Weltjugendtag: Papst in Madrid angekommen

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Papst Benedikt XVI. ist am Donnerstag auf dem Weltjugendtag in Madrid angekommen

Rom - Papst Benedikt XVI. ist am Donnerstag auf seine 20. Auslandsreise zum Weltjugendtag nach Madrid aufgebrochen. Doch sein Besuch ist umstritten: Bei Ausschreitungen von Gegnern wurden elf Menschen verletzt.

Papst Benedikt XVI. ist am Donnerstag für eine viertägige Teilnahme an dem katholischen Weltjugendtag in Madrid angekommen. Er wolle damit “alle im Glauben stärken“ und Mut für die Zukunft machen, sagte das 84-jährige Kirchenoberhaupt während der Willkommenszeremonie auf dem Flughafen Barajas.

Benedikt rief die jungen Katholiken auf, fest im Glauben zu bleiben: In einer Welt der Gewalt, der Umweltzerstörung, hoher Jugendarbeitslosigkeit und der Christenverfolgung “nehme nichts und niemand euch den Frieden, schämt euch nicht des Herrn.“ Die jungen Leute sähen heutzutage Oberflächlichkeit, Konsumismus und Hedonismus vorherrschen, “sie nehmen eine große Banalität im Umgang mit der Sexualität, großen Mangel an Solidarität und viel Korruption wahr.“

Es sind unruhige Zeiten, in denen der Papst das einst erzkatholische Spanien besucht: Seit Monaten protestieren junge Menschen gegen Arbeitslosigkeit und Kürzungen im Sozialwesen, die politischen Parteien bereiten sich auf die Wahlen im November vor und die katholische Kirche verliert immer mehr an Einfluss.

Zur Willkommenszeremonie für den Papst hatten sich auf dem Flughafen Barajas der spanische König Juan Carlos und Königin Sofía eingefunden. Bereits vor seiner Ankunft kam es in der Nacht zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Papstkritikern. Dabei wurden nach Polizeiangaben elf Menschen, darunter zwei Beamte, verletzt. Die Polizei setzte auf dem zentralen Platz Puerta del Sol Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein und nahm acht Menschen fest.

Zuvor hatten Tausende Menschen gegen den Besuch des Papstes in Madrid protestiert. Die Kritiker warfen der spanischen Regierung vor, den viertägigen Besuch des katholischen Kirchenoberhauptes unter anderem mit Steuergeldern zu finanzieren.

“Zeit der Unsicherheit für junge Menschen“

“Dies ist eine Zeit der Unsicherheit für junge Menschen. Der Papst kommt zum Weltjugendtag nach Spanien, um den jungen Leuten aus aller Welt eine positive Botschaft zu bringen“, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi in der vergangenen Woche.

Es ist bereits der dritte Besuch von Papst Benedikt XVI. in Spanien seit Beginn seines Pontifikats 2005. Angesichts der schlechten Wirtschaftslage und der hohen Kosten des Weltjugendtags lehnen viele Spanier die Veranstaltung jedoch ab.

Sie kritisieren die Steuervergünstigungen für Sponsoren des Treffens und Vergünstigungen für die Teilnehmer. Die Kosten von etwa 50 Millionen Euro seien damit durch den Steuerzahler subventioniert.

Spanien kämpft mehr als die meisten anderen europäischen Länder noch immer mit den schweren Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Im Flugzeug machte Benedikt die Mentalität der Profitorientierung wesentlich für die Krise verantwortlich und forderte, dass Moral und Ethik in der Formulierung wirtschaftspolitischer Ziele in Zukunft eine größere Rolle spielen sollten. “Der Mensch muss im Mittelpunkt der Wirtschaft stehen und die Wirtschaft darf nicht nur auf Gewinnmaximierung aus sein, sondern muss auch das Wohl der Gemeinschaft berücksichtigen“, sagte er.

Der Einfluss der katholischen Kirche in Spanien ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Während sich 72 Prozent der Spanier als Katholiken identifizieren, gaben in einer im Juli veröffentlichten Umfrage 60 Prozent an, “fast nie“ in die Kirche zu gehen.

Politische Richtungsentscheidung im November

Der Papst dürfte auch die auf November vorgezogenen Neuwahlen mit Interesse verfolgen. Die jüngsten Reformen der regierenden Sozialisten haben im Vatikan für Unmut gesorgt. So billigte Madrid gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften und Abtreibungen von 16-Jährigen ohne Einverständnis der Eltern. Die konservative Volkspartei hingegen unterstützt üblicherweise die Haltung der Kirche.

Abgesehen von einem Ausflug in das Kloster El Escorial 50 Kilometer nordwestlich von Madrid wird der Papst die Zeit bis Sonntag in der spanischen Hauptstadt verbringen. Geplant waren Treffen mit jungen Gläubigen, Nonnen und angehenden Priestern. Benedikt XVI. wird die Beichte abnehmen und mit dem Papamobil durch die Stadt fahren. Höhepunkte seines Besuchs beim Weltjugendtag werden ein Abendgebet mit Pilgern am Samstag und eine Messe am Sonntagmorgen sein.

dpa/dapd

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