Kommentar

Erdogan: Wo bleiben deutliche Worte aus Berlin?

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Barbara Wimmer.

Ankara - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fühlt sich vom deutschen Satire-Magazin Extra 3 angegriffen. Der Herrscher in Ankara reagiert nicht das erste Mal allergisch auf Kritik.

Man hätte es für einen vorgezogenen Aprilscherz halten können, dass der deutsche Botschafter in Ankara wegen eines Satire-Beitrags im NDR einbestellt wurde. Dass dann doch kein Bundesbürger recht lachen mochte über die absurd klingende Meldung, liegt an den jüngsten Wochen in der Türkei: regierungskritische Sender und Zeitschriften wurden eingestellt oder unter staatliches Kuratell gezwungen, Journalisten, die empörende Fakten aufdeckten, ins Gefängnis gesteckt. Demos – sei es für die Freiheit der Presse, für Frauenrechte oder für die Belange der Kurden mit roher Gewalt niedergeknüppelt. Unbotmäßige Richter aus dem Amt entfernt. Kritik aus dem Ausland verbittet sich Präsident Recep Tayyip Erdogan mit Nachdruck.

Dass jetzt nicht mal Deutsche daheim im Wohnzimmer das übersteigerte Selbstbewusstsein des türkischen Staatsoberhauptes begrinsen dürfen, ohne diplomatische Zerwürfnisse zu riskieren, ist neu. Leider ist nach Bekanntwerden der jüngsten Episode „Erdogan ist wieder beleidigt“ kein Mucks aus der Bundesregierung zu hören. Stumm sind deutsche und EU-Politiker auch angesichts der Repressionen in dem Land, das sich um den EU-Beitritt „bemüht“. Offenbar wird die Kooperation Ankaras in der Flüchtlingskrise höher bewertet als europäische Standards.

Die Türkei entfernt sich unter Erdogan täglich weiter von akzeptablen Zuständen – auch hinsichtlich der erstrebten Visa-Freiheit für ihre Bürger. Diese Feststellung wollen wir von unseren Regierenden hören. Lustig ist das alles so oder so nicht.

Barbara Wimmer

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