Rückkehr nach Deutschland

Carola Rackete: "Sea Watch"-Kapitänin hat Italien verlassen - Salvini mit üblen Worten

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Carola Rackete (r.), deutsche Kapitänin der "Sea-Watch 3", spricht nach ihrer Anhörung mit der Sea-Watch-Sprecherin Giorgia Linardi. Foto: Pasquale Claudio Montana Lampo/ANSA/AP

Kapitänin Carola Rackete gehört nach Angaben ihres Anwalts nicht mehr zur aktuellen Crew des Rettungsschiffs "Sea-Watch 3".

Update vom 19. Juli 2019: Die deutsche Kapitänin Carola Rackete hat Italien nach Angaben von Sea-Watch verlassen. Eine Sprecherin der Hilfsorganisation sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag, Rackete sei ihres Wissens nach Deutschland aufgebrochen und würde dann woanders hinfahren. Nähere Angaben machte die Sprecherin dazu nicht.

Die 31-Jährige aus Niedersachsen war mit dem Schiff „Sea-Watch 3“ mit Dutzenden Migranten an Bord unerlaubt in italienische Gewässer und den Hafen von Lampedusa gefahren. Gegen sie wird in Italien unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt. Am Donnerstag hatte Rackete sich noch einmal den Fragen der Staatsanwaltschaft gestellt.

Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini erklärte am Freitag, er könne es nicht erwarten, „diese verwöhnte deutsche Kommunistin auszuweisen und sie nach Hause zu schicken“. Rackete hat gegen Salvini wegen Beleidigungen im Netz eine Verleumdungsklage am Laufen. Unterdessen hat das Kreuzfahrschiff „Marella Discovery“ 111 Migranten aufgenommen, die mit einem Boot nach Italien zu gelangen versuchten.

Erstmeldung: Carola Rackete nicht mehr Teil der Sea-Watch-Crew

Rom - "Carola ist nicht mehr Mitglied der derzeitigen Besatzung der Sea-Watch, sie macht jetzt also etwas anderes", sagte ihr Anwalt Alessandro Gamberini am Donnerstag nach der Vernehmung Racketes durch die Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigent. 

"In ihrem Leben hat sie nicht nur die Kapitänin der Sea-Watch gemacht, sondern ganz viel anderes." Auf die Frage, ob sie nach Deutschland zurückkehren würde, sagte Rackete selbst: "Ja".

Anwalt: Rackete ist nicht mehr Teil der Sea-Watch-Crew

Generell ist es normal, dass die Seenotretter ihre Crew nach Einsätzen austauschen. Die "Sea-Watch 3" liegt zudem derzeit in Sizilien an der Kette und kann nicht ausfahren.

Die 31-Jährige aus Niedersachsen war Ende Juni mit Dutzenden Migranten an Bord ohne Erlaubnis der Regierung in Rom in italienische Gewässer und in den Hafen von Lampedusa gefahren. 

Carola Rackete kommt mit ihrem Anwalt zu einer Anhörung durch die Staatsanwaltschaft. Foto: Pasquale Claudio Montana Lampo/ANSA/AP

Dabei hatte sie ein Schiff der Finanzpolizei, die zu den Streitkräften gehört, gestreift. Sie wurde festgenommen und unter Hausarrest gestellt - anschließend aber wieder freigelassen.

Sea-Watch-Kapitänin Rackete appelliert nach Anhörung in Sizilien an die EU

Carola Rackete selbst appellierte nach der Anhörung erneut an die EU: Alle europäischen Länder müssten "künftig gemeinsam daran arbeiten, alle von der zivilen Flotte geretteten Menschen aufzunehmen", sagte Rackete am Donnerstag. Die italienische Staatsanwaltschaft wirft der 31-Jährigen Beihilfe zur illegalen Einwanderung vor sowie das Eindringen in italienische Gewässer trotz eines offiziellen Verbots.

Die Anhörung der Sea-Watch-Kapitänin in der Stadt Agrigent war von einem großen Medienrummel begleitet. "Ich bin sehr froh, die Gelegenheit bekommen zu haben, die Umstände der von uns am 12. Juni durchgeführten Rettung im Detail zu schildern", sagte Rackete beim Verlassen des Justizpalastes.

Mit Blick nach Brüssel fügte sie an: "Ich hoffe wirklich, dass die nun vom Parlament gewählte Europäische Kommission ihr Bestes tun wird, um die Wiederholung einer solchen Situation zu verhindern."

EU-Treffen: Kein Durchbruch im Streit um Seenotrettung im Mittelmeer

Derweil haben Deutschland und Frankreich bei einem EU-Treffen in Helsinki erfolglos versucht, eine europäische Übergangsregelung zur Verteilung von im Mittelmeer geretteten Migranten auf den Weg zu bringen. Die Verhandlungen mit anderen EU-Staaten werden nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer nun in den kommenden Wochen fortgesetzt. In der ersten Septemberwoche soll es dann noch einmal ein Sondertreffen auf Malta geben.

Seehofer zeigte sich mit dem Verlauf der Verhandlungen trotz der ausgebliebenen Einigung zufrieden. „Ich denke, wir sind bei den sehr divergierenden Positionen am Ausgang der Diskussion jetzt doch einen wesentlichen Schritt weitergekommen“, sagte er. Er sei „ziemlich zuversichtlich“, dass man Anfang September zu einer Einigung kommen könne. Im Idealfall würde sich dann ein gutes Dutzend Staaten freiwillig an dem „kontrollierten Notfallverfahren“ für aus Seenot gerettete Menschen beteiligen.

Das Kreuzfahrschiff „Marella Discovery“ hat vor der griechischen Halbinsel Peloponnes 111 Migranten aufgenommen, die mit einem Boot nach Italien zu gelangen versuchten.

dpa

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