Fasching, ein Leben lang

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Ludwig Schröer erfüllt sich einen Traum.

Berchtesgaden - Faschingsgilden-Ehrengründungsmitglied Ludwig Schröer erfüllte sich einen Traum: das erste Mal „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim .

Wenn Ludwig Schröer, einziges noch lebendes Ehrengründungsmitglied der Berchtesgadener Faschingsgilde, auf sein Leben zurückblickt, ist der Fasching zumindest wesentlicher Bestandteil. 1200 Faschingsorden nennt er sein Eigen. Und zu jedem davon hat er eine Anekdote parat. Trotzdem gibt es noch Dinge, die erst im Alter in Erfüllung gehen. So war Ludwig Schröer kürzlich bei der „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim. „Zum ersten Mal überhaupt. Da wollte ich schon immer mal hin“, erzählt er stolz. Und wären die Berchtesgadener nicht ganz so große Faschingsmuffel, dann wünschte er sich auch wieder einen Umzug durch den Ort. Der letzte fand 1998 statt: „10.000 Zuschauer waren damals mit dabei“, erzählt er.

Einmal in Veitshöchheim dabei zu sein, das wäre doch was, sagt Schröer, der Faschingsexperte. Und erfüllte sich kurzerhand den Traum. 82 Jahre ist er alt und besitzt noch immer den Esprit aus jungen Jahren. Deutlich wird das, als er ein Foto aus seinem Album hervorholt. Eine Tänzerin ist drauf zu sehen. Während der Generalprobe bei der „Fastnacht in Franken“ sei sie auf Schröer zugekommen, habe ihn zum Tanz aufgefordert. „In Veitshöchheim sind die besten Redner, das ist die beste Faschingssendung überhaupt“, sagt Schröer. Auch der Humor sei der beste. „Genau unser Metier, spitzfindig und sehr gut.“ Deshalb wollte er immer mal dabei sein, miterleben wie es ist, wenn man nicht nur vor dem Fernseher sitzt, sondern live dabei ist. „Wir hatten Karten für die Generalprobe bekommen“, erzählt er. Über einen freundschaftlichen Kontakt. Denn Schröer ist auch seit 25 Jahren Mitglied im Fastnacht-Verband Franken und es sei nicht so einfach, an Karten zu kommen. „Während der Generalprobe sitzt man auf den Plätzen, wo tags darauf die Prominenz sitzt“, sagt Schröer. Rücken an Rücken mit Horst Seehofer, dem Bayerischen Ministerpräsidenten. Ob er denn nochmal nach Veitshöchheim wolle?

„Ich würde es schon auch ein zweites Mal anschauen“, sagt er. Wenn es sich ausginge. Eine viel größere Freude würde für Ludwig Schröer aber in Erfüllung gehen, wenn das allgemeine Berchtesgadener Interesse am Fasching größer wäre. Dann wären auch noch die großen Faschingsumzüge denkbar, die in der Vergangenheit immer wieder stattgefunden hatten. „Wir hatten damals sehr viele Besucher“, sagt Schröer. Aber eben auch sehr hohe Kosten. Etwa 15.000 Mark hat die Umsetzung im Jahr 1998 gekostet. Geld, das nur durch finanzielle Unterstützung wieder reinkam. „Heutzutage wären die Auflagen viel höher als damals.“ Und das größte Problem: „Keiner der Zuschauer wäre bereit, für einen Umzug ein paar Euro als Unkostenbeitrag auszugeben.“ Weil das so ist, scheint es aussichtslos, dass es in Berchtesgaden langfristig wieder zu einem Umzug kommen wird. Trotzdem - ganz auf einen solchen verzichten will man bei der Berchtesgadener Faschingsgilde auch nicht. „Wir haben einen eigenen Laster, den wir für die letzten Tage geschmückt hatten“, erzählt Schröer.

Damit nahm die kleine Berchtesgadener Truppe dann an größeren Umzügen teil, etwa an dem in Teisendorf – als Mexikaner aus dem Watzeland. Die meisten seiner 1200 Orden lässt Ludwig Schröer an solchen Tagen zwar zuhause, die wichtigsten trägt aber mit sich. Eine klitzekleine Auswahl. Viele Faschingsgesellschaften, an die auf den Orden erinnert wird, gibt es gar nicht mehr. Und trotzdem ist Schröer zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren noch ein paar weitere dazukommen. Immerhin ist Fasching seine größte Leidenschaft. Jetzt ist aber erst einmal Schluss damit, am Aschermittwoch ist alles vorbei. Zeit zum Durchschnaufen und Neue-Kraft-Tanken – für nächstes Jahr.

kp

Quelle: chiemgau24.de

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