Von Möbeln bis Tierfutter: Einbruchsschäden regulieren

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Es gibt immer mehr Wohnungseinbrüche in Deutschland. Foto: Frauke Rumpenhorst

Fernseher, Tablet, Familienschmuck - alles gestohlen. Kein Problem, die Hausratversicherung trägt nach Einbrüchen doch den entstandenen Schaden. Allerdings klappt die Regulierung nur dann problemlos, wenn die Versicherten gewissen Pflichten nachkommen.

Düsseldorf (dpa/tmn) - Nach Einbrüchen zahlt die Hausratversicherung für Schäden und gestohlene Gegenstände. Damit die Schadensregulierung nicht zum Problem wird, sollten Einbruchsopfer einiges beachten. Ein Überblick zu den wichtigsten Fragen:

Wann greift die Hausratversicherung?

Der Einbrecher muss sich mit einem Werkzeug, etwa einer Brechstange, oder einem geraubten Schlüssel Zugang verschafft haben, erläutert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Versicherungsschutz kann durch fahrlässiges Verhalten gemindert werden. Ein Beispiel: Wenn die Eingangstür nur angezogen wurde, regulieren Versicherer in der Regel lediglich 50 Prozent des Schadens, sagt Elke Weidenbach, Referentin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sind die Diebe über ein angekipptes Fenster eingestiegen, kann das den Versicherungsschutz ebenfalls verringern.

Welches Eigentum wird ersetzt?

Alles, was entwendet wurde. Das schließt Möbel, Kleidung und Elektrogeräte ein, aber auch Bücher und Geschirr. Sogar für das entwendete Futter der Haustiere gibt es laut der Verbraucherzentrale Ersatz. Die gestohlenen Gegenstände müssen Einbruchsopfer auf einer Stehlgutliste notieren. Dort sollte man das Diebesgut detailliert beschreiben und unter anderem dessen Neuwert angegeben. Die Liste reicht man bei der Polizei und der Versicherung ein.

Von wertvollem Inventar hat man für alle Fälle besser ein Foto gemacht und den Einkaufsbeleg aufgehoben. Das kann die Regulierung erleichtern. "Das sind Hinweise, keine Nachweise", betont Weidenbach. "Bei hohen Schäden kommt oft noch ein Sachverständiger und prüft, ob die angegeben Schäden plausibel sind."

Auf jeden Fall sollte man auf die Stehlgutliste alles notieren, was weg ist und das lieber zweimal prüfen. Fällt etwa erst Monate später auf, dass die Kamera geklaut wurde, wird der Verlust unter Umständen nicht mehr von der Versicherung reguliert.

Welche Pflichten hat das Einbruchsopfer?

In vielen Versicherungsverträgen steht, dass der Versicherer "unverzüglich" zu informieren ist. "Das heißt aber nicht, dass man nachts zum Hörer greifen muss", beruhigt Weidenbach. In der Regel habe man drei Tage Zeit, um den Einbruch telefonisch zu melden. Dort sollte man die Umstände des Einbruchs erläutern und direkt notwendige Reparaturen ansprechen, sagt Weidenbach. Ohne vorherige Rücksprache mit dem Versicherer sollte man Schäden an Türen und Fenstern nicht beheben. Sonst droht man, auf den Kosten sitzenzubleiben.

Wie viel zahlt die Versicherung?

Die Hausrat-Police trägt die Reparaturkosten für beschädigtes Inventar sowie Einbruchsschäden an Türen und Fenstern. Für geklaute Gegenstände wird der Wiederbeschaffungspreis erstattet. Dieser muss nicht dem früheren Kaufpreis entsprechen. Ein Beispiel: Heute kostet ein Fernseher oft wesentlich weniger als ein technisch vergleichbares Gerät vor fünf Jahren. Sofern Hausrat durch den Einbruch beschädigt wurde, aber weiter genutzt werden kann, zahlt die Versicherung die schadensbedingte Wertminderung.

Vorlage Stehlgutliste vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen

Tag des Einbruchschutzes

"Flüchten und nicht provozieren" raten Experten: "Konfrontationen sollte man auf jeden Fall vermeiden", sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Opferhilfevereins Weisser Ring in Mainz.

Was sollte man nach diesem Anfangsschock machen?

Wenn es geht, verlässt man Haus oder Wohnung. Erst draußen wird die Polizei gerufen. Wer kein Handy dabei hat, klingelt bei den Nachbarn. Dort kann man die Polizei rufen und auch abwarten, bis die Beamten eintreffen. Kommt man nach Hause und sieht eine aufgebrochene Tür, geht man lieber nicht in die Wohnung. Denn der Einbrecher kann noch drin sein.

Was ist, wenn man nicht flüchten kann?

Eine Konfrontation sollte man auf jeden Fall vermeiden. Wenn möglich, schließt man sich in das Zimmer ein, in dem man gerade ist.

Angenommen, auch das hilft nicht und man begegnet dem Einbrecher. Was nun?

Keine Panik, nicht provozieren und keinesfalls tätlich werden. Die eigene Sicherheit hat Vorrang. Einbrecher gehen meist davon aus, dass niemand da ist. Treffen sie wider Erwarten jemanden an, flüchten sie in der Regel direkt. In so einem Fall sollte man nicht hinterher rennen. Das bringt einen nur in Gefahr. Man versucht besser, sich auffällige Merkmale einzuprägen. Eventuell auch den Dialekt oder das Fluchtfahrzeug, falls man das erkennt.

Wie verhält man sich, wenn der Einbrecher weg ist?

Am Tatort darf nichts verändert werden, damit die Polizei alle Spuren sichern kann. Manche haben den Reflex, direkt aufräumen zu wollen. Das geht erstmal nicht. Helfen kann man der Polizei mit genauen Auskünften über geklaute Gegenstände.

Nach einem Einbruch sind viele Menschen verunsichert. Wie findet man zur Normalität zurück?

Zunächst kann man sein Heim mit recht einfachen Mitteln einbruchssicherer machen. Dazu zählen abschließbare Fenstergriffe, Einbruchschutz am Fenster, Sperrbügel an der Haustür. Das steigert nach Einbrüchen die Sicherheit - gefühlt und faktisch.

Bei einigen Einbruchsopfern reichen solche Maßnahmen nicht aus. Sie leiden seelisch enorm. Was kann man dagegen tun?

Das ist eine normale Reaktion, denn es wurde in die intimste Privatsphäre eingedrungen. Hier kann der Gang zum Therapeuten helfen, mit dem man an den psychischen Belastungen arbeitet. Darunter leidet jedes fünfte bis sechste Einbruchsopfer. Jeder achte Betroffene zieht sogar um, weil sein Sicherheitsempfinden zu nachhaltig gestört ist.

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