Gericht verhängt weitere lange Haftstrafe gegen Ben Ali

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Der zweite Prozess gegen den ehemaligen tunesischen Staatschef Zine el Abidine Ben Ali hat begonnen.

Tunis - Der frühere tunesische Diktator Zine el Abidine Ben Ali ist in Abwesenheit zu einer weiteren langen Haftstrafe verurteilt worden. Zuvor kam es bei der Gerichtsverhandlung noch zu einem Eklat.

Fünfeinhalb Monate nach seiner Flucht ins saudi-arabische Exil verhängte ein Strafgericht in Tunis am Montagabend 15 Jahre und sechs Monate Gefängnis gegen den Ex-Präsidenten. Die Anklage hatte dem 74-Jährigen unter anderem illegalen Drogen- und Waffenbesitz vorgeworfen. Die illegalen Güter, darunter zwei Kilogramm Haschisch, waren in einem von Ben Alis Palästen entdeckt worden, nachdem dieser am 14. Januar nach Massenprotesten aus dem Land geflohen war.

Zuvor hatten die Pflichtverteidiger für einen Eklat gesort, als sie den Gerichtssaal verlassen hatten. “Wir wollen an diesem Gerichtsverfahren nicht teilnehmen“, kommentierte Hosni Beji unter Verweis auf die kurze Vorbereitungszeit. Das Gericht hatte zuvor einen Antrag auf Aufschub des Prozesses abgelehnt. Es wurde erwartet, dass es bis Ende des Tages ein Urteil spricht. Dem nach Saudi-Arabien geflohenen Zine el Abidine Ben Ali wird in dem Prozess in Abwesenheit illegaler Drogen- und Waffenbesitz vorgeworfen. Zudem geht es um unregistrierte archäologische Schätze, die der heute 74-Jährige gehortet haben soll. Die illegalen Güter, darunter zwei Kilogramm Haschisch, waren in einem von Ben Alis Palästen entdeckt worden, nachdem dieser am 14. Januar nach Massenprotesten aus dem Land geflohen war.

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Der Prozess am Montag musste wie bereits das erstes Verfahren am 20. Juni ohne den Angeklagten stattfinden. Ben Ali hat ausländische Anwälte mit seiner Verteidigung beauftragt, die aber bei einem Prozess in Abwesenheit nach tunesischem Recht nicht zugelassen sind. Deshalb wurden vom Gericht tunesische Pflichtverteidiger ernannt.

In dem ersten Prozess war Ben Ali ebenso wie seine Frau Leila wegen Veruntreuung von Staatsvermögen zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Zudem sollen sie 91 Millionen Dinar (rund 46 Mio. Euro) Geldstrafe und Schadensersatz zahlen.

Weitere Prozesse sollen in den kommenden Monaten folgen. Dass der frühere tunesische Langzeitherrscher jemals zur Rechenschaft gezogen werden kann, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Saudi-Arabien reagierte bislang nicht auf Auslieferungsgesuche.

dpa/dapd

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