Coronavirus-Debatte

Anne Will: Söder erklärt die „einzige Möglichkeit“ - Ärztin fürchtet „Kollaps in wenigen Wochen“ 

Die Ärztin Bernadett Erdmann am Sonntagabend bei „Anne Will“.
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Die Ärztin Bernadett Erdmann am Sonntagabend bei „Anne Will“.

Bei „Anne Will“ werden am Sonntag die jüngsten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus diskutiert. Der Talk birgt Konfliktpotenzial.

  • Auch im TV-Talk von Anne Will am Sonntagabend ist die Corona-Krise das Thema.
  • Es treffen unter anderem Kanzleramtschef Helge Braun und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder aufeinander.
  • Auch ein Kritiker einiger aktueller Regelungen und Planungen sitzt mit in der Runde.

Update 22.50 Uhr: Teils alarmierende Aussichten hat der Coronavirus-Talk am Sonntagabend bei „Anne Will“ im Ersten erbracht - sowohl aus dem Munde der teilnehmenden Politiker wie vonseiten der Experten im Studio.

Besonders beunruhigt äußerte sich die Chefärztin der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Wolfsburg, Bernadett Erdmann. Die Medizinerin hat Einblick in die aktuellen Abläufe im Krankenhausalltag und warnte: „Ich befürchte, dass diese Entscheidung zu spät gekommen ist“, erklärte sie mit Blick auf die frisch für die ganze Republik erlassenen Kontaktverbote.


Anne Will: Beunruhigende Prognosen zur Corona-Krise - „Kollaps“ in wenigen Wochen?

„Ich befürchte, dass wir in wenigen Wochen vor einem Kollaps stehen“, sagte die Ärztin einige Minuten weiter in die Sendung hinein. „Wenn die Zahlen so steigen, wie von den Epidemiologen und Virologen vorhergesagt, dann werden wir das nicht schultern können.“ Es mangele an Schutzausrüstung und an Personal.

Video: Kollaps im Tessin schon Wirklichkeit?

Zugleich erklärte Erdmann, die Ausgangsbeschränkungen ließen sich aus ihrer Sicht „über 18 Monate nicht durchhalten, so wie das jetzt ist und ich denke, die Menschen werden das auch nicht tolerieren“. Genau diese hatten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) als derzeit einzig gangbare Gegenmittel herausgestellt.

Bei Anne Will (ARD): Söder verteidigt Ausgangsbeschränkung - und empfiehlt „Hoffen und Beten“

„Die einzige Empfehlung, die wir von den Experten bekommen, die einzige Möglichkeit derzeit, überhaupt etwas zu tun, ist diese Art von Kontaktbeschränkung“, erklärte Söder. Entscheidend sei nun, inwieweit die Bevölkerung mitziehe. Die Politik in Deutschland konzentriere sich jedenfalls „zu einhundert Prozent“, so sei sein Eindruck, „auf diese Aufgabe“ betonte der CSU-Chef.

In eine schreckliche Lage wie Italien, „wo Ärzte entscheiden müssen, wer kann leben und wer nicht“, dürfe Deutschland nicht kommen, warnte Söder. Nachdenklich könnte gleichwohl der Nachsatz des Ministerpräsidenten stimmen. Abgesehen von den Kontaktbeschränkungen bleibe vor allem „zu hoffen - und wer gläubig ist, auch zu beten - dass es Deutschland nicht so schwer trifft.“

Coronavirus Thema beim ARD-Talk: Keine Prognose über Dauer der Einschränkungen - Braun will Entwicklung abwarten

Wie lange die Einschränkungen für die Bevölkerung in Kraft bleiben werden, dazu wollten weder Söder noch Braun eine klare Prognose abgeben. „Das ist etwas, das kann man nur begrenzt machen“, betonte Braun. 

„Seriös sagen, wie geht das jetzt weiter“, könne man erst, wenn klar sei, was die Kontaktreduzierung jetzt bringt; konkret nach „einem Nachlauf von zehn bis vierzehn Tagen. Dann wissen wir in der Ableitung, wie gefordert wird unser Gesundheitssystem sein. Wie weit werden wir mit dem Ziel sein, die Kapazitäten zu erhöhen.“ Diese „zwei, drei Wochen zur Einschätzung“ müsse man sich nun zugestehen.

Virologin bei „Anne Will“: „In anderen Bundesländern wird das jetzt losgehen“

Die Virologin Melanie Brinkmann stimmte auf entscheidende Wochen ein: „Wir werden Erfolge sehen, durch diese Kontaktreduzierung“, erklärte sie. Wie es weiter geht, werde regional unterschiedlich sein. In ihrem Bundesland Niedersachsen gebe es etwa noch niedrige Zahlen. „Aber in anderen Bundesländern wird das jetzt losgehen“. 

