Interview mit Niklas Tartler

Therapeut spricht über Ehe-Aus der Wulffs

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Christian Wulff ist aus dem gemeinsamen Haus am Wochenende ausgezogen.

München - Ex-Bundespräsident Christian Wullf und seine Frau Bettina sind getrennt. Der Familientherapheut Niklas Tratler aus München spricht im Interview über das Ende der Ehe.

Wie schwer ist es für ein Ehepaar in der Krise, wenn man so im Rampenlicht steht wie Christian und Bettina Wulff?

Niklas Tartler

Niklas Tartler, Systemischer Familientherapeut in München: Für ein Paar ist es wichtig, einen Rahmen der Vertraulichkeit zu haben. Frau Wulff hatte ja in Interviews deutlich gemacht, dass sie sich einem ständigen Druck ausgesetzt fühlte und zurückgesteckt hat. Es ist in einer Partnerschaft immer gut, wenn jeder immer über sein momentanes Empfinden sprechen kann und kein „stilles Leiden“ aufkommt. Um dies in einer Paartherapie aufzuarbeiten ist viel Geduld nötig.

Bettina Wulff hatte ja öffentlich gemacht, dass sie und Christian Wulff professionelle Hilfe bei einer Ehetherapie gesucht haben. Wieviel Zeit muss man sich in solch einer Therapie geben?

Tartler: Das kommt darauf an, wie tief die Verwerfung liegt – das können fünf Besuche in fünf Wochen sein, das können aber auch 25 Besuche in 50 Wochen sein. Entscheidend ist, dass es dem Paar gelingt, dem was gut war in der Beziehung wieder neues starkes Gewicht zu geben.

Und wann muss ein Ehetherapeut eingestehen: Ihre Beziehung ist nicht mehr zu retten?

Tartler: Ich würde so eine Empfehlung niemals geben! Für den Paartherapeuten ist es erst vorbei, wenn einer der Partner sagt: Ich möchte nicht mehr, ich bin nicht bereit hier weiter zu gehen. Ich versuche einem Paar in der Krise deutlich zu machen: Welche Erweiterung und Vertiefung in meinem Leben kann es bedeuten, diese Krise zu überwinden – mit dem Partner den ich mir aussuchte. Für mich ist Partnerschaft eine der wenigen Möglichkeiten, festzustellen, was wirklich qualitativ wichtig ist im Leben.

Christian Wulff hat einen beispiellosen beruflichen Absturz erlebt. Rückt man da in der Partnerschaft nicht eher zusammen?

Tartler: Im Gegenteil. Eine derartige berufliche Krise, nimmt eine Beziehung schon sehr stark her. Wenn es beruflich stark bergab geht, wird das eigene Selbstbewusstsein massiv angegriffen – und das muss der Partner aushalten. Das scheint im Fall Wulff nicht funktioniert zu haben. Wir Menschen sind hier sehr verletzlich und zügig wird die Vertrauensfrage gestellt.

Für Christian Wulff ist es ja bereits die zweite Ehe, die gescheitert ist. Zerbrechen Ehen von Geschiedenen schneller?

Tartler: Statistisch gesehen ist die Brüchigkeit von zweiten Ehen tatsächlich höher – nur 60 Prozent der zweiten Ehen halten. Dafür gibt es viele Erklärungsmodelle: Es verändert einen Menschen stark, wenn er ein erstes Ja-Wort nicht eingehalten hat. Man hat bereits die Erfahrung gemacht, dass man durchaus alleine leben kann. Man hat gelernt, dass man sich anders organisieren kann, dass man nicht unbedingt mehr mit einem Partner zusammensein muss.

Die Wulffs: Ihre schönsten gemeinsamen Bilder

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Die Wulffs haben gemeinsam eine vierjährigen Sohn, Linus. Welche Rolle spielt das bei einer Ehetherapie?

Tartler: Dazu gibt es unterschiedliche therapeutische Meinungen. Die einen sagen, lieber gut getrennt als schlecht zusammengeblieben. Die anderen sagen, dass es für ein Kind in jedem Fall besser ist, wenn sich die Eltern nicht trennen. Grundsätzlich geht es darum, dass die Elternschaft intakt bleibt, selbst wenn die Beziehung nicht mehr funktioniert. Denn der Kampf der Paare geht beim Eltern-Zusammenspiel ja oft weiter. Die Mutter und der Vater müssen für sich Fragen klären wie: Kann ich mein Kind so von Herzen freigeben, dass es meinen Ex-Partner lieben darf? Auch hier geht es wieder um Vertrauen.

Interview: Klaus Rimpel

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