Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

ZDF-Talk zu Omikron

„Es gibt Stimmen ...“? Illner konfrontiert Lauterbach mit groben Vorwürfen - Impfstatus-Chaos droht schon

Die Talkrunde bei „Maybrit Illner“ (ARD).
+
Die Talkrunde bei „Maybrit Illner“ (ARD).

Kürzlich war Lauterbach bei Illner noch der „Minister der Herzen“ - jetzt war die Stimmung kühler. In der Kritik: PCR-Tests, reduzierter Genesenenstatus, Impfpflicht. 

Berlin - Die plötzliche Verkürzung des Genesenenstatus auf drei Monate fiel Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) diese Woche auf die Füße*. Ohne Vorankündigung des Ministeriums oder Absprache mit den Landesregierungen war die Entscheidung auf der Seite des RKI angekündigt worden.

„Eine große Aufregung“, konstatiert Maybrit Illner in ihrem ZDF-Talk* und fragt den Gesundheitsminister frei heraus: „Wollten Sie da jemanden überrumpeln?“ Lauterbach schüttelt heftig den Kopf: „Ich überrumpele niemanden“, sagt er, das sei auch nicht „seine Art“. Lauterbach versichert, er habe „keinen Einfluss“ auf die Entscheidung genommen. Die Ankündigung sei zwar „ein, zwei, drei Tage“ zu früh erfolgt - „eine Kommunikationsfehlleistung“ - inhaltlich stehe er aber „vollends“ hinter der Entscheidung.

„Maybrit Illner“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Prof. Karl Lauterbach (SPD)* - Bundesgesundheitsminister
  • Linda Teuteberg (FDP) - Bundestagsabgeordnete
  • Thorsten Frei (CDU): Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
  • Prof. Carsten Watzl - Leitung des Forschungsbereichs Immunologie an der TU Dortmund
  • Prof. Frauke Rostalski - Mitglied im Ethikrat, Strafrechtsprofessorin Universität Köln

Die Moderatorin schaut ungläubig und holt nochmal aus, zitiert den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, der erklärt hatte, sich „persönlich hintergangen“ gefühlt zu haben und dessen CDU-Kollegen, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, der befand, Lauterbach habe die „Wissenschaft instrumentalisiert“. Lauterbach winkt ab: „Das habe ich sowieso nicht“, führt er aus, er habe die „Wissenschaft einfach nur bestätigt“ und nennt als Argument das hohe Ansteckungspotenzial der Omikron-Variante, die auch Genesene der Delta-Variante befallen könne.

Expertenkritik an Lauterbach: Genese und zweifach Geimpfte gleich behandeln

„Es gibt Stimmen“, lässt Illner nicht locker, die vermuteten, hinter der Aktion stehe eine Taktik, um nochmal die „Impfquote zu erhöhen“. Lauterbach schüttelt erneut den Kopf: Das seien „Spekulationen“, „Märchen“. Jetzt ist Immunologe Carsten Watzl am Zug,. Er stellt Lauterbachs Neuregelung inhaltlich in Frage. „Wenn man sagt, dass Omikron die Regeln verändert hat“, schlussfolgert der Experte, dann müsse das doch nun auch für die zweifach Geimpften gelten. Nach drei Monaten stünden diese im Bezug auf eine Omikron-Infektionsrisiko ähnlich schlecht da wie Genesene.

Watzl stellt aber auch eine Gefahrenlage in Frage. Es gebe derzeit zwar „irre hohe Inzidenzen, aber die Krankenhäuser sind einigermaßen okay“, so Watzl. Das Virus „tobe“ sich derzeit vor allem bei den „Fünf- bis 29-Jährigen aus“, so der Experte, die ein „relativ geringes Risiko für schwere Verläufe“ hätten. Bei den 60-Jährigen liege die Inzidenz derzeit bei knapp 300 und sei damit handlebar. Watzl fast zusammen: „Der Schutz vor der reinen Infektion ist nicht da, aber der Schutz vor einer schweren Erkrankung.“

Unions-Fraktionsgeschäftsführer Frei empört: In der EU andere Regeln als in Deutschland

Auch Unions-Fraktionsgeschäftsführer Thorsten Frei (CDU) bemängelt die Drei-Monats-Grenze, die in anderen europäischen Ländern nicht gelte: „Es kann doch nicht sein, dass auf der europäischen Ebene etwas anderes gilt, als in Deutschland.“ Frei spielt dabei auf den halbjährigen Genesenenstatus bei Reisen an, dem auch das Auswärtige Amt zugestimmt habe.

