Geliebte, Unterhosen und Suff: OB Ude im Gaga-Interview

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Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD, links) am Donnerstagabend in der Show "Stuckrad Late Night" in ZDFneo mit Moderator Benjamin von Stuckrad-Barre.

Mainz - Münchens OB Christian Ude im Gaga-Interview: In der TV-Show "Stuckrad Late Night" plauderte der SPD-Spitzenkandidat über mögliche Geliebte und seine Unterhosen. Das Protokoll:

Unter diesem Link können Sie die Sendung in der ZDF-Mediathek sehen. 

Wie üblich empfing Kult-Moderator Benjamin von Stuckrad-Barre am Donnerstagabend den Gast seiner Politik-Show im Spartenkanal ZDFneo mit einigen vogelwilden Fragen, die Ude ganz ordentlich parierte.

Das Gaga-Gesprächsprotokoll:

Stuckrad-Barre: "Wer wäre für einen niederbayerischen Bauern am schockierendsten an der Spitze des Freistaats? Eine Frau, ein Schwuler, ein Afro-Amerikaner oder einer von der SPD?"

Ude: "Jemand von der SPD."

Stuckrad-Barre: "Muss man als bayerischer Ministerpräsident zwangsläufig eine Geliebte in Berlin haben?" (Eine Anspielung auf das uneheliche Kind von CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer; Anm. d. Red.)

Ude: "Nein, aber vielleicht ergibt es sich."

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Stuckrad Barre: "Sind Sie als anständiger Bayer jetzt gerade eigentlich vollkommen betrunken?"

Ude: "Nein, wir vertragen einfach mehr."

Stuckrad-Barre: "Werden Sie nach Ihrem Wahlsieg den Münchner Flughafen Franz Josef Strauß echt umbenennen in Monaco-Franze-Airport?"

Ude: "Das könnte nur durch einen Volksentscheid geschehen. Aber die Zustimmung wäre sicher."

Stuckrad-Barre: "Wie kann man den Besuchern des Münchner Oktoberfests erklären, dass sie nicht in die Gärten rund um die Theresienwiese kacken sollen?"

Ude: "Das hat noch nie jemand getan. Unser Problem sind nur Wildbiesler."

Stuckrad-Barre: "Tatsache, dass sie ausschließlich Unterwäsche vom königlich bayerischen Hoflieferanten Eduard Meier tragen?"

Ude: "Kein einziges."

Stuckrad-Barre: "Sondern?"

Ude: "Ich trage ausschließlich preiswerte Angebote der Münchner Kaufhäuser."

Stuckrad-Barre: "Ludwig Beck ist gar nicht so preiswert."

Ude : "Der ist nicht so preiswert. Aber der ist sehr nah. Das ist schon 'ne Verführung. Beck am Rathauseck!"

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Stuckrad-Barre: "Echt wahr, dass der Herr Scharnagl vom Bayernkurier (Ex-Bayernkurier Chefredakteur Wilfried Scharnagl; Anm. d. Red.) angedroht hat: Wenn Sie Ministerpräsident werden, dann will er sich auf dem Münchner Marienplatz mit Benzin übergießen und anzünden?"

Ude: "Ich würde es ihm als einem der letzten schwarzen Fundamentalisten zutrauen."

Nach Stuckrad-Barres Guerilla-Fragen wurde es dann aber doch substantiell. Und zum Politik-Gespräch hatte sich der Literat wie üblich zwei Fachmänner ins Studio geholt: Nämlich "Bild"-Vizechef Nikolaus Blome und "Spiegel"-Reporter Markus Feldenkirchen. Als Wunschthema für die Fragerunde hatte Ude sich "Götterdämmerung im Weißwurschtland" gewünscht. Folglich ging es um Udes Ambitionen, CSU und FDP bei der Landtagswahl 2013 in die Opposition zu verbannen. Im Politik-Verhör blieb Ude allerdings einige Antworten schuldig.

"Bild"-Vizechef Blome wollte von Ude zunächst einmal wissen, warum die CSU eigentlich in die Opposition müsse, wenn Bayern wirtschaftlich doch ganz gut dastehe:

Blome: "Mir ist jetzt noch nicht so ganz klar, warum man die Regierung wechseln, warum man die CSU in die Opposition schicken muss, wenn's dem Land doch gar nicht so schlecht geht. Man könnte sogar sagen, es geht allen anderen Ländern in Deutschland, allen anderen Bundesländern schlechter als den Bayern. Das ist jetzt nicht unbedingt der sofort naheliegende Grund, warum man die zum Teufel jagen müsste."

