CSU-Politiker entschied Stichwahl für sich

Aiblings neuer Bürgermeister im Interview: Diese Ziele hat Stephan Schlier

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Stephan Schlier wurde zum neuen Bürgermeister von Bad Aibling gewählt

Bad Aibling - Hochspannung herrschte bei der Auszählung der Stichwahl in Bad Aibling. Es hätte fast nicht knapper ausgehen können. Stephan Schlier hat letzten Endes das Rathaus für die CSU verteidigt. Der neue Rathauschef im Interview:

Am Sonntagabend hat sich bei der Bürgermeisterstichwahl in Bad Aibling ein echter Wahlkrimi zugetragen, mit dem besseren Ausgang für Stephan Schlier (CSU). Er liegt am Ende der Auszählung mit 51,2 Prozent vor Martina Thalmayr von den Grünen, die 48,8 Prozent der Stimmen erreichte.


Stephan Schlier im Interview:

rosenheim24.de: Wie haben Sie die Wahl gestern erlebt und wo haben Sie den Wahlabend verbracht?

Schlier: Der Wahlabend war hochspannend und ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen mit meiner Mitbewerberin in der Stichwahl. Der Ausgang der Wahl war für uns völlig offen. Diese Vermutung hat sich bestätigt. Zum einen gab es keinerlei Erfahrungswert mit einer reinen Briefwahl. Noch nie wurde eine Wahl auf diesem Weg durchgeführt. Zum anderen wurden alle Themen, die während des Wahlkampfes diskutiert wurden, völlig zurecht in den Hintergrund gedrängt und vom alles bestimmenden Thema des Corona-Virus abgelöst. Wem hier die Bad Aiblinger am ehesten zutrauen, die Stadt durch diese Krise zu führen, war für die Stichwahl die entscheidende Frage. Weiter war unklar, ob die teilweise gemachten Wahlempfehlungen eine Auswirkung haben würde. 


Die Auszählung habe ich bedingt durch die Ausgangsbeschränkungen von daheim aus am Rechner verfolgt. Mit einem Teil meines Teams, speziell mit den beiden CSU-Ortsvorsitzenden Dr. Thomas Geppert und Markus Stigloher, war ich über WhatsApp-Videochat verbunden.

rosenheim24.de: Welche Lücke hinterlassen Sie in Ihrem aktuellen Beruf und wie ist die Nachfolge geregelt?

Schlier: In der Kanzlei Baumgartner & Nixdorf bin ich in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt, welches ich nun zum 30. April – rechtzeitig zum Amtsantritt im Mai – gekündigt habe. Noch vor meiner Aufstellung zum Bürgermeisterkandidaten habe ich die beiden Kanzleiinhaberinnen über die geplante Kandidatur informiert. Für die Kanzlei und meine Kollegen bestand so die Möglichkeit, sich auf meinen Weggang im Fall der Wahl vorzubereiten. Die von mir betreuten Mandanten wurden zwischenzeitlich bereits informiert, dass sich der Ansprechpartner ändern wird. Die Kanzlei wird, davon gehe ich aus, anstelle von mir einen neuen Mitarbeiter suchen. Die lückenlose Betreuung der Mandanten durch meine Kollegen ist sichergestellt.

rosenheim24.de: Welche Herausforderungen gibt es durch das Coronavirus in Bad Aibling und was können Sie als Bürgermeister machen?

Schlier: Unser Land und unser Bad Aibling stehen in einer schwierigen Zeit. Das Corona-Virus ist eine große gesundheitliche Gefahr für uns Menschen. Wir müssen alle zusammenhalten, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Jeder Einzelne, und wir als Gemeinschaft. Miteinander – Füreinander. Das ist jetzt des Wichtigste! Zusammenzuhalten und daheim zu bleiben ist deshalb das Gebot der Stunde. Gesund zu bleiben ist das Wichtigste. Jeder Einzelne kann etwas tun, in dem er sich an die Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung hält. Damit schützen wir uns, damit schützen wir andere. Was die Gesundheitsversorgung angeht tuen die Bayerische Staatsregierung, der Landkreis Rosenheim und die RoMed-Kliniken alles, um ihrem Auftrag gerecht zu werden.