Watzl stimmt ein und nennt als Beispiel die Schweiz und die USA. Das Nachbarland hatte zwar auch den Genesenenstatus reduziert, allerdings von zwölf auf neun Monate*. In den Vereinigten Staaten entfalle inzwischen die Test-Pflicht nach Erkrankung, so Watzl, entscheidend sei dort allein die Symptomfreiheit.

Argumentativ hat Lauterbach dem nichts entgegenzusetzen: „Hier ist auch sehr viel Parteipolitik im Spiel“, wettert er lapidar. Moderatorin Illner greift das Stichwort des Immunologen auf und packt den nächsten Vorwurf auf den Tisch: Fehlende PCR-Kapazitäten. Allein in Wien werde in einer Woche mehr getestet und ausgewertet als deutschlandweit insgesamt.

Lauterbach spricht sich trotz vorheriger Kritik für mehr Schnelltests aus

Der Minister hat sofort eine Erklärung parat: In Österreich komme eine andere Teststrategie zum Einsatz, das Pooling-Verfahren, bei dem zunächst mehrere Tests zusammen auf das Coronavirus untersucht würden und erst bei einem positivem Ergebnis Einzelproben erfolgen. Er selbst habe 2020 dieses Verfahren gemeinsam mit Wissenschaftlern vorgeschlagen, doch die Entscheidung sei für Antigen-Tests gefallen. Lauterbach bricht trotzdem eine Lanze für die sogenannten „Schnelltests“, die „hochinfektiöse Personen“ mit „großer Wahrscheinlichkeit“ nachweisen könnten.

Für mehr Testungen statt einer Impfpflicht spricht sich die FDP-Abgeordnete Linda Teuteberg aus, die den Gruppenantrag gegen eine allgemeine Impfpflicht im Bundestag unterstützt. Sie betont: Für die Einführung einer Impfpflicht brauche es aus juristischer Sicht „nachvollziehbare Gründe“. Als „Mittel der Erziehung“, „um ein Signal zu setzen“ oder um es der Politik „leichter zu machen“, sei sie nicht verfassungskonform. Auch Rechtswissenschaftlerin Frauke Rostalski macht deutlich, dass in Sachen Impfpflicht der Schutz vor schwerer Erkrankung rechtlich etwas völlig anderes darstelle, als der Schutz vor Erkrankung an sich.

Lauterbach bleibt gelassen und kündigt an: Er sei für eine Impfpflicht ab 18 Jahren. Kompromisse seien jetzt nicht gefragt: „Ich muss nicht über einen Kompromiss nachdenken, wenn es noch eine gute Lösung geben kann.“ Allerdings bleibt er bei seiner Entscheidung, in seiner Rolle als Gesundheitsminister keinen eigenen Antrag einzureichen. Die Kritik an einem fehlenden Impfregister nennt Lauterbach ein „Totschlagargument“ und verweist auf Frankreich, wo auch ohne Register eine Quasi-Impfpflicht gilt.

Erfolge erhofft sich Lauterbach mit dem neuen Impfstoff Novavax, von dem Ende Februar 2,4 Millionen Dosen an den Bund geliefert und dann direkt an die Länder weitergereicht werden sollen. Der Minister ist sich sicher: „Mit dem Novavax-Impfstoff werden wir noch was reißen.“ Er schiebt noch eine Botschaft an Impfgegner hinterher: „Die täuschen vor, dass es die Pflegekräfte wären, die Angst um ihren Körper haben und so weiter.“ Das sei falsch.

Fazit des „Maybrit Illner“-Talks

Während ihre Talkshow-Kollegen sich langsam auch anderen Themen als Corona widmen, bleibt Illner dem Trend treu und so war es wohl kein Zufall, dass Minister Karl Lauterbach mit von der Partie war. Auf Twitter bekam er trotzdem die volle Breitseite. Die Kommentare überschlugen sich vor allem unter dem Lauterbach-Zitat aus der Sendung: „Meine Aufgabe muss es sein, die Bevölkerung so gut zu schützen, wie es geht.“ (Verena Schulemann) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.