Waller Babymord: “Sie hat zwei Gesichter"

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Die wegen Totschlags angeklagte Seve G. wartet im Landgericht in Braunschweig im Gerichtssaal auf den Beginn der Verhandlung.

Braunschweig - Im Waller Babymordfall sagte die angeklagte Mutter aus, dass die Männer nichts von den Schwangerschaften gewusst haben. Ein Liebhaber beschrieb die mutmaßliche Kindsmörderin als eine Frau mit zwei Gesichtern.

Die ehemaligen Lebensgefährten der im sogenannten Waller Babymordfall angeklagten Mutter haben angeblich nichts von den Schwangerschaften der Frau gewusst. Beide Männer antworteten am Mittwoch als Zeugen vor dem Landgericht Braunschweig auf die Frage des Richters, was sie von den Schwangerschaften mitbekommen haben, “gar nichts.“ Die Mutter hat gestanden, ein Baby 2005 getötet und am Waller See verscharrt zu haben. Ein zweites Baby ertrank im April in der Badewanne. Ihr wird zweifacher Totschlag vorgeworfen.

Der Vater des ersten Kindes, ein 49-jähriger Heizungsbauer, war zehn Jahre mit der Frau liiert. Im Jahr 2000 hatte der verheiratete Mann die Angeklagte kennengelernt, neun Jahre später verließ er seine Familie und zog mit der 36-Jährigen zusammen.

Beruflich sei er häufig mehrere Wochen oder Monate im Jahr auf Montage gewesen, schilderte der Mann vor Gericht. Die drei Schwangerschaften der Frau in den Jahren 2005, 2007 und 2011 habe er nicht bemerkt. 2007 war die Angeklagte von einem anderen Liebhaber schwanger und erlitt eine Fehlgeburt.

Auch der Vater des im April 2011 geborenen Mädchens sagte vor Gericht, er habe nichts von einer Schwangerschaft bemerkt. Der Gastwirt beschäftigte die Frau zeitweise als Kellnerin in seinem Lokal und hatte von 2009 bis 2010 eine sexuelle Affäre mit ihr. Auch dieser Mann war verheiratet und hatte Familie.

Rätsel um Alkoholmissbrauch

Der 47-Jährige schilderte, die Angeklagte sei manchmal in einem merkwürdig “benebelten Zustand“ gewesen, in dem sie “wirres Zeug“ geredet habe. “Ich habe vermutet, sie war betrunken oder hatte irgendetwas genommen“, sagte er. Seltsamerweise sei die Frau aber zwei Stunden später wieder völlig klar gewesen.

Als Kellnerin sei sie sehr belastbar und fleißig gewesen und habe auch mit Kindern gut umgehen können. “Sie hat zwei Gesichter“, sagte der Gastwirt. Dass sie ein Baby habe töten können, “das hätte ich ihr niemals zugetraut.“ Selbst Fliegen habe sie im Restaurant nie erschlagen, sondern lebendig in einem Glas gefangen und nach draußen gebracht.

Um ihre Lebensgeschichte machte die Angeklagte offenbar im Freundeskreis ein großes Geheimnis. Bereits beim Prozessauftakt am Montag hatte sie gestanden, verschiedene Lügengeschichten über ihre Herkunft erzählt zu haben. Ihre Liebhaber gingen davon aus, dass sie als Waise bei Pflegeeltern beziehungsweise im Kloster aufgewachsen war. Vor Gericht gab die Frau an, sie sei in Celle bei ihren streng gläubigen türkischen Eltern aufgewachsen und als Jugendliche geflohen.

Obwohl beide Männer in den Wochen oder Tagen vor der Geburt des zweiten Kindes im April noch Sex mit der Frau hatten, wollen sie von einer Schwangerschaft nichts bemerkt haben. Der Gastwirt räumte ein, zwei Tage vor der Geburt habe sie “ein kleines Bäuchlein“ gehabt. Als die Frau ihm gesagt habe, sie sei nicht schwanger, habe er sich nichts weiter dabei gedacht.

dapd

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