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Abenteuerlicher Kunst-Spaziergang

OVB
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"Grüne Senke" von Friederike Jokisch, 150 mal 216 Zentimeter, Pastell auf Papier.

Aschau - "Es gibt wohl keine Stadt in Deutschland, in der so viel und so gut gemalt wird wie in Leipzig", sagte der künstlerische Leiter des Vereins Kunst und Kultur zu Hohenaschau, Rudolph Distler, bei der jüngsten Austellungseröffnung.

Als Beweis dafür hatte er im Laufe des Jahres bereits Yvette Kiessling und Ondrej Drescher in der Galerie am Festgelände Hohenaschau vorgestellt. Nun präsentiert er als letzte Künstlerin der "Wandergruppe Leipzig" Friederike Jokisch, Schülerin für Malerei und Grafik von Neo Rauch und Arno Rink.

"Ich gehe in meinen Bildern spazieren", bekannte Friederike Jokisch bei der Vernissage. Das hört sich ziemlich locker an, doch bedeutet es jede Menge Arbeit. Dauere doch dieser "Spaziergang" in einem großformatigen Bild an die drei Monate. Und die Aussage von Friederike Jokisch bezieht sich beileibe nicht auf die Tatsache, dass die vier jungen Künstler der "Wandergruppe Leipzig" gemeinsam mit Block und Bleistift durch die deutschen Mittelgebirge gewandert sind, um dann die Resultate im Atelier auf Papier oder Leinwand zu bringen. Gaben bereits die Bilder von Yvette Kiessling und Ondrej Drescher dem Betrachter so manches Rätsel auf, so sind die Arbeiten von Friederike Jokisch noch schwerer einzuordnen. Und der Betrachter ist gut damit beraten, nicht gleich zu glauben, was er sieht.

Schon beim Betreten des großen Raums im Erdgeschoss "überfallen" ihn riesige Bilder. Da ist gleich rechts "Symbiose" (150 mal 226 Zentimeter, Pastell, Leimtempera, Papier): hochaufragende, dunkle Baumstämme, die nach allen Seiten den Bildrahmen zu sprengen scheinen. Nur auf den ersten Blick ein Dickicht, denn die Baumstämme sind wohlangeordnet, ja geradezu geometrisch nüchtern. Und doch hat das Bild etwas Mystisches, fast Märchenhaftes mit seinen türkisen Lichtschatten. "Der Hänsel-und-Gretel-Wald könnte einem Märchenbuch der Gebrüder Grimm entsprungen sein" sagte der Kulturreferent des Landkreises Rosenheim, Klaus Jörg Schönmetzler, in seiner Laudatio zur Ausstellungseröffnung.

"Grüne Senke" heißt das Bild 4 im großen Raum des Ergeschosses (150 mal 216 Zentimeter, Pastell auf Papier). Es ist ganz in Grüntönen gehalten, Im Vordergrund wuchern große, stachelartige Büsche und dahinter stehen winzige Pappeln und Zypressen gleich Grashalmen, aufgereiht wie Zinnsoldaten auf milchig-grünem Hintergrund. Im Bild 5 (großer Raum im Erdgeschoss, 146 mal 229 Zentimeter, Pastell und Lasur auf Papier) dreht Friederike Jokisch alle Raumgesetze um. Die schärfsten Details verbannt sie ganz nach hinten an den Horizont, während im Vordergrund ein verschwommenes, schwarzes Loch klafft.

"Dichte" nennt die Künstlerin das Bild 11 im Flur oben (207 mal 145 Zentimeter, Pastell auf Papier): In sich verschlungene, reifbestäubte Tannenbäume, die sich bis zum Horizont erstrecken und fast ein wenig bedrohlich wirken. Doch dann vier isolierte Stämme zur Rechten, die zu einer Leiter zusammenwachsen. Etwas verwirrend für den Betrachter ist das Bild 26 "Pavillon" im Raum zwei im Obergeschoss. Da steht doch, ganz untypisch für Friederike Jokisch, ein völlig absurder Musikpavillon mit rosa Dach inmitten wilder Natur.

Auch das großformatige Bild "Garagen" im Raum 3 des Obergeschosses passt so gar nicht zu Friederike Jokisch. Da hat sie doch tatsächlich pastellfarbene Garagen mit wunderbaren Spiegelungen in die Natur gesetzt. Während bereits im Flur oben die streng reduzierte Lithografie "Kreuzung" den Ausstellungsbesucher neugierig macht, darf er sich im Raum 4 des Obergeschoßes an Lithografien satt sehen. "Lichtwald" heißen gleich drei davon und geradezu bestechend schön ist die Drei -Farbenlithografie (46 mal 34 Zentimeter). Sie erinnert ein wenig an die große "Symbiose" im Erdgeschoss, gleichwohl die Baumstämme weitaus luftiger angeordnet sind.

Wer sich auf die Bilder der gerade einmal 27-jährigen Friederike Jokisch einlässt, begibt sich auf ein regelrechtes Abenteuer. So wie die Künstlerin selbst. Sagte doch Klaus Jörg Schönmetzler bei der Vernissage: "Für Friederike Jokisch ist jedes Bild ein Abenteuer, von dem sie nicht weiß, wie es am Ende ausgeht".

Gertie Falk/Oberbayerisches Volksblatt

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