Nächster Anlauf

Bayern will neues Anti-Doping-Gesetz

München - Testosteron, Viagra und Bräunungsmittel - all das befindet sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Medizinschrank von dopenden Bodybuildern. Immer mehr von ihnen werden verurteilt - Spitzensportler aber kommen meistens davon.

Bayern will im Kampf gegen Doping im Spitzensport noch mal Anlauf nehmen. Justizminister Winfried Bausback (CSU) stellte am Montag in München den Entwurf für ein neues Sportschutzgesetz vor. Nach dem Willen des Ministers soll künftig jeder Besitz von Dopingmitteln strafbar sein, außerdem soll der Straftatbestand des Sportbetruges in das Gesetz aufgenommen werden. „Doping im Spitzensport können wir mit unseren derzeitigen Mitteln nicht bekämpfen“, sagte Bausback. „Hier sind uns die Hände gebunden.“ 784 Doping-Fälle waren im vergangenen Jahr bei der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft anhängig. Zum Vergleich: 2009 waren es nur 171.

Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Jahren nach Angaben der Staatsanwaltschaft 408 Verurteilungen ausgesprochen - keine davon im Spitzensport. „Den Spitzensport erreichen wir mit unseren Gesetzen nicht“, mahnte Bausback. „Hier ist ein weißer Fleck.“

Oft würden Bodybuilder überführt, die ein ganzes Arsenal an künstlichem Testosteron besitzen. Zusätzlich zu diesen potenzstörenden Steroiden benötigten sie dann noch Viagra und Antiöstrogene, um die Nebenwirkungen zu lindern. Oft würden auch Bräunungsmittel in den Medizinschränken gefunden, sagte Oberstaatsanwalt Kai Gräber. „Das rundet das Repertoire eines Bodybuilders ab.“

Schon 2006 hatte Bayern eine entsprechende Gesetzesinitiative in den Bundesrat eingebracht, 2012 stellte Bausbacks Vorgängerin Beate Merk (CSU) einen ganz ähnlichen Vorstoß vor. Geschehen ist bislang dennoch nichts. Bausback erhofft sich nun unter der neuen großen Koalition größere Chancen für die Initiative. Schließlich sei die uneingeschränkte Strafbarkeit jedes Besitzes von Dopingmitteln im Berliner Koalitionsvertrag festgeschrieben.

dpa

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