Ansonsten betonte die Runde die Bedeutung von Einigkeit in der aktuellen Lage. Zerstritten sei man nach den unterschiedlichen Entscheidungen in Bayern und im Bund „gar nicht“ erklärte Braun. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedlerzeigte sich vorerst zufrieden. Die neuen Regelungen zur Kontaktbeschränkung seien ein großer Fortschritt. „Das ist eine simple und für jeden verständliche Regelung. Wir sollten es dabei belassen und den Konsens jetzt auch betonen.“ 

Braun äußerte sich in der Sendung auch zu den Hintergründen der Coronavirus-Quarantäne von Kanzlerin Angela Merkel. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht im Talk von Frank Plasberg kein baldiges Ende der Krise.

Vorbericht: Corona-Talk mit Konfliktpotenzial bei Anne Will im Ersten

Anne Will talkt am Sonntagabend über die weiteren Aussichten in der Corona-Krise.

Berlin - Am Thema Corona kommt auch Anne Will bei ihrem sonntäglichen Polit-Talk nicht vorbei. „Deutschland im Ausnahmezustand – gewinnen wir den Kampf gegen das Coronavirus?“ lautet das Thema am Sonntag (22. März) ab 22.00 Uhr im Ersten.

Die Runde dürfte einmal mehr für die mittlerweile an der Tagesordnung befindlichen Warnungen aus Experten-Munde taugen. Aber auch für etwas politischen Sprengstoff. 

Anne Will im Ersten zur Coronakrise: Söder trifft auf Kanzleramtschef Braun - zu heiklem Zeitpunkt 

Denn Will hat nicht nur Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) geladen. Sondern mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) und vor allem seinem bayerischen Amtskollegen Markus Söder (CSU) auch zwei Politiker, die in ihren Bundesländern von der seit Sonntag eigentlich weitgehend vereinheitlichten Marschroute des „Kontaktverbots“ abweichen.

Durchaus denkbar, dass neben Verständnisbekundungen aus Angela Merkels Hause für den Sonderfall der grenz- und risikogebietsnahen Bundesländern auch ein paar Meinungsverschiedenheiten laut werden. Gerade aus Bayern war noch wenige Stunden vor der Sendung das Abweichen vom kurz zuvor von Merkels verkündeten Kurs betont worden.

Anne Will (ARD): Wie geht es mit dem Coronavirus weiter - Virologin und Chefärztin in der Runde

An Experten bietet das Talk-Flaggschiff der ARD eine Virologin, eine Ärztin in gehobenem Posten und einen Kriminalpolizisten auf: Dabei sind die Virologie-Professorin Melanie Brinkmann von der Technischen Universität Braunschweig, die Chefärztin der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Wolfsburg, Bernadett Erdmann, und der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler.

Fiedler hatte bereits Anfang der Woche die Schließung mehrerer Grenzen kritisiert. Auch vor strikten Ausgangsbeschränken hatte der BDK in Person Fiedlers zuletzt gewarnt. Auch an dieser Stelle gibt es also Raum für Kontroversen. 

Den gab es auch bei ARD-Kollegin Sandra Maischberger. In ihrer Talk-Runde war Reiner Calmund einfach nicht mehr zu bremsen. Wütet, plauderte und sinnierte über die Corona-Krise in der Bundesliga, ohne dass ihn jemand aufhalten konnte.

Corona-Talk bei Anne Will: Neue Infos über Angela Merkels Quarantäne?

Mit Spannung dürften die Zuhörer aber auch auf neue Informationen von Brauns Seite warten: Die Kanzlerin befindet sich seit Sonntagabend in Quarantäne, wie unter anderem Merkur.de* berichtete.

Die Corona-Krise hat auch politische Folgen: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sorgt für Neustart bei der Union*. Auch der Epidemiologe Gérard Krause war unterdessen beim Talk von Anne Will zu Gast.

Die Corona-Krise hat Deutschland im Griff - und ist Thema beim Talk von Anne Will (ARD). Es geht um die Frage, wie es weitergeht - unter anderem mit Peter Altmaier.

Was in Deutschland einerseits und in Bayern andererseits ab Montag noch erlaubt ist, das erfahren Sie in diesem Artikel. Was Selbstständige in der Corona-Krise jetzt dringend wissen müssen, erfahren Sie hier.

Derweil wütet in Tschernobyl ein heftiges Feuer, das aufgrund radioaktiv behafteter Wolken auf für Deutschland zum Problem werden könnte. Und auch im Mai beschäftigt das Thema Corona Anne Will - konkret geht es um die Verhältnismäßigkeit der Schutzmaßnahmen.

fn

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