Stuckrad-Barre: "Warum sind sie so partout in Wechselstimmung. Wir als Nehmerland hier in Berlin haben immer den Eindruck, wenn es einem Land gur geht, dann den Bayern."

Ude: "Ihre CSU-Bewunderung in Ehren. Wenn es nach der CSU ginge, dann würden sie gar nicht mehr lange Nehmerland bleiben können, weil der Länderfinanzausgleich grundsätzlich in Frage gestellt wird, wenn Bayern Geberland ist. Es gab Zeiten, da war Bayern ein Nehmerland."

Stuckrad-Barre: "Das sind jetzt doch so Plasberg-Vokabel, da schalten uns die Leute weg. Warum sind Sie in so akuter Wechselstimmung? Was muss jetzt anders werden in München?"

Ude: "Also man hätte zum Beispiel die Atomkraft auch schon vor 25 Jahren nach Taschernobyl in Zweifel ziehen können. Dann wären wir in ganz Bayern mit den erneuerbaren Energien weiter und würden jetzt nicht erst anfangen. Oder man hätte solide Politik mit den Geldinstituten machen können, wie wir in den Sparkassen. Dann hätte man nicht zehn Milliarden für die Landesbank verpulvert. Also ich kann - ebenso wie die bayerische Bevölkerung - eine kritiklose Huldigung der Staatsregierung nicht unterschreiben."

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Spiegel-Reporter Feldenkirchen wunderte sich über Udes jetzige Bereitschaft als Ministerpräsident zu kandidieren, nachdem er die entsprechende Bitte der Bayern-SPD in vergangenen Wahlkämpfen mehrfach ausgeschlagen habe.

Feldenkirchen: "Das Komische bei Herrn Ude ist auch: All die Jahre, die die SPD eigentlich schon wollte, dass er als Oberbürgermeister von München antritt, als Kandidat in Bayern, da hat er einfach nicht gewollt. Und erst jetzt, wo er nicht mehr darf, wo die Amtszeit zu Ende geht, da ist er plötzlich bereit, Ministerpräsident zu werden."

Den Ausführungen des Spiegel-Reporters folgte der OB mit eifrigem Kopfnicken. Eine Erwiderung Udes auf Feldenkirchens Vorwurf blieb allerdings aus.

Auch als Benjamin Stuckrad-Barre wissen wollte, wie Ude den Machtwechsel in Bayern eigentlich schaffen wolle, blieb der Noch-OB eine konkrete Antwort schuldig.

Stuckrad-Barre: "Haben Sie eine Kampagne in der Hinterhand?"

Ude: "Ja selbstverständlich. Ich denke, dass die Sozialdemokratie in Bayern einige Prozentpunkte zulegen kann und muss."

Stuckrad-Barre: "Wie wollen Sie das machen?"

Ude: "Also ich habe immer gesagt: Für fünf Prozent stehe ich gerade."

Stuckrad-Barre: "Dann haben Sie 24." 

Ude: "Ja, und über 25 wäre mir lieber. Ich denke, dass die Grünen, mit denen ich seit 20 Jahren im Münchner Rathaus erfolgreich zusammenarbeite, auf 15 Prozent kommen. Und die Freien Wähler sind gut und gerne für 10 Prozent gut. Das heißt: Es ist die Mehrheit im Parlament durchaus realistisch."

Aber wie sieht Udes Kampagne jetzt genau aus? Darüber ließ er die Zuschauer im Unklaren.

Lediglich einen Einwurf von "Bild"-Mann Blome parierte Ude souverän.

Blome: "Aber der Haken ist doch, dass Sie jetzt zum ersten Mal sagen müssen, dass Sie bei der SPD sind. Das machen Sie in München ja nie. Darum haben Sie da auch immer gewonnen."

Ude: "Also das ist eines der skurrilsten Vorurteile, die verzweifelt verbreitet werden, weil man nicht wahrhaben will, dass ein bekennnender Sozialdemokrate erfolgreich sein kann. Es gab in München bei zwei Wahlkämpfen Plakate, da stand nur drauf - in so großen Buchstaben: 'Ude = SPD'. Und das hat weder dem Kandidaten noch der Partei geschadet. Es hat trotzdem für 60 plus x gereicht. Am Schluss sogar für 'ne Zweidrittelmehrheit."

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fro

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