensichtlich bemerkt der medienerfahrene Pfarrer sofort, dass sein Beispiel für Irritationen sorgen könnte, auch wenn er den Germanwings-Flug nicht explizit erwähnt.

Auf der Audioaufnahme ist von Wegert zu hören: "Eventuell muss das aus der Sendung noch herausgestrichen werden." Um dann wenige Sekunden später doch fortzufahren: "Aber es bleibt wahr. Wenn Menschen sterben, ob im Altersheim oder bei einem Flugzeugabsturz, sterben sie, weil sie schuldig sind. Denn auf Grund unserer Sünde haben wir alle den Tod verdient. Ohne Aufschub. Unsere Frage sollte nicht lauten: 'Warum mussten diese sterben', sondern sie müsste lauten: 'Warum dürfen wir noch leben?" Er spielt damit darauf ab, dass er eine "zweite Sintflut" erwartet: "Dass die Sintflut noch nicht gekommen ist, geht auf Gottes Langmut und Geduld zurück", meint der Prediger.  

Hier können Sie sich das Video auf YouTube ansehen (ein Einbetten wurde am Freitagabend deaktiviert).

Die Empörung im Netz ist groß. Auf der Facebook-Seite des Pfarrers entlädt sich die Wut. Viele persönliche Beleidigungen sind zu lesen. Ein Facebook-Nutzer meint, dass sich Wegert möglicherweise wegen "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" strafbar gemacht hat.

Stellungnahme seiner Gemeinde

Auch eine Stellungnahme seiner Gemeinde "Arche" kann die Gemüter nicht beruhigen. Darin heißt es: "Leider wurde die Erwähnung „Flugzeugabsturz“ von Medienvertretern so gedeutet, als ob Pastor W. Wegert sich speziell auf die Germanwings Katastrophe fokussiert und gesagt hätte, die Absturzopfer seien an ihrem Tod selbst Schuld und dass er sie und ihre Angehörigen auf diese Weise hätte verhöhnen wollen. Es tut Pastor W. Wegert sehr leid, dass ein solches Missverständnis geschehen konnte und er betont, dass er absolut so nicht verstanden werden wollte."

Die Medien sollen nun also der Sündenbock sein. Viele Facebook-Nutzer machen da nicht mit! So schreibt Marder Post: "Wie immer Ausflüchte! Herr Wegert hat es so gesagt, sich sogar nochmal wiederholt in seiner Predigt. Das Mindeste, was er tun könnte, wäre sich öffentlich zu entschuldigen und danach nie wieder zu predigen. Solche Leute, vor allem Pastoren, braucht 'weiß Gott' niemand!"

Der Huffington Post erklärte Wegert: "Mir war nicht bewusst, was meine Formulierung auslösen könnte." Er habe lediglich das biblische Ereignis der Sintflut bildlich in die Gegenwart übertragen wollen. Gegenüber der Hamburger Morgenpost sprach er von einem "Lapsus".  

Auch Satiremagazin Titanic geht an die Grenzen

Das Satiremagazin Titanic beschäftigt sich in seiner neuesten Ausgabe ebenfalls mit dem Absturz. Für manche wird das wohl auch eine Grenzüberschreitung sein - andere werden mit dem altbekannten Satz "Satire darf alles" argumentieren.

Auf dem rechten Bild wird das "Lufthansa Magazin" imitiert, mit den Titelthemen "Angenehm flach: Ostfriesland", "Ratgeber: Wann lohnen sich One-Way-Tickets", "Auch ganz schön: Einfach in der Lufthansa-Lounge bleiben" und "Enthüllung: Hinter verschlossenen Türen - was im Mile High Club wirklich passiert".

mg

Quelle: rosenheim24.de

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