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Mit Energie haushalten

Long Covid: „Pacing“-Methode kann bei Erschöpfung im Alltag helfen

Wer von Long Covid betroffen ist und unter Erschöpfung leidet, kann den Alltag häufig nicht mehr bewältigen. Hier kann die Pacing-Strategie helfen.

Noch Wochen oder gar Monate nach einer Corona-Infektion kann das Virus Auswirkungen auf den Körper haben. Betroffene leiden dann je nach Dauer der Langzeitfolgen entweder unter Long Covid oder Post Covid. Long Covid kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Eines der häufigsten Anzeichen ist wohl anhaltende Müdigkeit und chronische Erschöpfung, das sogenannte Fatigue-Syndrom. Damit sich Betroffene ihren Alltag erleichtern können, empfehlen Mediziner die „Pacing“-Methode zum Energie-Management.

Long Covid: „Pacing“-Methode kann bei Fatigue im Alltag helfen

Wer an Fatigue leidet, kann seinen Alltag häufig nur noch schwer bewältigen. (Symbolbild)

Sowohl potenzielle Risikofaktoren als auch Symptome des Long Covid-Syndroms sind Wissenschaftlern inzwischen bekannt. So können beispielsweise eine hohe Virenlast, Diabetes-Typ-2 oder eine geringe psychische Belastbarkeit das Risiko für eine Erkrankung erhöhen. Und auch die Symptome sind vielfältig. Als bisher erforscht gelten unter anderem folgende Anzeichen:

  • Kopfschmerzen
  • Atembeschwerden
  • Hals- und Brutschmerzen
  • Verdauungstörungen
  • Muskelschmerzen
  • Haarausfall
  • Depressionen
  • Anhaltende Erschöpfung bzw. Fatigue

Wer gerade an letzterem leidet, kann seinen Alltag nur noch schwer bewältigen. Lange Fehlzeiten im Job und eine verminderte Lebensqualität sind die Folgen. „Schon leichte Alltagsbelastung kann die Fatigue, aber auch die Schmerzen, langanhaltend verschlimmern. Versucht man, das normale Alltagspensum fortzuführen, kann es mit der Zeit schlechter und schlechter gehen“, erklärt Prof. Carmen Scheibenbogen, Leiterin des Charité Fatigue Centrum in Berlin, die sich vor allem mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (ME/CFS) beschäftigt. Allerdings sei Erschöpfung nicht gleich Erschöpfung.

Mit der Energie haushalten: Long-Covid-Patienten sollen Tempo im Alltag kontrollieren

Ein Teil der Long-Covid-Patienten leidet nämlich an Post-Exertionelle Malaise (PEM). Neben der Erschöpfung haben Betroffene meist auch noch andere Beschwerden, wie zum Beispiel Luftnot, Muskelschmerzen oder Herzrasen. Belastet man sich zu stark, dann können sich auch diese Symptome verschlimmern, meint Prof. Martina Lukas, Chefärztin der Inneren Medizin II der DKD Helios Klinik in Wiesbaden. So ist es zwar bei einer „normalen“ Erschöpfung durchaus förderlich, wenn man Sport treibt. Leidet man jedoch unter PEM, kann eine solche Anstrengung fatale Folgen haben und sogar bis zu einem Zusammenbruch führen. Betroffene könnten dann erstmal gar nichts mehr machen.

Experten empfehlen Patienten deshalb, eine sogenannte Pacing-Strategie zu entwickeln. Pacing leitet sich vom englischen Begriff „pace“ für Geschwindigkeit ab. Martina Lukas erklärt es so: „Pacing heißt, schonend mit den eigenen Ressourcen umzugehen und zu erkennen, wo die eigenen Grenzen liegen.“ Betroffene sollen daher nicht einfach weitermachen, als wäre die Erschöpfung gar nicht da, sondern ihr Tempo im Alltag kontrollieren. Das bedeutet: Wird eine Anstrengung zu groß und die Belastung zu hoch, dann sollte rechtzeitig die Bremse gezogen werden. So kann bei den Patienten die Lebensqualität im Alltag wieder gesteigert werden, selbst wenn die Symptome dadurch nicht verschwinden.

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Pacing-Strategie bei Long Covid: Energie aufteilen und Aktivitäten in Tagebuch festhalten

Zu Beginn rät Lukas deshalb zu einer Energie-Bestandsaufnahme. Die Frage lautet also, wie viel Energie habe ich überhaupt? „Man kann sich vorstellen, dass man für jeden Tag einen Sack mit Energieperlen zur Verfügung hat“, so die Expertin. „Jede Aktivität kostet eine Energieperle – das Ausräumen des Geschirrspülers, die Runde mit dem Hund, das Kochen des Mittagessens.“ Außerdem sollten auch kognitive Tätigkeiten, wie zum Beispiel Lesen oder Fernsehen berücksichtigt werden, da sie ebenfalls Energie rauben und gerade auch für Fatigue-Leidende anstrengend sein können.

Helfen kann dabei unter anderem ein Tagebuch, in dem man seine Tätigkeiten festhält. So kann man überprüfen, wenn es einem schlecht geht, was man beispielsweise an diesem Tag alles gemacht hat und ob es möglicherweise zu viel war. Es geht darum, mit der Zeit sein optimales Pensum zu finden und dieses im Alltag nicht zu überschreiten. Um einem Zusammenbruch vorzubeugen, hilft es, am Abend noch ein paar Energieperlen übrigzuhaben.

Zudem sollten Betroffene die Ansprüche an sich selbst anpassen. Die Fenster müssen nicht frisch geputzt sein und zum Abendessen tut es eben auch mal bestelltes Essen, anstatt sich selbst etwas zu kochen. Es empfiehlt sich außerdem, Aufgaben im Haushalt und in anderen Lebensbereichen aufzuteilen und nicht alles an einem Tag unterbringen zu wollen. Geht man an einem Tag spazieren, muss dafür nicht auch noch das Bad geputzt werden. Hier sollte man auch immer auf seinen Körper hören, schließlich gibt es mal gute und schlechte Tage.

Long-Covid-Betroffene sollten aktiv bleiben, aber sich nicht überfordern

„Es ist wichtig, aktiv zu bleiben“, appelliert Scheibenbogen. Wichtig ist, dass sich Patienten nicht überfordern. Sich gar nicht mehr zu fordern, ist jedoch auch nicht die Lösung. Patienten sollten schauen, wie viel sie mit ihrer Energie schaffen und wenn es irgendwann möglich ist, können sie sie Stück für Stück steigern.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteuren und Redakteurinnen leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Jake Jakab/IMAGO

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