Manfred Hoffmann

Sprecher der G7-Gegner wirft hin: Keine klare Distanz zu Gewalt

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Manfred Hoffmann, der Pressesprecher des Bündnisses „Stop-G7-Elmau“, bei einer Info-Veranstaltung im Februar.

Krün - Manfred Hoffmann, der Presseverantwortliche des Bündnisses „Stop-G7-Elmau“, tritt zurück. Er vermisst bei den G7-Gegnern eine klare Distanzierung zu Gewalt.

Es ist ein Paukenschlag wenige Tage vor Beginn des G7-Gipfels 2015 auf Schloss Elmau. Wegen fehlender Distanzierung von gewalttätigen Aktionen tritt Manfred Hoffmann, der Presseverantwortliche des Bündnisses „Stop-G7-Elmau“, zurück. 

Verschiedene für ihn besorgniserregende Entwicklungen innerhalb dieses Bündnisses der G7-Gegner hätten ihn dazu bewogen, verkündete der Linken-Politiker am Mittwochvormittag in einer persönlichen Presseerklärung (Wortlaut siehe unten). So hätten es "einige selbsternannte Leader im Bündnis nicht verstanden, ursprünglich breite und zu friedlichem Protest bereite Bevölkerungsschichten hinter sich zu versammeln und zu vereinigen". Diese Worte lassen vermuten, dass es zwischen den Anführern der G7-Gegner und der Basis unterschiedliche Auffassungen im Hinblick auf gewalttätige Proteste gibt.

Kritik am "Hineinprüfen von Gewaltbereitschaft" bei G7-Gegnern

Weiter kritisiert Ex-Pressesprecher Hoffmann, "das delphische Hineinprüfen von Gewaltbereitschaft in den Aktionskonsens" im Februar 2015. Heißt konkret: Offenbar wurde im Führungskreis der G7-Gegner zumindest erwogen, auch gewalttätige Aktionen als Mittel des Protests einzusetzen.

Insbesondere störte Hoffman sich an "der fehlenden Distanzierung von den Gewalttaten im Rahmen der Blockupy-Proteste" in Frankfurt. Im März war es bei Ausschreitungen am Protesttag des kapitalismuskritischen Bündnisses zu Ausschreitungen gekommen. Die TV-Bilder von brennenden Autos, fliegenden Steinen und verletzten Polizisten gingen um die Welt. Im Zusammenhang mit dem G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau kam seit den Tagen von Frankfurt auch die Angst vor Randale im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auf.

Vor G7-Gipfel: Gegner lehnen Bekenntnis zu Gewaltlosigkeit ab

Hoffmann, der sich bei Infoveranstaltungen der G7-Gegner konsequent für Gewaltlosigkeit ausgesprochen hatte, kritisiert außerdem, dass sich "Einzelne fortwährend vor Mikrofonen und Kameras in wortreiche Aussagelosigkeit" verschlungen hätten, sobald das Thema Randale aufkam. Wie so etwas konkret aussah, erlebte man erst vor wenigen Tagen bei einer Podiumdiskussion zum G7-Gipfel in Garmisch-Partenkirchen. Benjamin Ruß vom Bündnis "Stop G7 in Elmau" blieb stumm, als der örtliche Bund-Naturschutz-Vorsitzende Axel Doering ihn um ein Bekenntnis zu gewaltfreien Protesten bat. Szenen wie diese kritisiert Hoffmann in seiner Presseerklärung ausdrücklich: "Die Kommunikationsstrategie des Arbeitskreises Presse, sich bereits im Vorfeld der Proteste von Gewalt zu distanzieren, wurde dabei mit Füßen getreten."

Nachdem laut Hoffmann auch noch "Veränderungen an vom Arbeitskreis Presse unterschriebenen Pressemitteilungen durch Einzelne" hinzukamen, stand für ihn fest: "Für ein Aktionsbündnis dieser Ausrichtung und Zusammensetzung kann ich nicht mehr sprechen."

