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Staatsbesuch

Gauck besucht Gandhi - und mahnt die Inder

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Bundespräsident Joachim Gauck (r) wird am Mittwoch in Neu Delhi in Indien vom Premierminister Manmohan Singh  empfangen.

Neu Delhi - Gratwanderung für Gauck: Indien ist mächtig und bedeutend, aber es hat große Defizite. Der Bundespräsident versucht bei seinem Staatsbesuch auch Probleme anzusprechen.

Auch Joachim Gauck erweist dem Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi seine Reverenz, so wie es die meisten Staatsgäste als ihre Pflicht betrachten beim Besuch von Indiens Hauptstadt. Nachdem der Bundespräsident und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt in Neu Delhi einen Kranz an dem Ort niedergelegt haben, an dem Gandhi nach seiner Ermordung eingeäschert worden ist, kommt die Delegation an einer Gedenktafel vorbei. „Die sieben sozialen Sünden“ sind dort aufgelistet, von Gandhi schon 1925 formuliert.

„Geschäft ohne Moral“, heißt eine der Sünden, „Reichtum ohne Arbeit“ und „Genuss ohne Gewissen“ sind zwei andere. Gauck lächelt ein wenig, und eilt davon. Die Schuhe hat er sich längst wieder angezogen, die er beim Betreten der Erinnerungsstätte ablegen musste. Mit Ministerpräsident Manmohan Singh spricht er dann auch schwierige Themen an, die Rolle der Frauen und die Rechte der Homosexuellen. „Das musste ich natürlich tun“, sagt Gauck später, auch mit Verweis auf die Aufmerksamkeit der Medien in Deutschland, die durch Berichte über brutale Vergewaltigungen aufgerüttelt sind.

„Je freundschaftlicher und offener man miteinander umgeht, desto leichter kann man auch kritische Fragen stellen“, sagt Gauck zu seiner Gesprächsstrategie. Später, beim feierlichen Staatsbankett am Abend, spricht Gauck auch ein anderes heikles Thema an: die Todesstrafe.

Darüber ist in Indien eine Diskussion entbrannt, seit nach langer Pause vor einem Jahr wieder zwei Menschen hingerichtet wurden. Das Verfassungsgericht des Landes entschied im Januar, dass Todesstrafen bei „unzumutbaren, unangemessenen und langwierigen Verzögerungen“ in lebenslange Haftstrafen umgewandelt werden sollten. Dennoch bat die Regierung das Gericht nun, doch bitte die Strafe der Mörder von Ex-Premierminister Rajiv Gandhi nicht anzutasten. Rajiv Gandhi wurde 1991 getötet, seine Mörder sitzen in der Todeszelle.

Bundespräsident Gauck in Indien

Bundespräsident Gauck in Indien

Eines will Gauck nicht: „Auftreten als der Lehrer, der alles weiß, das wäre eine peinliche Rolle“, sagt er. Und immer wieder verweist er darauf, dass kritische Debatten in der indischen Gesellschaft längst geführt werden. Heftig wird in den Medien darüber diskutiert, dass in Indien 700 Millionen Menschen in bitterer Armut leben, und Korruption und Bürokratie die Entwicklung behindern.

Die „größte Demokratie der Welt“ hat massiven Reformbedarf, die politische Klasse zeigt sich aber unfähig dazu. Deswegen bekommt sie derzeit Druck von unten durch eine neue Graswurzelpartei. Die „Partei des einfachen Mannes“ (AAP) hat großen Zulauf. Am Donnerstag trifft der Bundespräsident voraussichtlich den Vorsitzenden der AAP, Arvind Kejriwal, den Ministerpräsidenten des Stadtstaates Delhi. Das Gespräch sei Gauck wichtig, heißt es.

Bei den Wahlen im April und Mai dürfte die AAP aber wohl nicht gewinnen. Erwartet wird zwar ein Regierungswechsel - aber keine neue Politik. Die Autoren Georg Blume und Christoph Hein schreiben in ihrem neuen Buch „Indiens verdrängte Wahrheit“ von einem Versagen der Eliten. Vertrauen und Anerkennung der internationalen Partner seien nicht gerechtfertigt.

Doch die strategische und wirtschaftliche Bedeutung des Landes lassen ausländische Besucher oft verstummen. Gauck, der gerade eine aktivere Rolle Deutschlands in der Weltpolitik gefordert hat, bewegt sich hier auf schmalem Grad. Die Inder sind ein streit- und debattenfreudiges Volk, aber Belehrungen von außen mögen sie nicht.

Mahatma Gandhi sei, so sagt der Bundespräsident in einem Interview des „Indian Express“, auch Vorbild der friedlichen Revolution in der DDR gewesen. Und er erinnert daran, dass er Gandhi in seiner Rede nach der Vereidigung im Bundestag vor knapp zwei Jahren sogar zitiert hat. Vermutlich kannte Gauck damals schon den Katalog der sieben sozialen Sünden. „Politik ohne Prinzipien“ heißt die erste. Probleme und Defizite offen benennen, auch bei Freunden, wäre ein Gegenmittel.

dpa

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