Der Virus ist aber auch eine Gefahr für unsere Wirtschaft und unsere Arbeitsplätze. Die Gastronomie, die Hotellerie, die Einzelhändler, die Handwerker, die Mittelständler, die Bauern, die Betriebe - alle stehen vor einer neuen Situation. Und das ist keine leichte Situation. Wir werden wirtschaftlich schwierige Zeiten erleben. Das ist leider jetzt schon klar. Bundesregierung und Bayerische Staatsregierung machen alles, was in ihrer Kraft steht, um zu helfen, zu überbrücken, durchzuhalten. Das können und das müssen wir als Bad Aibling auch. Mit Verantwortung, mit Stabilität und mit dem nötigen Wissen. Wir brauchen jetzt keine Flausen im Kopf, wir müssen uns jetzt aufs Wesentliche und aufs Machbare konzentrieren. Wir brauchen Sicherheit. Dafür können wir alle was tun.

Als Bürgermeister will ich mein Sofortprogramm umsetzen, welches ich vergangene Woche vorgestellt habe. Viele Ansätze wurden zwischenzeitlich bereits aufgegriffen. Felix Schwaller ist zudem in engem Austausch mit unserem Einzelhandel, unseren Hoteliers und unserer Gastronomie. Zum Sofortprogramm zählen insbesondere:

  • Hilfsfond für Härtefälle für in Not geratene kleinere Betriebe und Geschäfte sowie für in Not geratene Bürger
  • Großzügiger Umgang bei Anträgen auf Stundung von Steuerzahlungen, etwa bei der Gewerbesteuer
  • Koordinationsstelle bei der Stadt Bad Aibling schaffen, um die vielen Initiativen zu bündeln, welche ältere Menschen und Menschen mir Vorerkrankungen mit Lebensmitteln und Dingen des alltäglichen Bedarfs versorgen
  • Task-Force Gruppe aus den Bereichen Gesundheit, Polizei, Stadtverwaltung zusammenstellen, um Maßnahmen vorzubereiten und v.a. die Bad Aiblinger über Änderungen zu informieren
  • Nach der Krise: gezielte Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung, insbesondere ein Sonderwerbeprogramm für die Therme und Bad Aibling als Tourismusstandort, aber auch kleinere Maßnahmen wie etwa das Aussetzen von Sondernutzungsgebühren für Außengastronomie

Die Lage ändert sich laufend. Ich bin mir sicher, dass noch einige Punkte ergänzend hinzukommen.

rosenheim24.de: Welches Thema abseits von Corona ist das, was Sie als erstes in Bad Aibling anpacken werden?

Schlier: Nach der 18-jährigen Erfolgsgeschichte mit Bürgermeister Felix Schwaller will ich als neuer Bürgermeister ein neues Kapitel aufschlagen und eine Reihe von Ideen umsetzen. Ganz vorne steht die Schaffung von Wohnraum. Ich will für Einheimische das Bauen erleichtern, zeitgemäße Wohnformen voranbringen und das „Aiblinger Modell“ – vergünstigten Wohnraum für Einheimische – konsequent fortführen.

rosenheim24.de: Was schätzen Sie an Ihrem Vorgänger Felix Schwaller?

Schlier: Sein großes Fach- und Detailwissen, seinen ungeheuren Fleiß und dass er sich ohne wenn und aber und mit maximalem Einsatz über Jahrzehnte in den Dienst der Bürger und der Stadt Bad Aibling gestellt hat. 

Felix Schwaller ist mit seiner 18-jährigen Amtszeit und seiner Zeit zuvor als Zweiter Bürgermeister das Gesicht Bad Aiblings. Er hat Bad Aibling in seiner drei Amtszeiten nach vorne gebracht wie kein anderer vor ihm: Bau der Therme Bad Aibling, Beilegung des Kurhausrechtsstreites, Neubau des Rathauses und der Stadtverwaltung, Einstiegskonzept Verkehr, Umbau Innenstadt, Hochwasserschutz, … Er ist Macher und trotzdem ganz nah bei den Menschen. Freie Abende sind für ihn ein Fremdwort. Bürgermeister war für ihn kein Job sondern sein Leben.

rosenheim24.de: Wie werden Sie die Zeit bis zum offiziellen Amtsantritt am 1. Mai verbringen?

Schlier: Die Zeit des Wahlkampfes ist vorbei. Jetzt gilt es, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um das Beste für Bad Aibling zu erreichen. Bis zum Amtsantritt gibt es viel vorzubereiten. Die Zeit will ich dafür intensiv nutzen und viele Gespräche führen – mit den Stadtratskollegen und speziell den Fraktionsvorsitzenden und natürlich mit der Verwaltung. Es geht ums Kennenlernen, um das Abstecken der aktuellen Themen, um eine neue Geschäftsordnung des Stadtrates, um Ausschussbesetzungen und vieles mehr.

jb

Quelle: mangfall24.de

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