Steht ein Jahrhundertwinter vor der Tür?

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Hamburg - Ein russischer Radio-Sender hat jetzt für Europa den "kältesten Winter seit 100 Jahren" vorher gesagt. Ob da was dran ist, erklärt nun ein deutscher Wetterexperte. 

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Die Frage, wie der kommende Sommer werden könnte, bekommt man als Meteorologe häufig gestellt. Noch häufiger ist in den letzten Jahren aber die Frage nach dem Winterwetter geworden. Das ist nicht verwunderlich, denn immerhin gab es in den letzten Jahren in weiten Teilen von Europa und eben auch in Deutschland wieder viel Frost und Schnee – ein Zustand, den viele Klimaexperten nach den stürmischen und milden 90er Jahren eigentlich schon abgesagt hatten.

Zunächst wurde der im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren ungewöhnlich kalte Winter 2008/2009 unter Klimaexperten als ein Ausreißer angesehen. Doch ihm folgten weitere Winter, die sich wieder an den Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990 anschlossen, bzw. sogar noch unter dem Mittel dieser drei Jahrzehnte lagen. Zudem haben die letzten Winter immer wieder mit Rekordereignissen aufgewartet. Der Dezember 2010 war der kälteste seit 1969, der März 2013 war in vielen Regionen Deutschlands der kälteste seit 130 Jahren und der Februar 2012 brachte Europa den massivsten Kaltlufteinbruch seit über 25 Jahren.

Auch der neuste Langfristtrend für den kommenden Winter 2013/2014 sieht für die meisten Regionen Europas bezogen auf die Jahre 1961 bis 1990 wieder einen durchschnittlichen bis leicht zu kalten Winter. Gefühlt dürfte das für die meisten Menschen wieder ein recht kalter Winter sein, was einfach daran liegt, dass nach den vielen Mildwintern in den 90ern kaum einer noch einen durchschnittlichen europäischen Winter, wie er vor 30 bis 40 Jahren einmal war, gewohnt ist. Gerade viele junge Menschen sind zudem nur mit milden Wintern groß geworden.

Vor gut einer Woche vermeldete allerdings der russische Rundfunk-Auslandsdienst „Stimme Russlands“, dass Europa der kälteste Winter seit 100 Jahren bevorstehe. Neben russischen Forscher wurde ebenfalls der deutsche Wetterexperte Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net zitiert.

Wetterexperte Dominik Jung dazu: „Das wurde zu einem echten Selbstläufer. Zahlreiche europäische Medien (Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Polen, Belgien, Rumänien, Tschechien…) griffen diese Meldung auf und verbreiteten sie weiter. Richtig ist, dass die Trends auf einen Durchschnittswinter bis leicht zu kalten Winter hindeuten, auch einzelne extreme Wetterlagen sind wieder möglich, aber es gibt keine Anzeichen für einen Jahrhundertwinter. Solche Extremereignisse wären auch gar nicht vorhersagbar. Das ist so unmöglich als wenn ein Meteorologe im April 2013 versucht hätte das Extremhochwasser in Deutschland vorherzusagen. Punktuelle Extremereignisse sind nicht vorhersagbar.“

Folgende Fakten kann Diplom-Meteorologe Jung zum gegenwärtigen Zeitpunkt bezüglich des kommenden Winters zusammenfassen:

- Nach den ungewöhnlich milden, stürmischen und nassen 90er Jahren wurde von den Klimaexperten die Prognose ausgegeben, dass es in Deutschland und Europa zukünftig keine Winter mehr mit Frost und Schnee geben soll. Diese Aussage hat sich nun als falsch herausgestellt. Selbst die Klimaforscher sprechen nun von einer „Atempause der Klimaerwärmung“, was teilweise wie eine hilflose Erklärung klingt um die falschen Prognosen der Vorjahre schön zu reden. Wie lange diese „Atempause“ andauern wird, kann allerdings nicht gesagt werden…

- Eine These, die viel Unterstützung unter Meteorologen findet, ist folgende: Die großräumigen Luftströmungen haben sich im Winter signifikant verändert. Die Winter der 90er Jahre brachten häufig Westwindwetter. Wie auf einer Perlschnur zogen immer wieder Sturm- und Orkantiefs über Europa und sorgten für Millionenschäden durch Sturmschäden und schweres Hochwasser (1993 und 1995). Doch in den letzten Jahren ist dieses typische Westwindwetter in Europa kaum noch aufgetreten. Vor Europa konnte sich nun häufiger hoher Luftdruck aufbauen. Dieser hat die milde Atlantikluft wie eine Mauer geblockt und von Europa fern gehalten. Nur vereinzelt gelang der milden Meeresluft mal ein Vorstoß. Eine Begründung könnte in der Veränderung der Eisbedeckung am Nordpol liegen. Diese ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Die Polareisfläche strahlte bisher das Sonnenlicht zurück (weiße Flächen reflektieren den Großteil des einfallenden Lichts). Da diese Fläche nun kleiner geworden ist kann das Sonnenlicht nicht mehr so stark wie zuvor zurück in die Atmosphäre reflektiert werden. Dadurch verbleibt mehr Sonnenlicht am Nordpol und erwärmt dort die Stratosphäre. Das führte zu einer Änderung der Großwetterlage und über Skandinavien können sich leichter stabile Winterhochs aufbauen. Die Folge davon ist eine Schneise die die kalte Arktisluft direkt nach Europa bringt. Kurz gesagt: „Weil es dem Eis am Nordpol an den Kragen ging, wird Europa im Winter immer wieder zum Eisschrank und hat vermehrt mit winterlichen Extremereignissen zu rechnen“. Das klingt zunächst ziemlich paradox. Wie lange das so weitergehen wird ist allerdings offen und kann niemand sagen.

- Nach neusten Erkenntnissen wird dich die Zahl der extremen Wintereinbrüche in den nächsten Jahren in Europa verdreifachen.

Fazit: Es spricht vieles dafür dass auch der kommende Winter wieder einige bitterkalte Überraschungen für Deutschland und Europa bereithält, ob es aber einen extrem kalten oder gar einen Jahrhundertwinter gibt, kann zum aktuellen Zeitpunkt niemand sagen. Hamsterkäufe an Brennholz, Heizöl oder unverderblichen Lebensmitteln lohnen sich also – zumindest derzeit - noch nicht. Allerdings spricht nach den letzten Jahren einiges für einen kalten Winter als für einen milden und stürmischen Winter.

Pressemitteilung wetter.net

Quelle: rosenheim24.de

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