Auch nach seinem Rücktritt bekennt Hoffmann sich eindeutig zu den Protesten gegen den G7-Gipfel. So betont er zum Ende seiner Rücktrittserklärung: "Solidarisch erkläre ich mich mit allen friedlichen Protesten - auch des stop-g7-elmau Bündnisses - und unterstütze besonders wirksame friedliche Massenproteste."

Nun werden die "Leader" des Bündnisses "Stop-G7-Elmau" erst Recht Farbe bekennen müssen, was ihre Einstellung zu gewalttätigen Protesten beim G7-Gipfel 2015 angeht. Die Ängste in der Bevölkerung vor Randale beim Gipfeltreffen werden nach dem spektakulären Rücktritt Manfred Hoffmanns sicher nicht weniger. 

"Fehlende Distanzierung von Gewalttaten": So begründet der Presseverantwortliche der G7-Gegner seinen Rücktritt

Diese "persönliche Presseerklärung" hat Manfred Hoffmann der Presseverantwortliche des Bündnisses "Stop-G7-Elmau", am Mittwochvormittag versandt. Wir zeigen seine Erklärung wenige Tage vor Beginn des G7-Gipfels 2015 auf Schloss Elmau, im Wortlaut: 

"Sehr geehrte Damen und Herren,

mit sofortiger Wirkung bin ich als Sprecher des Arbeitskreises Presse im Aktionsbündnis

stop-g7-elmau zurückgetreten und werde nicht mehr für das Bündnis sprechen.

Die Entwicklungen im Aktionsbündnis erfüllen mich mit tiefer Sorge um die notwendigen und berechtigten Proteste gegen die G7 und ihre Menschen- und Völker-verachtende Politik, die sich im Werdenfelser Land in einer unglaublichen Naturbelastung und -zerstörung ausdrückt.

Das gesamte Land im Dreieck Bodensee-München-Berchtesgaden wurde bereits jetzt in einen Polizeistaat verwandelt und die hier lebenden Menschen und Gäste werden unerträglichen Einschränkungen ihrer Freiheitsrechte unterworfen - für einen zweitägigen G7-Gipfel in den Bayerischen Alpen für derzeit bezifferte 370 Mio € statt 3 Mio € in München.

Im laufenden Prozess haben es einige selbsternannte Leader im Bündnis nicht verstanden, ursprünglich breite und zu friedlichem Protest bereite Bevölkerungsschichten hinter sich zu versammeln und zu vereinigen. Können die im September 2014 verabschiedeten Blockaden, die jenseits Volkes Willen von der herrschenden Staatsmacht zu Straftaten stilisiert wurden, noch als legitim angesehen werden, so stellt das delphische Hineinprüfen von Gewaltbereitschaft in den Aktionskonsens im Februar 2015 vielleicht den entscheidenden Wendepunkt dar.

Dies äußerte sich sichtbar in der fehlenden Distanzierung von den Gewalttaten im Rahmen der blockupy-Proteste am 18. März 2015 - unabhängig davon, ob diese von der Staatsmacht geplant und begangen wurden oder von anderen verursacht waren. Stattdessen verschlangen sich Einzelne fortwährend vor Mikrofonen und Kameras in wortreiche Aussagelosigkeit.

Die Kommunikationsstrategie des Arbeitskreises Presse, sich bereits im Vorfeld der Proteste von Gewalt zu distanzieren, wurde dabei mit Füßen getreten. Es kam selbst zu Veränderungen an vom Arbeitskreis Presse unterschriebenen Pressemitteilungen durch Einzelne.

Für ein Aktionsbündnis dieser Ausrichtung und Zusammensetzung kann ich nicht mehr sprechen.

Ich distanziere mich im Rahmen der Proteste gegen den G7-Gipfel von jeglicher Gewalt ebenso wie von Einschränkungen der Bürgerrechte, ob von der Bayerischen Staatsregierung beziehungsweise anderen initiiert oder ausgeübt.

Solidarisch erkläre ich mich mit allen friedlichen Protesten - auch des stop-g7-elmau Bündnisses - und unterstütze besonders wirksame friedliche Massenproteste.

Manfred Hoffmann"

G7-Gipfel 2015: News-Blog und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau. 

fro

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