Krise nach Gutsherrenart

Berlin - Dem Krisengespräch mit der Bundeskanzlerin folgt ein missglücktes Krisenmanagement. Denn Verteidigungsminister zu Guttenberg versucht einen Befreiungsschlag - und kommt noch mehr unter Druck.

Das Tor war nur für einen kurzen Moment geöffnet. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wollte sich für mögliche Fehler bei der Kennzeichnung von Fremdtexten in seiner Doktorarbeit entschuldigen. Ein wichtiger Auftritt in eigener Sache, der über die Zukunft eines Politikers entscheiden kann. Wenige Minuten, in denen der Minister mit dem selbst angehefteten Image der Glaubwürdigkeit versuchen wollte, Fälschungsvorwürfe zu entkräften.

Doch im Wortsinn ließ der Freiherr dieses Tor vor seinem Ministerium früh wieder verriegeln. Eher nach Gutsherrenart gewährte der 39-Jährige nur einem kleinen Kreis von Journalisten Einlass, verlas seine Erklärung, beantwortete keine Fragen und verschwand. Die von ihm sonst so geliebte Öffentlichkeit, blieb diesmal weitgehend außen vor. Nur eine kurze Autofahrt entfernt wartete zeitgleich die versammelte Hauptstadtpresse vergebens auf seine Stellungnahme.

Ein einmaliger Vorgang, der zu einer seltenen Protestnote der Bundespressekonferenz führte. Auch bei ihr entschuldigte sich der Minister dann. Nun hat er ein Problem mehr. In der Unionsfraktion machte sich am Freitag schnell Erschrecken über das Krisenmanagement des Ministers breit. “Das war kein Befreiungsschlag“, hieß es in der CSU. “Das ist eine sehr brisante Lage“, verlautete aus der CDU.

Merkel attestiert “offensiven“ Umgang mit Vorwürfen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) saß mit Guttenberg am späten Donnerstagabend im Kanzleramt zusammen, um seine Sicht zu hören. Welche Ratschläge sie ihm gab, ließ sie nicht mitteilen. Nur, dass sie “volles Vertrauen“ in ihren Verteidigungsminister habe.

Merkel hat Guttenberg einen “offensiven“ Umgang mit den Fälschungsvorwürfen gegen seine Doktorarbeit bescheinigt. Der CSU-Politiker habe gesagt, dass er Fehler bedauere und mit der Universität Bayreuth bei der Aufklärung zusammenarbeiten wolle - damit habe er ein “sehr offensives“ Vorgehen gezeigt, sagte Merkel am Freitag dem Südwestrundfunk (SWR) im “Interview der Woche“.

Auf die Frage, ob er noch zu halten sei, wenn die Plagiatsvorwürfe bestätigt würden, sagte Merkel, sie halte nichts von “irgendwelchen Spekulationen“. Sie stehe zu seiner Arbeit als Verteidigungsminister und zu ihm als Persönlichkeit. Er sei mit einer Bundeswehrreform betraut, die es in diesem Ausmaß noch nicht gegeben habe. “Dafür braucht er meine Unterstützung, und dafür bekommt er sie auch.“

Journalisten-Verband rügt Guttenberg

Der Deutsche Journalisten-Verband hat Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) für seinen Umgang mit den Medien in der Affäre um seine Doktorarbeit kritisiert. Es sei nicht akzeptabel, dass der Minister am Freitagvormittag in Berlin seine Erklärung zu den Fälschungsvorwürfen nur vor einer Handvoll Journalisten verlesen habe, erklärte der Verbandsvorsitzende Michael Konken.

“Von einem Mitglied der Bundesregierung erwarten die Journalistinnen und Journalisten Transparenz.“ Die Vorwürfe seien keine Privatangelegenheit des Ministers. “Es geht um die Glaubwürdigkeit des Verteidigungsministers, dessen Doktorarbeit deshalb von großem öffentlichem Interesse ist.“

dpa

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