Schaden trotz Versicherung selbst bezahlen kann sich lohnen

+

Von der kleinen Schramme beim Ausparken bis zum großen Unfall bei voller Fahrt gibt es zahllose Arten von Verkehrsunfällen.

Für alle Beteiligten am Straßenverkehr ist es beruhigend, sich auf eine starke Autoversicherung verlassen zu können, die einen Schadenersatz gemäß Tarif leisten. Es gibt jedoch Situationen, in denen Autofahrer bewusst auf die Schadensübernahme durch ihre Versicherung verzichten. Eine Entscheidung, die ein echter Kostenvorteil sein kann.


Höhe des Schadens als wichtigster Indikator

In welchen Situationen Sie den Schaden lieber aus der eigenen Geldbörse begleichen, hängt von der erwarteten Schadenshöhe ab. Diese lässt sich bei kleinen Unfällen mühelos abschätzen. Wer als Fahrzeuglaie keinen Anhaltspunkt für den Preis für Ersatzteile und Reparatur hat, wird bei einer Nachfrage in einer Kfz-Werkstatt schnell die gewünschten Informationen erhalten.

Die genannten Kosten zur Herrichtung des Schadens sind aus zwei Blickwinkeln zu betrachten. Zum einen sollte das private Vermögen eine private Übernahme des Schadens ermöglichen. Falls die laufenden monatlichen Kosten knapp kalkuliert sind und nicht einfach zusätzliche 100 Euro für einen Bagatellschaden aufgebracht werden können, ist die Versicherung der richtige Partner für die Schadensregulation.


Falls das Geld vorhanden wäre, ist eine Gegenrechnung zwischen den privaten Schadenskosten und den Auswirkungen auf den laufenden Tarif der Autoversicherung der nächste Schritt. Dies macht einige kleine Berechnungen notwendig, die jedoch nach einem festen Prinzip ablaufen und keinen Autofahrer überfordern dürften. Eine gemeinsame Planung mit dem Automobilclub oder der Verbraucherzentrale hilft ansonsten, den finanziell besseren Weg für die Schadensregulation einzuschlagen.

Einfluss des Schadens auf die Versicherungsprämien

Für jeden Versicherungsschutz rund um Ihr Fahrzeug arbeiten die Versicherungen in Deutschland mit Schadenfreiheitsklassen, kurz SFK. Bei Schäden, die Sie anderen Fahrzeugen zufügen, ist die SFK der gesetzlich vorgeschriebenen KFZ-Haftpflichtversicherung entscheidend. Um mit dem eigenen Fahrzeug sicher in der Region unterwegs zu sein und Schäden am eigenen Fahrzeug nicht selbst zahlen zu müssen, ist ein Kaskoschutz die richtige Alternative.

Jeder Schaden, für den Ihr Versicherer finanziell aufkommen muss, wirkt sich auf die SFK aus. Für die Versicherung zeigt der Schaden, dass Sie als versicherte Person ein höheres Risiko mitbringen und zukünftig weitere Schäden zu erwarten sind. Aus diesen Gründen kommt es zu einer Absenkung der SFK, die mit einem prozentualen Anstieg Ihrer Versicherungsprämien verbunden ist.

Der Wechsel zu einer anderen Versicherung löst das Problem nicht. Ihre SFKs werden vom alten Versicherer an den neuen übermittelt, sofern Sie hier keine Beitragsrückstände haben. Bleibt dies aus, stuft Sie die neue Versicherung in eine der schlechtesten Schadenfreiheitsklassen ein. Die Vorgehensweise ist finanziell unter keinen Umständen lohnenswert.

Anzahl der schadensfreien Jahre als Kriterium

Sofern Sie über Jahre hinweg Ihrer Autoversicherung keine Schäden vermelden, entwickelt sich die SFK zu Ihren Gunsten. Gerade für erfahrene Autofahrer macht es deshalb finanziell keinen Unterschied, nach vielen unfallfreien Jahren einen Versicherungsfall durch die Gesellschaft übernehmen zu lassen.

Dennoch kann die eigene Kostenübernahme sinnvoll sein. Auch wenn sich der Beitrag trotz einer Absenkung der SFK nicht verändern sollte, würde dies schneller bei einem weiteren Schadensfall in der nahen Zukunft drohen. Orientiert an Ihrem aktuellen Beitrag können Sie berechnen, wie sich die prozentuale Veränderung des Beitrags in den nächsten Jahren kostentechnisch auswirken würde.

