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Flüchtlinge: 6 Grafiken, die Sie kennen müssen

München - Mit der steigenden Zahl an Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, wächst das Gefühl der Überfremdung. Doch was ist daran wirklich dran? Eine Analyse in sechs Grafiken: 

Syrien, Irak, Ukraine - Krieg und Terror in vielen Region der Welt zwingen Menschen, ihre Heimat zu verlassen. Wenn sie den beschwerlichen Weg schaffen, finden viele Kriegsflüchtlinge Schutz in Europa. Jedes Jahr erhält Deutschland tausende Asylanträge. Bei vielen Bundesbürgern weckt das Bedenken. Extremistische Parteien spielen mit der Angst vor Überfremdung.

Doch wie sieht die Lage wirklich aus? Sechs Statistiken liefern Antworten und zeigen die Kluft zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung:

In den vergangenen 25 Jahren haben große politische Ereignisse die Flüchtlingsströme und damit die Asylantragszahlen stark beeinflusst. Anfang der Neunziger Jahre erhöhten sich die Flüchtlingszahlen. Als 1991 der Bürgerkrieg in Jugoslawien ausbrach, spitzte sich die Lage weiter zu: 166.000 Asylanträge im Rekordjahr 1995. 

Der Kosovokrieg 1999 jedoch beeinflusste die Antragsdichte kaum: Da den Kriegsflüchtlingen ein gesonderter Schutz ohne Asylverfahren ermöglicht wurde. Auch als 2003 der Irakkrieg losbrach, blieben riesige Flüchtlingswellen aus. Die Grenzen Europas waren für die meisten Flüchtlinge unüberwindbar. Bis 2008 sank die Zahl der Asylanträge immer weiter ab und erreichte schließlich die niedrigste Quote der vergangenen 25 Jahre von rund 30.000 Anträgen.

Kurz darauf nahmen die Anträge wieder rapide zu: Grund war der Arabische Frühling seit 2010. 2014 sind es vor allem Syrer, die die Flucht vor dem Bürgerkrieg ergreifen. Die Grafik zeigt deutlich: Die Flüchtlingsströme kommen in Wellen. Das heißt: In den kommenden Jahren, wenn sich die Lage in Syrien wieder beruhigt hat, werden die Zahlen vermutlich wieder zurückgehen. Dann werden wohl wieder anderen Herkunftsländer die Statistik dominieren:

Was viele nicht wissen: Noch 2013 kamen die meisten Asylgesuche an die Bundesrepublik aus Russland. Im Ranking folgten Syrien, Serbien und Afghanistan. 2014, nach Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien, löste das Land Russland auf Platz eins ab. Bis September diesen Jahres gingen in der Bundesrepublik rund 136.000 Anträge ein - eine ganze Menge. Dennoch liegt Deutschland im europäischen Vergleich längst nicht auf Platz eins, wenn es um Asylbewerberquoten geht:

Deutschland, das Einwanderungsland Nummer eins? Von wegen! Auf Tausend Bundesbürger kommen hierzulande gerade einmal 1,5 Asylbewerber. Das bedeutet im europäischen Vergleich lediglich Platz sieben. Schweden hält aktuell mit 5,7 Flüchtlingen pro Tausend Einwohnern den Rekord. Ein Grund für diese Platzierung: Nicht jeder, der einen Antrag auf Asyl stellt, wird in Deutschland aufgenommen. Das liegt auch daran, dass der Flüchtlingsbegriff klar definiert ist: Flüchtlinge sind, so erklärt es die Genfer Flüchtlingskonvention, Personen, die außerhalb ihres Heimatlandes leben und wegen ihrer Rasse, Religion, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, Nationalität oder ihrer politischen Überzeugungen Angst vor Verfolgung haben müssen. Außerdem muss die Voraussetzung gegeben sein, dass es im eigenen Herkunftsland des Flüchtlings keine Schutzmaßnahmen für den oder die Verfolgte gibt. Gar nicht so einfach also, in Deutschland den Flüchtlingsstatus zu erhalten. Die nachstehende Grafik zeigt das Verhältnis der verhandelten Asylanträge und den juristischen Entscheidungen seit 2005.

Deutlich sichtbar: Die Ablehnungen überwiegen beinahe konstant die Anerkennungsquoten. Die kleine Zahl derer, denen Deutschland tatsächlich den Status "asylberechtigt" zuerkennt, gehört in der Bundesrepublik der Gruppe der Ausländer an. Diese verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Bundesländer:

Diese Statistik soll einen kleinen Ausblick über den gesamten Anteil der Ausländer in der Bundesrepublik bieten. Doch wie ist dieser Begriff eigentlich definiert? Offiziell gehören neben Flüchtlingen diese Menschen zur Gruppe der Ausländer: Personen, die keine Deutschen sind und Personen, die Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit nicht gleichgestellt sind.

In absoluten Zahlen ist Bayern als eines der bevölkerungsreichsten Bundesländer unter den Spitzenreitern, wenn es um Ausländerquoten geht. Berücksichtigt man allerdings das Verhältnis dieses Anteils an der Gesamtbevölkerung, weisen andere Bundeländer deutlich höhere Quoten auf. Spitzenreiter ist Hamburg: Rund 14,5 Prozent der Bevölkerung sind Ausländer. Danach folgen Berlin, Bremen, Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Bayern belegt mit einer Quote von 10,4 Prozent Platz sieben. Die Zahlen lassen sich natürlich auch auf eine noch kleinere Ebene herunterbrechen. So sieht die Bevölkerungsverteilung zum Beispiel in München aus:

Die Grafik zeigt, wie sich die Münchner Bevölkerung zusammensetzt. Die Darstellung unterscheidet drei Gruppen: Ausländer, Deutsche mit Migrationshintergrund und Deutsche ohne Migrationshintergrund. Den meisten Menschen ist dabei nicht klar, was diese Begriffe überhaupt bedeuten. Dadurch nährt sich in Deutschland der Glaube, dass viel mehr Ausländer in der Bundesrepublik leben, als es eigentlich der Fall ist.

Laut offizieller Definition sind "Menschen mit Migrationshintergrund" nämlich alle Personen, die zugewandert sind: sei es durch Aus- oder Übersiedlung, Arbeitsmigration, Familiennachzug oder Flucht. Zu dieser Personengruppe gehören auch alle Menschen, die Kinder von Migranten sind oder aus einer binationalen Ehe hervorgegangen sind. Dass diese abstrakte Definition in der Praxis extrem irreführend anmutet, zeigt das folgende Beispiel: Als "Migrant" gilt in München beispielsweise ein türkischer Arbeiter, der in den Sechziger Jahren nach Deutschland kam. Den selben Status erhält nach der Definition auch ein junger Mann, der in Deutschland geboren wurde und dessen Mutter aus Polen stammt.

vin

Rubriklistenbild: © Screenshot

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