Singlefrust zum Valentinstag? Aspekte des Alleinlebens

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Singles sind keineswegs als einsame Herzen zu bedauern. Sie haben überdurchschnittlich viele Bekannte und Netzwerke - mehr als Verheiratete, meint Soziologe Stefan Hradil. Foto: Peter Steffen

Mainz (dpa) - Händchenhalten im Kerzenschein, Rosenblüten im Badewasser: Man könnte meinen, dass die überzuckerte Romantik des Valentinstages Singles nervt. Doch ein Mainzer Forscher sagt: So traurig müssen sie gar nicht sein.

Der Valentinstag ist der Tag der Verliebten. Und ein Trauertag für Singles? Der Mainzer Soziologe Stefan Hradil beschäftigt sich seit Jahren mit ihnen. Er sagt: Es gibt viele Vorurteile über Singles - nicht alle stimmen. Die positiven und negativen Aspekte des Singledaseins nach Ansicht des Forschers:

N acht eile:

"Im Schnitt sind Singles etwas häufiger einsam als der Durchschnitt der Bevölkerung. Aber wie wir Soziologen sagen: Die Streuung ist sehr groß. Es gibt jede Menge Singles, die ganz und gar nicht einsam sind. Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl."

"Viele Singles fragen sich, wer sich um sie im Alter kümmert. Diese Frage belastet sie, weil sie das Gefühl haben, kein zukunftsfestes Modell zu leben."

"Vor allem Männer kommen mit dem Alleinleben schlechter klar als Frauen. Männer haben nicht gelernt, mit ihren Gefühlen wirklich umzugehen. Sie sind meist die weit schlechteren Netzwerker und haben in der Regel nicht gelernt, einen Einzelhaushalt souverän zu führen - bis heute."

"Alleinleben ist nach wie vor gesellschaftlich erklärungsbedürftig. Schon im Begriff Single wird unterstellt, dass es nicht die übliche Lebensform ist. Niemand würde einen 18-jährigen Schüler als Single bezeichnen. Der Grund: Weil nicht erwartet wird, dass er einen Partner hat."

Vorteile:

"Singles leben oft bewusster. Sie denken mehr über sich nach als jemand, der aus gesellschaftlicher Sicht im Gleis fährt. Sie fragen sich: Wie ist das eigentlich passiert? Und was will ich? In einer Gesellschaft, die ständig wechselnde Anforderungen stellt, ist das ein Vorteil."

"Viele Singles richten sich wenn möglich äußerst geschmackvoll ein. Das hängt in gewisser Weise mit der gesellschaftlichen Begründungspflicht zusammen: Seht her, ich kann es auch alleine. Übrigens: Singles haben häufig riesige Esszimmertische und Besteck für 24 Personen. In der Literatur wird das die "fiktive Familie" genannt."

"Singles haben überdurchschnittlich viele Bekannte und Netzwerke - mehr als Verheiratete. Sie sind überrepräsentiert in Hilfsorganisationen. Diese Kontakte sind für sie sehr wichtig. Sie sind nicht isoliert."

"Viele Singles haben oft eine hohe berufliche Qualifikation - und sind mit ihrem Beruf verheiratet, wie man so sagt. Für die Wirtschaft sind Singles zudem sehr attraktive Kunden: Sie kaufen tendenziell hochwertige Güter."

Zur Person: Stefan Hradil ist 68 Jahre alt und Soziologe in Mainz. Mitte der 90er Jahre bat ihn das Bundeskanzleramt, ein Gutachten über Alleinlebende zu schreiben. Seitdem ist er in der nicht-wissenschaftlichen Öffentlichkeit als Single-Forscher bekannt.

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