Wilde Kerle: Manche Jungs finden lernen unmännlich

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Manche Jungs finden es uncool, sich im Unterricht zu melden. Dahinter kann ein falsches Männlichkeitsbild stecken. Foto: Mascha Brichta

Schlechte Noten und trotzdem richtig cool? Einige Jungs glauben, Fleiß und Strebsamkeit wären nur was für Mädchen. Doch oft schämen sie sich dann zu Hause für ihre Zensuren und sind gar nicht mehr so stolz auf die Sechs in Mathe. Was können Eltern tun?

Bielefeld (dpa/tmn) - Wenn Jungen nicht für die Schule lernen möchten, kann ein falsches Männlichkeitsbild dahinterstecken. "Auch in der Schule gibt es Geschlechterstereotypen", sagt Miguel Diaz vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit mit Blick auf den Girls' und Boys' Day am 23. April.

Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Jungen glauben, lernen ist unmännlich. "Wenn sie ohne Fleiß gut in der Schule sind, kann das zwar cool sein", erklärt Diaz. "Aber wer sich anstrengen muss oder sich im Unterricht oft meldet, wirkt in der Clique vielleicht wie ein Streber."

Einige Jungen geben sogar noch mit ihren schlechten Noten an. Bekommen sie für ihre Leistungen Ärger vom Lehrer, hat das eher etwas Rebellisches - und wirkt sehr männlich. Diaz rät Eltern, ihren Sohn direkt darauf anzusprechen und zu fragen, wie sich das anfühlt, wenn der Lehrer sie vor der ganzen Klasse zusammenfaltet. "Und selbst wenn das für die Jungs jetzt noch cool ist, sollten Eltern deutlich machen, dass für den Beruf die Noten wichtig sind", erklärt Diaz. Daher fragen sie das Kind am besten direkt, was es später aus seinem Leben machen möchte - und erklären, dass dieses Ziel mit schlechten Noten in weite Ferne rückt.

Oft verhalten sich Jungs zu Hause ganz anders als in der Schule: Ist der Tadel vom Lehrer unter den Mitschülern noch angesagt, schämen sich manche Jungs vor den Eltern dafür. "Hier zeigen die Eltern ihrem Sohn dann am besten, welche Nachteile sein Verhalten hat - ohne dabei allerdings den vermeintlichen Vorteil, den Jungen dabei innerhalb der Peer-Group einstreichen, zu tabuisieren", sagt Diaz. Das heißt, in der Familie soll ruhig offen darüber gesprochen werden, dass das negative Verhalten unter Freunden gut ankommt.

Außerdem warnt Diaz davor, Männlichkeit nur einseitig zu betrachten. "Es gibt nicht die eine Form von Männlichkeit, es gibt viele verschiedene." In der Schule wird häufig nur die des lauten und wilden Jungen bedient, der zum Beispiel im Sportunterricht besonders gut sein muss. Merken Eltern das, sollten sie auch das Gespräch mit dem Lehrer suchen.

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