Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Union fürchtet eine neue Fluchtbewegung nach Europa

Afghanistan: Laschet warnt vor einem zweiten 2015 - die Lage ist aber kaum zu vergleichen

Eine Gruppe afghanischer Flüchtender steht vor einer Steinmauer
+
Afghanische Flüchtende

Taliban-Machtergreifung in Afghanistan: Viele Menschen suchen verzweifelt Schutz. Aber wo sollen Geflüchtete unterkommen? Die Union warnt vor einem zweiten 2015. Dabei ist die Lage kaum zu vergleichen.

München – Chaos am Flughafen von Kabul. Menschen klammern sich an Flugzeuge. Videos zeigen, wie eine Menschenmenge verzweifelt einem rollenden Flugzeug der US-Airforce hinterherrennt. Währenddessen warnen deutsche Politiker vor einer erneuten Fluchtbewegung. „2015 darf sich nicht wiederholen“, sagt Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU).

Mit bis zu fünf Millionen Menschen, die nun die Flucht vor den Taliban ergreifen wollen rechnet Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Kanzlerin Angela Merkel setzt auf eine Unterbringung in den Nachbarstaaten Afghanistans. „Bevor man über Kontingente spricht, muss man erst mal über sichere Möglichkeiten für Flüchtlinge in der Nachbarschaft von Afghanistan reden“, sagt sie. Auch Parteikollegen wie CDU-Vize Thomas Strobl oder Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner fordern: Die Aufnahme von Geflüchteten muss begrenzt werden.

UNHCR: Die meisten Flüchtenden schaffen es gar nicht erst aus Afghanistan

Dabei hat das Flüchtlingshochkommissariat der Uno (UNHCR) „keine Anhaltspunkte für eine große Fluchtbewegung nach Europa“. UNHCR-Sprecher Chris Melzer sagt: „Die meisten Menschen sind intern Vertriebene, die kaum eine Möglichkeit haben, das Land zu verlassen.“ Die Taliban kontrollierten die Verkehrswege. Und diejenigen, die es ins Ausland schaffen, würden ohnehin in der unmittelbaren Umgebung von Afghanistan Schutz suchen – wie es bisher mehr als 90 Prozent der Flüchtlinge getan haben.

Während der Fluchtbewegung 2015 und 2016 sind mehr als 1,1 Millionen Menschen nach Deutschland geflohen, viele von ihnen aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Christian Wagner hält solche Ausmaße für unwahrscheinlich. Der Asien-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik sagt: Die meisten Menschen würden vor allem nach Pakistan, in den Iran und nach Tadschikistan fliehen wollen. Schon jetzt befinden sich dort hunderttausende Geflüchtete (siehe Grafik). „Sie sprechen die Sprachen, haben auch eine gewisse kulturelle Nähe zu den Staaten und bleiben in der Nähe ihrer Heimat – immerhin hoffen die Menschen ja, dass sie irgendwann wieder zurückkehren können.“

Nach UNHCR-Schätzungen sind 3,5 Millionen Menschen innerhalb Afghanistans auf der Flucht. Wer es ins Ausland schafft, kommt meist im Iran oder in Pakistan unter. Die Zahlen zeigen, wie viele Afghanen sich aktuell auf der Flucht befinden.

Allerdings würden auch die Nachbarländer bei einem Bürgerkrieg in Afghanistan starke Flüchtlingsströme befürchten. „Deshalb hat Pakistan in den letzten Jahren schon seine Grenze stärker gesichert“, sagt Wagner. Auch Usbekistan hat bereits verkündet, Fluchtbewegungen verhindern zu wollen.

Merkel: „Schwachstelle unserer Europäischen Union, dass wir keine gemeinsame Asylpolitik bis heute geschafft haben“

„Die Vergangenheit hat aber gezeigt: Die Nachbarländer werden die Flüchtlinge sicherlich aufnehmen“, sagt Wagner. Tadschikistan etwa errichtet ein Lager für Asylsuchende. „Der Westen wird seine Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen intensivieren müssen, um die Flüchtlinge dort zu versorgen.“

Merkel hat noch gestern das Gespräch mit dem UNHCR gesucht. Man könnte auch darüber nachdenken, „ob besonders betroffene Personen kontrolliert und auch unterstützt nach Europa und in die europäischen Länder kommen“, sagt sie. Eine gemeinsame europäische Position sei allerdings nicht einfach. „Es ist eine Schwachstelle unserer Europäischen Union, dass wir keine gemeinsame Asylpolitik bis heute geschafft haben.“ Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte am Dienstag nach einem Gespräch der 27 Außenminister, man werde mit den Taliban reden müssen, um eine neue Migrationskatastrophe und eine humanitäre Krise zu verhindern.

Fluchtrouten nach Europa sind versperrt

Aktuell haben Geflüchtete kaum Möglichkeiten, nach Europa zu kommen. Die Türkei baut an der Grenze zum Iran eine Mauer – Präsident Recep Tayyip Erdogan werde eine „Migrationswelle“ über den Iran nicht dulden. Auch Griechenland als westlicher Nachbar der Türkei will „nicht zum Einfallstor der EU“ werden, so Migrationsminister Notis Mitarakis. Und selbst wer es nach Griechenland schafft, kommt über die alte Balkanroute von dort nicht weit: Ungarn hat einen Metallzaun zu Serbien errichtet, in Bulgarien und Kroatien schafft die Polizei Geflüchtete außer Landes. (mit dpa)

Kommentare