Trotz Atomausstieg

Deutscher Treibhausgas-Ausstoß sinkt

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Bis 2020 soll der Ausstoß um 40 Prozent gemindert werden.

Berlin - Deutschland kommt beim Klimaschutz voran - die Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen sind weiter gesunken. Aber die Statistik kann nicht verdecken, dass es zunehmende Hemmnisse gibt.

Trotz des schrittweisen Atomausstiegs und eines weiter hohen Kohlestromanteils sind die Treibhausgas-Ausstöße in Deutschland um 2,9 Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2011 habe es einen Rückgang um insgesamt 27 Millionen Tonnen Kohlendioxid gegeben, teilten das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt (UBA) am Dienstag mit. Seit 1990 wurden die klimaschädlichen Emissionen in Deutschland bereits um fast 27 Prozent gemindert - und damit die Minderungspflichten des Kyoto-Protokolls klar erfüllt.

Deutschland hatte sich in dem Klimaschutzabkommen verpflichtet, die Treibhausgasemissionen zwischen 2008 und 2012 um 21 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Bis 2020 soll der Ausstoß um 40 Prozent sinken. Der Rückgang 2011 liegt auch in mildem Wetter begründet, aber auch der Ausbau erneuerbarer Energien hat seinen Anteil. Die größten Minderungen gab es laut UBA bei Öfen zum Heizen. Wegen der Komplexität der Erfassung liegt der Inventarbericht zum Jahresausstoß in der Regel erst nach rund zwölf Monaten vor - die Zahlen wurden nun an die EU-Kommission in Brüssel übermittelt.

Nach der Katastrophe von Fukushima waren 2011 acht Atomkraftwerke stillgelegt worden, die bei der Stromproduktion keine klimaschädlichen Treibhausgase freisetzen. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) betonte: „Mit dem, was wir erreicht haben, nimmt Deutschland einen Spitzenplatz unter den Industriestaaten ein.“ Das Ziel von minus 40 Prozent bis 2020 erfordere aber zusätzliches Handeln.

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

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Sorge bereitet besonders der Preisverfall beim EU-Handel mit Verschmutzungsrechten. Weil der Zertifikatepreis stark gesunken ist, fehlen Anreize, die Emissionen in der Industrie stärker zu senken. Das UBA betont, seit 2005 seien die Emissionen in Industrie und Energiewirtschaft nur um fünf Prozent gemindert worden.

Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass 2012 der Anteil von Braunkohle- und Steinkohle bei der Stromproduktion leicht gestiegen ist - während teurere, aber klimafreundlichere Gaskraftwerke sich derzeit weniger rechnen. Während Altmaier durch Markteingriffe den Preis für CO2-Ausstoßrechte im EU-Emissionshandel wieder steigern will, ist Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) strikt dagegen.

„Der krisenbedingte Preisverfall verhindert notwendige Investitionen in klimafreundliche Technologien“, sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Er bekräftigte die Forderung, das EU-Klimaziel, die CO2-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu verringern, auf 30 Prozent zu erhöhen. Deutschland erreicht den Wert jetzt schon fast.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn warnte dennoch, dass das deutsche 40-Prozent-Ziel bis 2020 trotz des Rückgangs der Emissionen verfehlt werden könnte. „Schon für 2012 droht wieder ein Anstieg der Treibhausgas-Emissionen, weil immer mehr klimaschädlicher Kohlestrom effizientere Gaskraftwerke verdrängt“, kritisierte Höhn.

dpa

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