Im Regelfall werden Sie bei Ihrem Versicherer zwei bis fünf Jahre benötigen, bis Sie zu Ihrer aktuellen SFK zurückkehren. Rechnen Sie über die einzelnen Jahre die Differenz zwischen der aktuellen Beitragsentwicklung und den höheren Beiträgen durch, die Sie nach einer Hochstufung zahlen. In den zwei bis fünf Jahren werden sich Unterschiede von jeweils geringen Eurobeträgen ergeben.

Die Summe aus all diesen Differenzen ist in Relation zum Schadenswert zu betrachten. Sofern der Schaden geringer ist, lohnt sich die Bezahlung aus dem eigenen Geldbeutel mehr als die Hochstufung nach Schadensübernahme durch den Versicherer. Und dies ist bei einfachen Bagatellschäden wie einer Schramme am gegnerischen Fahrzeug fast immer der Fall.

Rabattretter: Selten, aber häufig lukrativ

Von der oben genannten Regelung gibt es eine Ausnahme, die sich nicht auf dem gesamten Versicherungsmarkt durchsetzen konnte. Gemeint ist der Rabattretter, den Versicherungen erfahrenen Autofahrern oder als Verkaufsargument Neukunden zusichern. In diesen Fall findet eine Veränderung der SFK nicht statt, sofern Sie lediglich einen Schadensfall innerhalb einer festgeschriebenen Anzahl von Jahren vermelden.

Nur noch wenige Versicherungen bieten diese zwischenzeitlich beliebte Regelung an. Genauso kann Sie Service der einzelnen Autohersteller angeboten werden, die ebenfalls mit Versicherungen kooperieren und ihren Kunden auch bei der Absicherung des Fahrzeugs als starker Partner wahrgenommen werden möchten. Der Rabattretter ist jedoch kein Geschenk der Versicherungen. Der Service dürfte einen minimal höheren, regulären Versicherungsbetrag mitbringen, hier ist ein rechnerischer Vergleich lohnenswert.

Umgang mit Schäden in die Wahl des Versicherers einfließen lassen

Nicht alleine der Rabattretter ist ein Kriterium für die Wahl eines geeigneten Versicherers. So arbeitet jede Gesellschaft mit einem eigenen Konzept der Schadenfreiheitsklassen. Der Umgang mit Schäden ist finanziell bei jeder Gesellschaft etwas anders, gleiches gilt für die Belohnung von Autofahrern nach einer Vielzahl von schadenfreien Jahren.

Prüfen Sie deshalb regelmäßig, wie sich im Rahmen Ihrer aktuellen Schadenfreiheitsklasse der Wechsel zu einer anderen Versicherung auswirkt. Am einfachsten gelingt dies über unabhängige Portale für den Kostenvergleich im Internet. So lassen sich auf diversen Plattformen Schadenfreiheitsklasse und alle weiteren Faktoren in eine unabhängige Kalkulation einfließen, um unkompliziert zum besten Tarif zu gelangen.

Achtung: Auch die Typ- und Regionalklassen ändern sich jährlich und sind ein wichtiger Rechenfaktor, der sich auf die Höhe des Beitrags auswirkt. Allerdings sind diese Klassen universelle Größen, die von allen Versicherungen bei der Kalkulation gleichermaßen verwendet werden. Ein Wechsel aufgrund dieser Änderungen ist finanziell nicht lohnenswert.

Veränderungen in der Tarifierung verstehen und nutzen

Wenn Sie aktuelle Nachrichten rund ums Auto verfolgen, stoßen Sie regelmäßig auf neue Rabatte und Tarif-Regelungen der Versicherer in Deutschland. Durch die große Konkurrenz der einzelnen Gesellschaften finden diese immer neue Möglichkeiten, ihre Kunden für Treue zu belohnen oder finanzielle Anreize für einen Wechsel zu schaffen.

Falls Sie mit dem Service bei der letzten Schadensregulation durch Ihre Versicherung wie mit den Versicherungsbeiträgen zufrieden sind, besteht kein Grund zum Wechsel. Ein Blick über den Tellerrand ist dennoch zum Jahresende hin lohnenswert, um bis zum Stichtag 30. November den bestehenden Vertrag zu kündigen und ab dem neuen Kalenderjahr zu einer neuen Autoversicherung zu wechseln.

Kommentare