Ägypten droht Israel

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Ein 13-jähriges Opfer der israelischen Luftangriffe.

Kairo/Jerusalem - Die Spannungen zwischen Israel und Ägypten haben sich am Samstag weiter verschärft.

Der ägyptische Ministerpräsident Essam Scharaf hat Israel mit Konsequenzen wegen des Todes von fünf ägyptischen Grenzschützern an der gemeinsamen Grenze gedroht. “Das Blut der Ägypter ist zu wertvoll, als dass es ohne Antwort vergossen werden dürfte“, schrieb Scharaf in Facebook. Was vor der ägyptischen Revolution noch akzeptiert worden sei, könne nach der Revolution nicht mehr hingenommen werden, fügte der Politiker hinzu.

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Am Samstag rief die Regierung in Kairo bereits ihren Botschafter aus Israel zurück. Der Diplomat solle solange nicht auf seinen Posten zurückkehren, wie Israel sich nicht für den Tod der Grenzposten und voreilige Vorwürfe entschuldigt habe sowie das Ergebnis einer offiziellen Untersuchung der Umstände ihres Todes vorlägen.

Das reicht aber vielen Ägyptern nicht. “Wichtiger als der Rückzug des Botschafters aus Israel ist es, dass Ägypten eine Änderung eines Artikels des Friedensvertrages mit Israel fordert, der sein Recht beschränkt, auf dem Sinai Truppen zu unterhalten, die die ägyptische Grenze schützen“, sagte der Präsidentschaftsaspirant Ayman Nur der Nachrichtenagentur dpa.

In der Nacht zum Freitag waren nach Angaben des Innenministeriums in Kairo entlang der ägyptisch-israelischen Grenze fünf ägyptische Grenzwächter getötet worden. Als Todesursache nannte ein Sprecher “willkürliche Schüsse“, während israelische Sicherheitskräfte die Täter der blutigen Anschlagsserie vom Donnerstag im Süden Israels verfolgten. Überdies hatte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak Ägypten eine Mitschuld an den Anschlägen mit acht getöteten und 31 verletzten Israelis gegeben. “Die Angriffe sind ein Beweis für die mangelnde Kontrolle der Ägypter auf der Sinai-Halbinsel und das Erstarken terroristischer Gruppen dort“, hieß es in einer Erklärung des Verteidigungsministeriums.

Die Regierung in Kairo warf Israel vor, den Friedensvertrag von 1979 gebrochen zu haben. Außerdem will Ägypten weitere Truppen an die Grenze schicken, um auf “jegliche militärische Aktivität Israels zu antworten

Gleichzeitig setzte sich der militärische Schlagabtausch zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen fort. Bei einem neuerlichen Raketenangriff aus dem Gazastreifen wurden laut der Polizei am Samstag drei Menschen verletzt, zwei davon schwer. Die Verletzten seien Palästinenser, die sich illegal in Israel aufgehalten hätten, hieß es.

Keine Verurteilung im Weltsicherheitsrat

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte eine Sondersitzung des Weltsicherheitsrates. Der palästinensische Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York sei beauftragt worden, sich entsprechend einzusetzen, erfuhr dpa am Samstag aus palästinensischen Kreisen. Das ranghohe Fatah-Mitglied Nabil Schaath hatte zuvor von “Kriegsverbrechen“ der Israelis im Gazastreifen gesprochen.

Eine Verurteilung der Anschläge mit acht Toten durch den Weltsicherheitsrat scheiterte am Freitag am Widerstand des Libanons. Die USA hatten einen Entwurf für eine entsprechende Erklärung eingebracht. Der Vertreter des Libanons habe das Dokument nicht unterzeichnen wollen, erklärten Diplomaten. Notwendig wäre die Zustimmung aller 15 Ratsmitglieder gewesen.

Der palästinensische UN-Beobachter Rijad Mansur erklärte, auch die Vergeltungsangriffe Israels im Gazastreifen müssten verurteilt werden. Der israelische UN-Botschafter Ron Prosor erklärte, dass keine gemeinsame Erklärung zustande gekommen sei, zeige erneut, “dass die Vereinten Nationen zu oft taub und blind sind, wenn gegen die Bevölkerung Israels Terrorakte verübt werden“.

Die Regierung in Jerusalem hat für die Anschlagsserie Extremisten aus dem Gazastreifen verantwortlich gemacht, die über Ägypten ins Land gelangt sein sollen.

Krisensitzung der Arabischen Liga

Die Arabische Liga hat wegen der israelischen Luftangriffe auf den Gaza-Streifen für diesen Sonntag eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Dazu werden die Ständigen Vertreter der 22 Mitgliedsländer in Kairo erwartet, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen am Samstag.

dapd/dpa

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