Unternehmen verlieren Milliarden 

Bayern will Fachkräfte locken

München - Eine halbe Million Fachkräfte fehlen Bayern bis 2015. Bereits jetzt gingen im Freistaat Unternehmen dadurch rund 6,6 Milliarden Euro Umsatz flöten. Die Politik will nun Bayern aus der Fremde wieder heim locken.

Die Staatsregierung will angesichts eines drohenden Fachkräftemangels bayerische Experten aus dem Ausland zurück in die Heimat locken. Zudem will Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) ausländische Studenten nach dem Ende ihrer Ausbildung in Bayern halten. Dafür hebt die Regierung zwei Programme aus der Taufe.

„Wir brauchen jede deutsche Fachkraft, die wir kriegen können“, sagte Zeil am Montag in München. „Aber das allein wird nicht ansatzweise ausreichen, um diese Herausforderung zu meistern.“ Nach einer Studie im Auftrag der Bayerischen Wirtschaft (vbw) fehlen den Unternehmen im Freistaat bis 2015 etwa eine halbe Million Fachkräfte.

Bayern biete beste Lebens- und Arbeitsbedingungen und eine florierende Wirtschaft, sagte Zeil und wies Bedenken zurück, die Anwerbung ausländischer Fachkräfte könnte Arbeitsplätze Deutscher gefährden. „Jede Fachkraft, die aus dem Ausland nach Bayern kommt, nimmt hier niemandem seinen Job weg, sondern schafft neue Arbeitsplätze und neuen Wohlstand“, sagte der Minister.

Vor allem im Internet will Zeil für den Freistaat werben, auch bei Bayern, die im Ausland leben und arbeiten. An sie wendet sich die Aktion „Return to Bavaria“. Zentrale Ansprechpartner sollen bei bürokratischen Hürden und der Jobsuche helfen. Mit dem Programm „Study and stay in Bavaria“ („Studiere und bleibe in Bayern“) soll ausländischen Studenten geholfen werden, im Freistaat zu bleiben.

Derzeit leben laut Zeil drei Millionen Deutsche in den 34 Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), davon 500 000 Menschen aus Bayern. Befragungen hätten gezeigt, dass viele davon sich eine Rückkehr vorstellen können.

„Das ist ein erster richtiger und wichtiger Schritt“, sagte die Unternehmerin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten. Die Bekämpfung des Fachkräftemangels sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Politik und Wirtschaft seien dabei gefordert. Laut vbw entgehen der bayerischen Wirtschaft dadurch bereits jährlich 6,6 Milliarden Euro Umsatz.

Linde-Chef Wolfgang Reitzle mahnte zugleich einen Umbau des Bildungssystems an. Es seien insgesamt mehr Anstrengungen nötig, naturwissenschaftliche Fächer zu stärken. Dazu müsse es auch mehr Lehrer an Grundschulen geben und nicht vor allem Lehrerinnen. Auch die Ausbildung der Pädagogen müsse deutlich verbessert werden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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