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Urteil gefallen: Zwei Jahre Haft

Wie die Auseinandersetzung zwischen dem bayerischen Youtuber „Drachenlord“ und seinen „Hatern“ eskalierte

Prozess gegen Youtuber "Drachenlord"
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Der wegen Körperverletzung angeklagte Youtuber „Drachenlord“ ist zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Der fränkische Youtuber „Drachenlord“ ist wegen mehrerer Straftaten zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Es ist der vorläufige Höhepunkt in einem der größten Mobbing-Fälle in Deutschland.

  • Der Bayerische Youtuber „Drachenlord“ ist zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.
  • Der Streit zwischen dem Videoblogger und seinen Gegnern zog sich über Jahre.
  • Hass und Mobbing haben zu dem Urteil geführt.

Nürnberg - „Dieses Verfahren ist ein trauriges Beispiel dafür, welche Folgen Hass und Mobbing im Internet haben“, sagte die Richterin bei der Urteilsverkündung am Donnerstag in Nürnberg. Sie sah es als erwiesen an, dass der 32-Jährige unter anderem einen Mann mit einer Taschenlampe auf die Stirn geschlagen und verletzt hatte.  Einen anderen bewarf er mit einem Backstein. Außerdem hatte er Polizisten beleidigt. Zwei Jahre muss der Drachenlord“ (mit bürgerlichem Namen Rainer Winkler) jetzt hinter Gitter.

Teilnehmer einer Hass-Demo gegen den Youtuber „Drachenlord“ im August 2018.

Die Staatsanwältin hatte zuvor eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe aus den sieben Anklageschriften während des Prozesses gestanden und sich entschuldigt.

Es ist das Ende einer über Jahre hinweg drehenden Spirale aus Hass, Hetze und dem verzweifelten Versuch, sich gegen diese Anfeindungen zur Wehr zu setzen.

Dachenlord: So eskalierte der Streit

Ihren Anfang nimmt die Geschichte, an deren Ende der Schuldspruch steht, im Jahr 2013. In diesem Jahr beginnt Winkler unter dem Pseudonym „Drachenlord“ seine Karriere als Youtuber. Auf seinem Kanal veröffentlicht er Clips zu Themen wie Computer-Spiele und Musik. Dabei polarisiert Winkler stark, die Anzahl der Leute, die seine Videos verfolgen, wächst schnell. (Im Oktober 2021 folgen ihm gut 150.000 User). Aus den Kommentaren unter den Videos ist schnell ersichtlich, dass es sich dabei nicht um Fans handelt, sondern um Personen, die sich negativ über den „Drachenlord“ äußern, ihn beschimpfen und es lustig finden, wenn der wohl cholerisch veranlagte Franke ausflippt.

Eine neue Dimension erreicht die Auseinandersetzung 2014, als er, vollkommen in Rage, seine genaue Adresse bekannt gibt. In einem Video fordert er seine Gegner dazu auf, sich dort mit ihm zu treffen.

Und diese kommen. Und zwar in Scharen. Seitdem ist in dem bis dahin beschaulichen 40 Einwohner-Ort Altschauerberg in der Gemeinde Emskirchen nichts mehr wie es war. Immer wieder kommen Leute, die sich zu dem Wohnort von Winkler begeben, um das baufällige Wohnhaus des Youtubers mit Eiern, Flaschen und anderen Gegenständen zu bewerfen.

Vollkommen außer Kontrolle gerät der Konflikt im Jahr 2018, als die Hater des „Drachenlord“ im Netz zum „Sturm“ auf das Haus von Rainer Winkler aufrufen. Das Landratsamt Neustadt an der Aisch verabschiedet nur deshalb ein Versammlungsverbot für den Ort Altschauerberg. Das hilft allerdings nur wenig. Wie die Polizei später mitteilt finden sich 600 bis 800 Personen am Haus der Drachenlord ein. Die Aktion hat den Einsatz eines Großaufgebotes an Einsatzkräften zur Folge, die gegen hunderte Anwesende Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz einleitet.

Drachenlord Rainer Winkler attackiert „Hater“

Winkler nimmt den Trubel alles andere als gelassen. Immer wieder rastet er aus, im Mai 2018 attackiert er einen Hater an seinem Zaun mit Pfefferspray. Im Laufe der Zeit muss er sich mehrmals vor Gericht verantworten. Warum er seinen Youtube-Account nicht deaktiviert und von der Bildfläche verschwindet ist unklar.

Kritisiert wird Winkler von seinen Hatern wegen seiner Arroganz und wegen seiner provokativen Art. Auf die Anfeindungen reagiert er mit Ignoranz und Wut-Ausbrüchen.

In einer Analyse zum Thema Drachenlord fasst der Youtuber KaRe zusammen: „Selbstwert fehlt ihm dann bei dem Thema Frauen. Andererseits überkompensiert er das wieder und hält sich für den Allergeilsten. Das wiederum wirkt abschreckend, damit vergrault er wieder die Leute, die ihm eigentlich Geld bringen sollen, seine Zuschauer.“

Der Fall um den „Drachenlord“ zeigt, wie Cybermobbing seinen Weg in die Realität findet, wie Betroffene, egal wie provokativ sie sich geben, darunter zu leiden haben und wie die gegenseitigen Anfeindungen zu einem schier ewig währenden Strudel werden können, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Um den „Drachenlord“ scheint es nach der über Jahre hinweg andauernde Auseinandersetzung still zu werden. Das Haus in Altschauerberg hat der Youtuber nach Angaben seines Anwalts verkauft, zusätzlich muss er seine Haftstrafe verbüßen.

Der Streit sollte als warnendes Beispiel gelten, in welchen Abgrund Mobbing führen kann.

fgr/dpa

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