Coronavirus-Infektion bereits überstanden?

"Sie sind immun, vergessen Sie die Corona-Krise, Sie sind raus": Mediziner fällen Urteil über Antikörper-Schnelltests

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Coronavirus-Antikörpertests: Eine Mitarbeiterin am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) pipettiert in einem Labor einen Ansatz zum Proteinnachweis (ELISA). Insgesamt sollen in München Proben in 3.000 zufällig ausgewählten Haushalten auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet werden. Die Teilnahme am Forschungsprojekt ist freiwillig.

Rachenabstriche zeigen eine akute Coronavirus-Infektion an - Antikörper-Tests dagegen, ob das Immunsystem bereits mit dem Erreger fertig geworden ist. Das sagen Ärzte über die Testverfahren.

  • Die Coronavirus-Pandemie zieht weitere Kreise, bisher wurden 4.383.360 Covid-19-Infektionen weltweit gemeldet. Davon gelten 1.564.805 Menschen als vollständig genesen. (Stand 14.05.2020)
  • Menschen, deren Abwehrsystem das Coronavirus erfolgreich bekämpft hat, entwickeln Antikörper, die in der Therapie der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 eine wichtige Rolle spielen*. Außerdem sollen Träger von Antikörpern nicht wieder an Covid-19 erkranken.
  • Antikörper-Tests zeigen an, ob man bereits Kontakt mit dem Virus hatte. Verschiedene Tests sind bereits erhältlich - gelten unter Medizinern allerdings als umstritten. 

Die Symptome einer Coronavirus-Infektion* sind vielfältig - sie reichen von leichten Erkältungsanzeichen bis hin zu Atemnot. Das Robert Koch-Institut (RKI) als Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten formuliert es auf seiner Webseite folgendermaßen: "Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch, vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Daher lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zum „typischen“ Krankheitsverlauf machen." Vor diesem Hintergrund ist es möglich, dass viele Menschen bereits eine Coronavirus-Infektion hinter sich haben, ohne davon zu wissen. 

In diesem Fall hat das körpereigene Immunystem den Erreger erfolgreich bekämpft und Antikörper gegen das Coronavirus sind im Blut nachweisbar. Virologen gehen davon aus, dass ein Stillstand der Pandemie erst erreicht ist, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung eine Infektion mit Covid-19 überstanden- und damit auch Antikörper produziert haben. Hier kommen Antikörper-Tests ins Spiel. Eine Vielzahl dieser Produkte ist bereits im (Online-)Handel erhältlich - doch nicht jeder Test ist zu empfehlen. 


Antikörper-Selbsttests aus dem Internet: Ergebnisse nicht aussagekräftig

So gebe es bislang kein Testverfahren, das zweifelsfrei Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachweisen kann, wie der Spiegel berichtete. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die derzeit erhältlichen Tests bei Antikörpern gegen andere Coronaviren anschlagen. Und davon gibt es viele: "Zur Familie der Coronaviren gehören eine ganze Reihe unterschiedlichster Krankheitserreger. (...) Etwa ein Drittel der typischen „Erkältungen“ gehen auf das Konto dieser größten der RNA-Viren und auch den einen oder anderen „Durchfall“ verursachen sie", informiert das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung

Von Selbsttests, die man im Internet erwerben kann, raten Experten deshalb ab. Das Ergebnis solcher Tests sei schlichtweg nicht aussagekräftig. Doch es gibt Unterschiede innerhalb der Antikörper-Tests, weshalb sich einige Ärzte dafür entschieden haben, sie trotz Kritik in ihrer Praxis anzubieten. Dazu gehört der Münchner Hausarzt Dr. Michael Weier. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagte er: "Man muss natürlich bei diesem Test auch nachdenken, wie setze ich das in die Lebenssituation um. Wir machen das in unserer Praxis so, dass die Menschen nach dem Test noch beraten werden. Man kann jetzt nicht einfach sagen: ‚Sie sind immun, vergessen Sie die Corona-Krise*, Sie sind raus.‘ So einfach funktioniert das nicht."

Lesen Sie auch: Das passiert bei einer Coronavirus-Infektion im Körper.

ELISA-Test bei Covid-19: Antikörper erst rund zwei Wochen nach Symptombeginn nachweisbar

Fehleranfällig, ungenau und überteuert: Skeptische Stimmen zu den Antikörper-Schnelltests kommen vor allem aus den Reihen der Virologen. So gibt Professor Ulrike Protzer, Virologin am Helmholtz Zentrum München, zu Bedenken: "Man muss vorsichtig sein mit der Interpretation eines solchen Tests. Gerade die falsch positiven Tests sind gefährlich. Das heißt, wenn der Test mir anzeigt, ich habe Antikörper und ich glaube, ich bin geschützt, ich kann jetzt wieder alles machen. Das stimmt aber gar nicht, weil das Antikörper sind, die ich schon vor fünf Jahren hatte gegen irgendein anderes ähnliches Coronavirus." 

Hoffnung haben Experten allerdings in das antikörperbasierte Nachweisverfahren ELISA (Enzyme-Linked ImmunoSorbent Assay). Dieses Verfahren wird bereits seit langem für den Antikörpernachweis im Blut angewandt - etwa bei viralen Infektionen, in der Toxikologie oder bei Krebs. ELISA-Tests auf das neue Sars-CoV-2 sind zwar bereits auf dem Markt, allerdings nur sehr wenige. In China kamen Maschinen, die ELISA-Tests durchführen konnten, in über 100 Kliniken zum Einsatz. In Deutschland werden ELISA-Antikörpertests aktuell nur in Ausnahmen durchgeführt, was vor allem der aktuell fehlenden Verfügbarkeit geschuldet ist. "Die Antikörper-Testung ist auch keinesfalls für die Akutdiagnostik erkrankter Patienten gedacht und ersetzt nicht die Diagnostik mittels PCR* (Anmerkung d. Redaktion: Der PCR-Test erfordert einen Rachenabstrich) aus respiratorischen Materialien, da Antikörper erst ca. 2 Wochen nach Symptombeginn und ca. 4 Wochen nach Infektion nachweisbar sind", informiert der Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen und bittet um Verständnis, dass Blutproben in vielen Fällen nicht zeitnah untersucht werden können, weil das Labor derzeit "- wie alle anderen Labore Deutschlands auch - seitens des Herstellers nur sporadisch mit Reagenz beliefert (wird)". 

Im Video: Corona-Schnelltest aus Allgäuer Apotheke im Selbstversuch

Mehr Quellen: https://coronavirus.jhu.edu/map.html; www.rki.de; www.aerzteblatt.de

WeiterlesenMedikamente gegen Covid-19: Uniklinik Erlangen meldet erfolgreiche Antikörper-Therapie.

jg

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HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.   © dpa/dpaweb-mm
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Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt.
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Selbst in Zeiten von Corona pausieren andere grausame Krankheiten nicht. Auch in den Pandemie-Monaten gibt es ergreifende Schicksale, die nichts mit dem Virus zu tun haben. Der kranke Lukas ist erst zwölf Jahre alt und lebt in einem Pflegeheim. Er darf wegen der Corona-Krise kaum Besuch empfangen: Der Bahnbabo hilft.

*merkur.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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