Aufatmen in Italien und Griechenland

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Mario Monti könnte in Italien übergangsweise Regierungschef werden.

Rom - Die Aussicht auf den langjährigen EU-Kommissar Mario Monti als italienischen Übergangsregierungschef hat die nervösen Marktteilnehmer beruhigt. Auch in Griechenland kehrt allmählich Ruhe ein.

Nachdem die Renditen italienischer Staatsanleihen am Vortag deutlich über die psychologisch wichtige Marke von sieben Prozent geklettert waren, pendelten sie sich am Donnerstag bei 6,94 Prozent ein. Wie in Griechenland, wo der Ökonom Lucas Papademos zum Interims-Regierungschef ernannt wurde, gilt Monti als Finanzexperte, der das Land aus der Krise führen könnte.

Der italienische Präsident Giorgio Napolitano hatte Monti am Mittwochabend überraschend zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Personen, denen die Auszeichnung Senator auf Lebenszeit zuteil wird, verfügen über Wahlrechte im Senat. Und so wurde der Schritt als eindeutiges Indiz dafür gewertet, dass der 68-Jährige bald Nachfolger des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wird. “Ich wünsche Ihnen erfolgreiche Arbeit im Interesse des Landes“, beglückwünschte Berlusconi den Wirtschaftswissenschaftler in einem Telegramm zu dem Senatorenposten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte gesagt, es sei wichtig, dass Italien seine Glaubwürdigkeit zurückgewinne und die Führungsfrage alsbald geklärt werde.

EFSM, EFSF oder ESM: Das bedeuten die Kürzel der Finanzkrise

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Dass eine Lösung nach Ansicht der Marktteilnehmer kurz bevorsteht, zeigte der Verkauf zwölfmonatiger Staatsanleihen am Donnerstag: Das schuldengeplagte Land erlöste damit fünf Milliarden Euro - und das zu einem niedrigeren Zinssatz als erwartet. Die Anleger verlangten bei der Auktion von Italien 6,087 Prozent Zinsen. Das ist zwar ein deutlicher Anstieg gegenüber den 3,57 Prozent bei einer Auktion im Oktober, aber auch klar unter den von Analysten erwarteten sieben Prozent. Die Auktion war fast doppelt überzeichnet.

Der Zins für zehnjährige italienische Anleihen hatte am Mittwochnachmittag bei fast 7,5 Prozent gelegen. Damit lag er über dem Renditeniveau, bei dem Griechenland, Irland und Portugal unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen mussten.

Ex-Banker Papademos wird neuer Regierungschef in Griechenland

Auch in Griechenland kehrte am Donnerstag mit der Wahl von Lukas Papademos zum griechischen Ministerpräsidenten Ruhe ein. Seine Wahl zum Ministerpräsidenten einer Athener Übergangsregierung gilt als Ausdruck des Willens der Griechen, den Euro zu behalten. “Wir wollen vor allem, dass auch die sehr, sehr harten Reformbemühungen für ein besseres, effizienteres und konsolidierteres Griechenland auf möglichst breiten politischen Schultern stehen“, sagte Merkel am Donnerstag.

Dem 64-jährigen ehemaligen Vize-Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) wird von Experten wie dem Chef des Münchner Wirtschaftsinstituts ifo, Hans-Werner Sinn, großes wirtschaftspolitisches Verständnis bescheinigt. Bis Mitte vergangenen Jahres war Papademos in Frankfurt am Main. Anschließend lehrte er als Professor in den USA. Bei der Euro-Einführung 1999 stand Papademos an der Spitze der griechischen Zentralbank. Es ist jedoch unklar, ob er in dieser Funktion von den gefälschten Zahlen wusste, durch die Griechenlands Beitritt zum Euro überhaupt erst möglich wurde.

Parlament in Portugal debattiert über neue Sparmaßnahmen

In Portugal wurde unterdessen über weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise debattiert. Am Donnerstag kamen die Abgeordneten zusammen, um Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen für den Haushalt 2012 zu besprechen. Portugal muss im Gegenzug für Finanzhilfen in Höhe von 78 Milliarden Euro Maßnahmen zur Haushaltssanierung und Wirtschaftsreformen umsetzen. Die konservative Regierung verfügt über genug Stimmen, um ihre Vorhaben bei einer Abstimmung am 30. November durchs Parlament zu bringen. Zudem haben die oppositionellen Sozialisten den Auflagen im Gegenzug für die Finanzspritze zugestimmt.

Einen Spielraum bei der Umsetzung des Haushaltsprogramms gebe es nicht, sagte Ministerpräsident Pedro Passos Coelho im Parlament. Er will die Staatsausgaben bis 2014 von derzeit 50,6 auf 43 Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken.

dapd

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