Eine Frau mit tierisch viel Herz

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Mehring-Öd - Therese Schmidlechner schenkte gleich zwei Hunden ein neues Leben: Camella hat gelähmte Hinterläufe, Fipsy ein gebrochenes Becken - aber jetzt sind beide glücklich.

Es war eine freundliche und offene Dame, die uns da die Tür öffnete. Gleich mit der gewissen Ausstrahlung - man sah ihr an, dass sie gerne Gutes tut. Und das tut sie auch. Bewusst sucht sie sich kranke, benachteiligte Tiere aus. "Mit denen habe ich Mitleid. Die wenigsten wollen einen lädierten Hund. Alle suchen immer den schönsten, süßesten aus. Aber die anderen Hunde brauchen doch auch einen Platz!", so Therese Schmidlechner.

Camella mit ihrem Rollstuhl

Wie Camella mit ihrem Rollstuhl flitzt

Zwei Hunde, zwei traurige Schicksale

Fipsy

"Fipsy kam 2009 zu uns. Damals hatte er ein gebrochenes Becken und konnte sich kaum mehr bewegen," berichtet Schmidlechner. Fipsys traurige Geschichte: 5 Jahre hauste er in einem polnischen Tierheim. "Gut ist er dort sicher nicht behandelt worden - aber genaueres wissen wir - Gott sei Dank - nicht," so die Tierliebhaberin. Operieren lassen hätten die Schmidlechners Fipsy auch. Aber in Deutschland stellte sich glücklicherweise heraus, dass dem kleinen Hund mit Medikamenten geholfen werden konnte. Heute ist Fipsy wieder quietschlebendig, spurtet ungehindert durch die Wohnung und hält das Ehepaar Schmidlechner beim Gassigehen auf Trapp.

So viel Glück hatte Camella leider nicht. Die Hündin hat nach einem Autounfall keine Kontrolle mehr über ihre Hinterläufe - laut der Ärtze sind die wichtigsten Nerven zertrennt worden. Während eines Feuerwerks war sie ihrem ehemaliger Besitzer, einem Spanier, der geschäftlich oft in Berlin war, abgehauen und bei der Flucht wohl von einem Auto erfasst worden. Fünf Tage konnte man sie nicht finden, dann erst bemerkte man Camella in einem Straßengraben. Der ehemalige Besitzer agierte sofort, konnte sich aber nur eine Not-OP leisten. In der wurden nicht die Nerven repariert, sondern nur die Knochensplitter entfernt. "Hätte man sie gleich richtig operiert, könnte sie heute wieder laufen", so Frauchen Schmidlechner. "Aber jetzt ist es zu spät."

Anfangs war es hart

Camella auf Frauchens Schoß

Weihnachten 2009 wurde Camella in ein österreichisches Tierheim gebracht. 4 Monate später fasste sich Therese Schmidlechner ein Herz und brachte das gelähmte Hündchen mit nach Hause. "Anfangs war alles sehr hektisch und schwierig. Alleine die Frage, welche Windel man dem Hund anziehen kann, war ganz schön kompliziert", erinnert sich Friedrich Schmidlechner. "Camella war zwar nicht scheu, aber sehr aufgebracht, empfindlich und hektisch. In den ersten Tagen habe ich immer wieder gehofft, meine Frau fahre den Hund wieder zurück ins Tierheim." "Später kam er dann zu mir und meinte: "Du, die Camella bleibt aber schon bei uns, gell?", fiel ihm seine Frau lachend ins Wort.

Die Rettung war der neue Rollstuhl

Der spanische ehemalige Besitzer hatte damals schon die Idee gehabt, Camella eine Art Rollstuhl zu bauen, damit sich das Hündchen trotz allem selbstständig fortbewegen kann. "Aber der hatte einen Konstruktionsfehler", so Schmidlechner. "Da sind Camellas Hinterpfoten immer durchgefallen." Über eine Tierklinik kam das tierliebe Ehepaar dann zu dem Hersteller für Hunderollstühle in Frankfurt - die einzige Firma dieser Art deutschlandweit. "Und die haben dann unserer Camella einen Rollstuhl maßangefertigt. Und den liebt sie!"

Camella im Rollstuhl

Und tatsächlich. In unserem Beisein flitzte Camella geradezu los, sobald ihre Hinterpfötchen in den dafür vorgesehenen Schlaufen eingehängt waren. Rückwärts, vorwärts, seitwärts - alles kein Problem. "Sie rennt sogar so ungestüm in die Kurven, dass sich eins ihrer Räder vom Boden abhebt", berichtet Therese Schmidlechner schmunzelnd. "Wir brauchen jetzt schon den zweiten Satz Räder. Die ersten hat sie bereits abgefahren!"

Neben den beiden Hunden haben Schmidlechner und ihr Mann noch drei Katzen im Haus - und Therese Schmidlechner versorgt weitere Katzen bei Bauernhöfen, hilft, wenn kranke Tiere eingefangen werden müssen - und weint, wenn es einem Tier schlecht geht.

Eine Frau, deren Tierliebe einen regelrecht berührt -  es tut gut, zu wissen, dass es solche Menschen noch gibt. Und jederzeit, so Schmidlechner, würde sie ohne zu zögern wieder einen Hund wie Camella oder Fipsy zu sich holen.

ds

Quelle: rosenheim24.de

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